Erdgasbohrlöcher aus DDR-Zeit werden nahe Goldbach verfüllt

Goldbach.  Vorbereitung der Rückbau-Kampagne führt zu ländlichem Wegebau. Aktion wird über mehrere Jahre andauern

Rayko Jordan zeigt den Rückbauplatz am Goldberg bei Goldbach. Die Baumaschinen sind inzwischen verschwunden.

Rayko Jordan zeigt den Rückbauplatz am Goldberg bei Goldbach. Die Baumaschinen sind inzwischen verschwunden.

Foto: Peter Riecke

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In den vergangenen Wochen waren am nordwestlichen Ende der Nessetal-Ortschaft Goldbach reichlich Kipper, Bagger und weitere Straßenbau-Maschinen in Aktion. Die Goldbacher haben gut asphaltierten Weg bekommen, der auf den Goldberg und damit einen Aussichtspunkt in der Region führt. Am Mittwoch, 10. Dezember, ist die Bauabnahme für den Weg geplant. Er endet nicht auf der Kuppe des Goldberges, sondern etwas weiter westwärts, auf einer planen fest geschotterten Fläche von etwa 60 mal 43 Meter, die inzwischen durch einen Bauzaun abgesperrt ist. In der Mitte umschließen weitere Zäune ein Rohr, auf dem ein Manometer thront. Es zeigt knapp über 10 bar an. Mehr Druck liegt nicht mehr an an der einstigen Erkundungsbohrungen aus den sechziger Jahren der DDR. Die Firma Neptune Energie als Rechtsnachfolger des DDR-Unternehmens will nun die bergrechtliche Rückbau-Verpflichtung für die über 1000 Meter tiefe Bohrung umsetzen. Allerdings nicht nur dort, sondern neun Bohrungen betreffend, vier im Landkreis Gotha und fünf im Unstrut-Hainich-Kreis. Dieser Rückbau war so nicht von Anfang an geplant, da es in der Vergangenheit Überlegungen gab, das Bohrfeld um den Kriegberg als Erdgas-Speicher zu nutzen. Das Vorhaben wurde aber aufgegeben.

Der Rückbau ist nahezu genauso aufwendig wie eine Bohrung zu setzen. Als die Bohrung entstand, wurde oben zunächst ein großer Radius gebohrt und der Rand zementiert, um dem Loch Festigkeit zu geben. Dann folgen mehrere Rohrtouren genannte Abschnitte, die immer kleiner, aber auch immer tiefer gehen. Die beweglichen dieser Rohrtouren müssen entfernt werden. Dafür bedarf es einer „Work-Over“-Anlage, die mobil ist, wie ein kleiner Bohrturm aussieht und sechzig Tonnen wiegt. Für den An- und Abtransport und den Aufbau der teuren Anlage werden die Stellplätze und Wege gebaut.

Im Landkreis Gotha betrifft das neben Goldbach auch ein Areal zwischen Goldbach und Eberstädt. Auch dort ist das Baugeschehen von der Landstraße aus sichtbar. Weitere zurückzubauende Bohrlöcher finden sich am Kranberg näher an Remstädt und in den Fahnerschen Höhen zwischen Bienstädt und Gierstädt. Die Anlage kann erst angefordert werden, wenn die Wege und Plätze fertig sind, denn dann drängt die Zeit, die teuren Gerätschaften effizient zu nutzen. Rayko Jordan, im Bereich Rückbau bei der Neptune Energie Deutschland GmbH für Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig, rechnet mit einem Arbeitsbeginn nicht vor dem vierten Quartal 2020.

Sind die Rohrtouren ausgebaut, wird das Bohrloch geglättet, damit ein Spezial-Zement gut abschließt. Er wird für jedes Bohrloch extra bestimmt. Endziel ist, die Bohrstellen so zurückzugeben, dass das Areal wieder nutzbar ist. Landwirtschaft kann dann dort wieder betrieben werden. Lediglich der dauerhafte Aufenthalt vom Menschen und Tieren auf einer fünf mal fünf Meter großen Fläche um das Bohrloch wird auch künftig nicht gestattet sein. Bis dahin erfreuen sich die Goldbacher ihres neuen Wanderweges. Der soll bis zur Bergkuppe erhalten bleiben. Der Rest wird in ein paar Jahren zurückgebaut und durch Kalkstein-Schotter ersetzt. Der ist auch befahrbar, lässt aber Regenwasser durch. Außerdem können sich sogenannte seltene Trittpflanzen-Gesellschaften dann wieder ansiedeln.

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