Der Robur war auf Betriebsausflug und hat Schichtarbeiter transportiert

Ilmenau  Robustes Fahrzeug findet auch heute noch seine Anhänger, die es als Reisebus, zur Mieterberatung oder als Wohnmobil nutzen

Am 31. Juli 2010 hatte dieser Robur-Bus seine Fahrgäste zum Bahnhof Rennsteig gebracht. Nicht nur dort herrschte an jenem Tag Hochbetrieb, sondern auch auf dem Gelände des Bunkermuseums in der Nähe von Frauenwald, wo eine große Fahrzeugschau stattfand.

Am 31. Juli 2010 hatte dieser Robur-Bus seine Fahrgäste zum Bahnhof Rennsteig gebracht. Nicht nur dort herrschte an jenem Tag Hochbetrieb, sondern auch auf dem Gelände des Bunkermuseums in der Nähe von Frauenwald, wo eine große Fahrzeugschau stattfand.

Foto: Hans-Joachim Weise

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Es gab wohl kaum einen Ilmenauer Großbetrieb, der nicht über einen eigenen Bus verfügte. Betriebsleitungen fuhren damit zur Leipziger Messe, zu Tagungen und Konferenzen, Arbeitskollektive nutzten ihn für Brigadeausflüge und auch für den Transport von Schichtarbeitern. Fast immer war es der bewährte B 21 mit dem Schriftzug „LO 2500“ aus den Zittauer Robur-Werken, der zu den genannten Zwecken angeschafft wurde. Außer dem Fahrer fanden in ihm 20 Personen ausreichend Platz, was für die Bedürfnisse eines Betriebes wie dem VEB Elektroglas/VEB Mikroelektronik völlig ausreichte.

Vor 60 Jahren, 1957, war der Bus der erste Fahrzeugtyp, der die neue Reihe der Robur-Fahrzeuge eröffnete. War der Motor beim Vorgänger Garant noch unter einer Haube vor dem Fahrerhaus angeordnet, weshalb man von einem Langhauber spricht, so gehören alle Busse und Lkw der Robur-Reihe zu den Frontlenkern, die auch heute allgemein üblich sind. Anfangs ausschließlich mit einem 70 PS leistenden Vierzylinder-Viertakt-Otto-Motor ausgestattet, folgte von 1964 bis 1973 und dann wieder ab 1982 auch ein Dieselmotor. Für den Otto-Motor steht die Typenbezeichnung LO, für den Diesel LD. Weil sie äußerlich nur durch Einzelheiten zu unterscheiden sind, setzte sich im Volksmund der freundlich gemeinte Spitzname „Ello“ durch. Als Besonderheit besaßen alle Fahrzeuge von Anfang an Luftkühlung. Insbesondere in afrikanischen und asiatischen Ländern mit trockenem und heißem Klima war der zuverlässige und anspruchslose Robur sehr begehrt. So beliefen sich die Exportabschlüsse für Lkw und Busse auf der Leipziger Messe 1961 auf insgesamt 53 Millionen D-Mark.

Ausehen des Kühlergrills wurde geändert

Ab 1968 erfuhr die Stirnseite aller Robur-Typen, also auch des Busses, eine grundlegende Änderung: Der an ein Fischmaul erinnernde Kühlergrill mit senkrechten Lamellen wich einem rechteckigen mit waagerechten Lamellen.

Die mit Dieselmotor ausgestatteten Busse erhielten die Bezeichnung LD 3000. Typisch für den Bus wie auch für alle anderen Robur-Typen, die Einsatzfahrzeuge für Feuerwehr, Volkspolizei, Volksarmee und Grenztruppen ausgenommen, waren die eine gute Sicht ermöglichenden Panorama-Stirnscheiben. Vom Bus gab es auch eine Sonderausführung für das Fernsehen der DDR, die vor allem bei Veranstaltungen als Übertragungswagen zum Einsatz kam. Bereits 1975 war mit dem B 26 ein neuer und zeitgemäßerer Nachfolger entwickelt worden. Recht kurzsichtige politische Entscheidungen und nicht ausreichende Investitionsmittel verhinderten jedoch die Serienfertigung.

Selbst heute werden noch zahlreiche LD 3000-Busse genutzt, und zwar nicht nur von Liebhabern, sondern ebenso zu ganz profanen Zwecken: Kleinere Betriebe setzen sie sowohl für den Personaltransport als auch als Werkstattfahrzeug ein, Reiseunternehmen verwenden sie für Kurzreisen, Wohnungsverwaltungen für die Mieterberatung und findige Bastler haben so manchen Robur-Bus zum Wohnmobil umgebaut.

Übrigens gab es den Lkw, aber leider nicht den Bus, als aus einem Bausatz herzustellendes Spielzeug. Rahmen und Ladebrücke des von Piko Sonneberg angefertigten Modells bestanden aus Polystyrol, das Fahrerhaus aus Polyethylen und weitere Teile aus Blech. Das von einem 4,5-Volt-Motor angetriebene Fahrzeug besaß zwei Vorwärtsgänge, Leerlauf und einen Rückwärtsgang. Ein Ergänzungsbaukasten enthielt ein kleines Handpult für die Kabelfernsteuerung, die Beleuchtungs- und eine durch den Ausschlag der Vorderräder automatisch geschaltete Blinkanlage. Ein weiterer Zusatzbaukasten ermöglichte außerdem einen Anhängerbetrieb.

Quellen des Autors: „DDR-Fahrzeuge“, ohne Autorenangabe, garant Verlag GmbH, Renningen 2014 „technikus“, Heft 7/1963, Verlag Junge Welt, Berlin

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