Ein Gothaer Lexikograph von Weltruf

otha.  Jubilar des Monats: Zum 125. Todestag von Karl Ernst Georges (1806-1895), Schöpfer des nach ihm benannten lateinischen Handwörterbuches.

Im Haus „Zum Steinadler“ in der Siebleber Straße 7 verbrachte der berühmte Lexikograph Karl Ernst Georges (1806-1895) seinen Lebensabend.

Im Haus „Zum Steinadler“ in der Siebleber Straße 7 verbrachte der berühmte Lexikograph Karl Ernst Georges (1806-1895) seinen Lebensabend.

Foto: Matthias Wenzel

G„Man benutzt das Handwörterbuch ausgiebig, vergißt aber dabei den Verfasser.“ Dies beklagte unser heutiger Jubilar bereits zu seinen Lebzeiten. Dabei schlägt noch heute jeder Lateinschüler ganz selbstverständlich im „Georges“ nach. Ob aber die Gothaer Gymnasiasten wissen, dass sich hinter diesem Namen ein Landsmann verbirgt, ist fraglich.

Der am 25. August bevorstehende 125. Todestag des Lexikographen Karl Ernst Georges soll deshalb der Anlass für eine Würdigung seines Lebenswerkes sein. Das älteste Kind des aus Clausthal/Harz stammenden Gothaer Hofglasermeisters Heinrich Gottlieb Georges (1771-1843) wurde 1806 geboren. In sämtlichen Nachschlagewerken steht der 26. oder sogar der 6. Dezember als vermeintliches Geburtsdatum. Laut Kirchenbuch und Geburtseintrag in den „Wöchentlichen Gothaischen Anfragen und Nachrichten“ wurde er jedoch eindeutig am 30. Dezember geboren.

Obwohl er eigentlich für das Handwerk seines Vaters bestimmt war, setzte sich der junge wissbegierige Georges mit seinen Bitten durch und durfte schließlich die Gymnasien in Gotha und Nordhausen besuchen, wo er in dem Lexikographen Kraft einen Lehrer fand, der seine schon damals lexikalischen Arbeiten zugewandten Neigungen lebhaft förderte.

Klassische Philologie in Göttingen und Leipzig studiert

Nachdem Georges 1826 das Abitur bestanden hatte, fasste er den Entschluss, sich dem Lehrerberufe zu widmen und studierte klassische Philologie in Göttingen und Leipzig. Bereits zwei Jahre später gab er die 7. Auflage von Schellers „Lateinisch-deutschem Handwörterbuch“ heraus.

Mit dessen 10. Auflage setzte er 1848 „ein völlig neues Werk an dessen Stelle“. Von 1830 bis 1834 verfasste er ein eigenes „Deutsch-lateinisches Handwörterbuch“ und erhielt dafür 1835 die Doktorwürde auch ohne eine eingereichte Dissertation verliehen.

Trotzdem war der Wissenschaftler Georges auch ein Familienmensch. 1837 hatte er in Camburg Caroline, geborene Hunnius (1815-1886), geheiratet. Aus dieser Ehe sind acht Kinder hervorgegangen, sechs Töchter sowie die Söhne Ernst (1847-1901), der seit 1871 als Pfarrer in Hochheim tätig war, und der spätere Gothaer Bibliothekar Heinrich Georges (1852-1921).

Zu Ostern 1839 wurde Georges als Hilfslehrer am neu gegründeten Gothaer Realgymnasium in der Bergallee angestellt, ohne jedoch an seiner Lehrtätigkeit die Freude und innere Befriedigung zu finden, die ihn für die Beschränkung der für seine lexikalische Arbeit unentbehrlichen Muße hätte entschädigen können.

Laut seiner Personalakte war bereits zum 1. April 1856 die Entfernung des Oberlehrers Georges vom Lehramte notwendig erschienen. Er wurde aus Rücksicht auf die Verwaltung des öffentlichen Dienstes und wohl auch wegen eines zunehmenden Augenleidens zur Disposition gestellt, erhielt weiterhin ein jährliches Dispositionsgehalt von 350 Talern und konnte sich somit seitdem ausschließlich der Lexikographie widmen.

Unentbehrliches Arbeitsmittel für Lateinschüler

Am 23. November 1862 erteilte ihm Herzog Ernst II. „in Anerkennung seiner ausgezeichneten Leistungen auf dem Gebiete der lateinischen Lexikographie“ das Prädikat Professor. 1864/65 gab Georges ein „Kleines lateinisches Handwörterbuch“ und 1876/77 ein „Lateinisches Schulwörterbuch“ heraus. An seinem 50-jährigen Jubiläum als Lexikograph erhielt er 1878 das Verdienstkreuz für Kunst und Wissenschaft und an seinem 50-jährigen Doktorjubiläum das Ritterkreuz des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens I. Klasse.

Seit 1877 wohnte das Ehepaar Georges im Haus „Zum Steinadler“ in der Siebleber Straße 7. Nachdem die zunehmende Schwäche des Greisenalters ihn zum Aufhören gezwungen hatte, folgte er am 25. August 1895 im 89. Lebensjahr seiner bereits neun Jahre zuvor verstorbenen Gattin. „Unter den bedeutendsten Männern, die in unserer Stadt lebten und wirkten, wird Georges stets einen ehrenvollen Platz einnehmen.“ Mit diesen Worten endete der zwei Tage darauf in der „Gothaischen Zeitung“ erschienene Nachruf.

Seine lexikographischen Arbeiten wurden von seinen Söhnen Heinrich und Ernst fortgesetzt. Der Bibliothekar Heinrich Georges gab 1913 die achte verbesserte und vermehrte Auflage des Handwörterbuchs heraus, die 1969 als unveränderter Nachdruck vom Verlag Schwabe & Co. in Basel und Stuttgart herausgegeben wurde. Laut Expertenmeinung war „Der Georges“ – wie seine nach wie vor Weltruf genießenden Wörterbücher noch respektvoll genannt werden – „bis auf den heutigen Tag unübertroffen“.

Georges’ Kollege – der Gothaer Bibliothekar Rudolf Ehwald (1847-1927) – hoffte nicht zu Unrecht: „Sein Name wird in Ehren genannt werden, solange lateinische Studien blühen.“ Tatsächlich erschien erst 2013 sein ausführliches Handwörterbuch im Verlag Wbg Academic unter dem Titel „Der Neue Georges“ erneut als „ein unentbehrliches Arbeitsmittel für alle, die sich intensiv mit dem klassischen Latein beschäftigen“, so der Verlag.