Die Bürger in Ballstädt haben sich einen Konsum gebaut

Ballstädt  Das erste Lebensmittelgeschäft einer Genossenschaft in Thüringen ist seit dem 5. November geöffnet

Andrea Frank (46), Waltraud Orthey (63) und Mandy Jagiella (32, von links ) erwarten im neuen Konsum von Ballstädt die Kunden. Foto: Ute Rang

Andrea Frank (46), Waltraud Orthey (63) und Mandy Jagiella (32, von links ) erwarten im neuen Konsum von Ballstädt die Kunden. Foto: Ute Rang

Foto: zgt

Der Bäcker hatte die Tür für immer abgeschlossen. Der Laden stand leer. Einigen war das egal, einige schimpften. Einige dachten nach, hatten Mut und fassten sich ein Herz. Andrea Frank gehörte dazu. Sie stand eines Tages im Büro der Verwaltungsgemeinschaft und sagte: Wir haben eine Idee.

So fing es vor gut einem Jahr an. Gestern stand Andrea Frank in aller Frühe im Laden. Der Backstand, den Peter Meininger aus Gotha beliefert, musste eingeräumt werden. Außerdem war da die Aufregung. Kurz nach neun Uhr schnitt Andrea Frank gemeinsam mit Martin Schmähling das Absperrband durch.

Hinter ihnen liegt eine aufregende Zeit. Hunderte Stunden haben auch die, die im Vorstand der Bürgergenossenschaft sind, für den Konsum gearbeitet. Von der Idee bis zu gestrigen Eröffnung war es ein langer, sehr langer Weg, wenn man all die Formalitäten und Anträge bedenkt, von den Handwerksleistungen ganz zu schweigen.

Sie fanden Verbündete beispielsweise bei der Thüringer Landgesellschaft, die eine Möglichkeit sah, das Projekt in die aktuelle Förderung einzuklinken. Das brachte noch keine Geldgeschenke, aber es ging voran. Letztendlich, das sagen die kundigen Redner bei der Eröffnung, konnten 20 000 Euro in die Sanierung investiert werden, wovon eine guter Teil gefördert wird. Dann aber bleibt noch immer der Warenbestand. Er wurde aus dem Vermögen der Genossenschaft finanziert. Horst Dunkel (63) ist Aufsichtsratschef und erklärt: „Wir haben viele Mitglieder gewonnen. Das sind 45 Einzelpersonen, vier Firmen und die Gemeinde.“ Bei den Firmen zählt er den Handwerker Schneegaß, den Energieanbieter Boreas, der den Windpark bei Ballstädt betreibt, auf. Dazu kommen aus der Landwirtschaft der Betrieb HAB aus Molschleben und die Agrargenossenschaft Goldbach.

„Die Einzelpersonen haben zwischen hundert und dreihundert Euro in den Topf der Genossenschaft getan, die Betriebe etwas mehr“, beschreibt Horst Dunkel die Grundlage für den thüringenweit einzigen Konsum, der von einer Bürgergenossenschaft betrieben wird. Sie alle wüssten, dass das Geld auch weg sein kann. Jedes Unternehmen hat ein Risiko. Aber sie haben realistisch geplant. Im einem ziemlich weiten Umkreis gibt es keine Einkaufsmöglichkeit.

Außerdem verweist Horst Dunkel darauf, dass die Zahlen zwar stimmen müssten, es aber nicht allein darum und schon gar nicht um das Reichwerden geht: „Es geht um Gemeinsinn. Ein Ort braucht eine gewisse In-frastruktur, sonst stirbt er aus. Dazu gehört auch ein Geschäft, in dem man einkaufen kann, in dem man aber auch andere Leute trifft, ein Schwätzchen macht und Neues erfährt oder sich verabredet.“ Lang ist die Liste der Helfer und Handwerker, denen zur Eröffnung gedankt wird.

Dann strömen die Kunden voller Neugier hinein. Gitta Giese ist die Erste und bekommt einen Blumenstrauß. Sieglinde Möller (79) sagt: „Wir Senioren sind überglücklich. Nun müssen wir nicht immer unsere Kinder bitten.“ Margot Sever geht mit ihrem Mann Harald am Kühlregal entlang. Am Backstand fragt jemand: Sind die Pfannkuchen mit Marmelade oder mit Mus?

Die erste Rechnung bringt 19.51 Euro in die Kasse.

Der Konsum öffnet Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 7.30-11 Uhr und von 15-19 Uhr, Mittwoch und Samstag von 7.30-11 Uhr