Hauptmarkt Gotha: Pferdetränke erhält Bronzestatuen

Gotha.  Die Pferdetränke soll mit Figuren des Bildhauers Bernd Göbel ausgestattet werden. Der Denkmalbeirat denkt bereits über Diebstahlschutz nach.

Bildhauer Bernd Göbel stellt die Entwürfe der Postamente vor, die ab Ende 2021 die Pferdetränke auf dem Hauptmarkt schmücken sollen.

Bildhauer Bernd Göbel stellt die Entwürfe der Postamente vor, die ab Ende 2021 die Pferdetränke auf dem Hauptmarkt schmücken sollen.

Foto: Victoria Augener

Die Gipsskulpturen, die am Freitagnachmittag auf den Sockeln der Pferdetränke platziert sind, geben eine Vorstellung davon, welche Pracht der Hauptmarkt nach seiner Sanierung ausstrahlen soll. Aus den weißen Figuren sollen bis zur Fertigstellung Ende 2021 bronzene Skulpturen werden – eine jede als Sinnbild für ein Fragment der Gothaer Stadtgeschichte sowie Tugenden, die die Gothaer in eine gute Zukunft führen sollen.

Eine Figur wäre ohne das Jahr 2020 so nicht entstanden: Eine weibliche Figur in Krankenhauskleidung rammt einen Bolzen in eine Kugel, während sie die Erdkugel schützend an sich drückt. Es ist das Pflegepersonal, die Tugend Tapferkeit in Person, die das Coronavirus auf diese Weise unter Kontrolle hält. Die Darstellung zeugt von Hoffnung, die Pandemie zu überstehen, und Dankbarkeit gegenüber ihren wichtigsten Akteuren.

Vom Denkmalbeirat, dessen Mitglieder sich an diesem Nachmittag an der Pferdetränke eingefunden hatten, werden die Entwürfe von Bernd Göbel anerkennend aufgenommen. Der Beirat, der erst im September berufen wurde, besteht aus Stadträten, Baufachleuten und interessierten Gothaern und soll zwischen Denkmalbehörde und Bürgern vermitteln. Die Großbaustelle Hauptmarkt ist nun ihr Schwerpunktthema.

Schon zwei Werke Göbels stehen in der Stadt

Bernd Göbel verewigt sich in Gotha nicht zum ersten Mal mit seiner Kunst. Bereits die Statue von Luise Dorothea sowie das Denkmal für den Versicherungsgründer Ernst-Wilhelm Arnoldi hat er entworfen. So liegt es auch nicht fern, von der „fortschreitenden Göbelianisierung Gothas“ zu sprechen, wie einer der Anwesenden bei dem Treffen am Freitag bemerkt. Der im sächsischen Freiberg geborene Bildhauer hat zudem in Halle an der Saale zahlreiche Kunstwerke im öffentlichen Raum geschaffen.

Die 1888 auf dem Hauptmarkt entstandene Pferdetränke, die diesen Namen erst später erhielt, hat mit den Lastentieren wenig zu tun. Vielmehr ist sie eine Balustrade, die Göbel mit bedeutungsreichen Sinnbildern ausschmückt. Dabei lehnt er sich an christliche Symbolik an, misst jedoch auch weltlichen Errungenschaften großen Wert zu. „In diesen wilden Zeiten will ich an die Vergangenheit erinnern und das Nachdenken über Tugenden anstoßen“, so der 78-Jährige.

Dazu sollen vier Würfel auf den Sockeln platziert werden, die in Reliefs wichtige Persönlichkeiten zeigen: ureigene wie Ernst den Frommen, der Schloss Friedenstein aufbaute, aber auch Besucher wie Willy Brandt, der im Januar 1990 am Hauptmarkt vor Tausenden Zuhörern sprach.

GPS-Sender in den Skulpturen als Diebstahlschutz

Jeder der Würfel steht für ein wichtiges Jahrhundert in der Geschichte Gothas. Die Tugenden Glaube, Weisheit, Nächstenliebe, Tapferkeit, Glück und Hoffnung treten als Frauenfiguren auf. Ihnen sind zwei Wächterinnen zur Seite gestellt.

Wie Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) erklärt, sollen die Figuren diebstahlsicher in die Sandstein-Balustrade eingedübelt werden. Dass Freude an den Figuren nur von kurzer Dauer sein könnte, ist auch die Befürchtung des Künstlers, der schon Erfahrungen mit Diebstahl gemacht hat. Abhilfe sollen zur Not GPS-Sender in den Skulpturen schaffen.