Bürgeler Töpfer zwischen Enttäuschung und Hoffnung

Bürgel.  Statt zum 46. Töpfermarkt wurde am Wochenende in offene Töpfereien in Bürgel, Rodigast und Eisenberg eingeladen.

Weil der Bürgeler Töpfermarkt vom Veranstalter aufgrund der aktuellen Corona-Lage gestrichen wurde, ist am 20. und 21. Juni zu einem Tag der offenen Töpferei eingeladen worden, unter anderem  von Töpfern in Bürgel, Rodigast und Eisenberg. Töpferin Antje Reinhardt aus Drößnitz

Weil der Bürgeler Töpfermarkt vom Veranstalter aufgrund der aktuellen Corona-Lage gestrichen wurde, ist am 20. und 21. Juni zu einem Tag der offenen Töpferei eingeladen worden, unter anderem  von Töpfern in Bürgel, Rodigast und Eisenberg. Töpferin Antje Reinhardt aus Drößnitz

Foto: Ute Flamich

Corona hat das Leben der Töpfer verändert. Das ist am Wochenende zum Tag der offenen Töpfereien in Bürgel, Rodigast und Eisenberg sehr deutlich geworden. Weil der 46. Bürgeler Töpfermarkt coronabedingt ausfallen musste, nutzten die Keramiker die Form der offenen Türen, um wieder auf sich und ihre Handwerkskunst aufmerksam zu machen. Freude, Enttäuschung, Zuversicht, Bedenken, Hoffnungen – das waren nur einige der allgegenwärtigen Emotionen in Bürgel.

„Wir hatten keine Erwartungen an diese zwei Tage“, sagte Falk Wächter, der Geschäftsführer der Töpferei Echtbürgel, am Sonnabend. „Umso schöner ist es, dass unser Angebot angenommen wird und die Leute kommen. Auch mit den notwendigen Hygienemaßnahmen hat alles geklappt.“

Vor seinem Geschäft Am Markt 4 bis 5 nutzten Besucher gerade die Gelegenheit, sich mit der amtierenden Bürgeler Keramikkönigin Denise I. – alias Denise Tschirschwitz aus Eisenberg – fotografieren zu lassen. Mit Mann und Sohn zog sie von Töpferei zu Töpferei, um nach dem Befinden zu fragen und ein wenig zu plaudern. „Ich bin froh, dass ich mich endlich wieder in Amt und Kleid präsentieren darf.“

Froh ist auch Falk Wächter. Nach Umsätzen, die gegen Null gingen, nach Kurzarbeit und vielen Verboten werde in seiner Werkstatt seit einigen Tagen wieder voll produziert. Neue Umstände bringen neue Ideen mit sich – bei Echtbürgel bedeutete das unter anderem, dass eine Tasse in Blau-Weiß mit den Aufschriften „Homeoffice“ und „Homeschooling“ angefertigt wurde, ebenso eine blau-weiße Mund-Nasen-Bedeckung. Die Kunden kauften.

Aber auch große Enttäuschung macht sich bei Wächter breit. Der 46. Töpfermarkt, der auf September dieses Jahres verschoben wurde, ist abgesagt. Denn auch nach den Lockerungen der Corona-Infektionsschutzbestimmungen bleiben Großveranstaltungen bis vorerst zum 31. August 2020 untersagt. „Mit 15.000 bis 20.000 Besuchern würde der Töpfermarkt auch ohne Gastronomie und Kulturprogramm unter diese Veranstaltungskategorie fallen. Alle geprüften Varianten mit angepassten Betriebsflächen scheitern unter anderem an der kaum zu gewährleistenden Zugangsregulierung“, heißt es seitens der Veranstalter.

Gemeinsam wollen die Töpfer der Region nach einer Alternative suchen. „Ich finde es unglaublich schade, dass der Markt im September nicht stattfinden kann. Zumal es schon ein festes Datum gab und mehr als 70 Stand-Bewerbungen“, sagte die Bürgeler Töpferin Birgit Greiner. Für sie ist es der Verlust einer weiteren Möglichkeit, ihre Ware an den Kunden zu bringen und Geld zu verdienen. Von insgesamt 17 Märkten in diesem Jahr sind jetzt schon sieben weggefallen, ob die restlichen zehn durchgeführt werden, ist noch nicht sicher. Auch in ihrer Werkstatt arbeite sie derzeit noch allein. Sie hofft, spätestens ab August ihre Mitarbeiterin, eine Keramikmalerin, zurückholen zu können. „Dank des Corona-Soforthilfeprogramms konnte ich bisher aber alles ganz gut überstehen. Mal sehen, wie es in den nächsten Monaten weitergeht.“

Mehr Klarheit darüber, wo, wie, ob und auf welchen Märkten und Veranstaltungen sie in den kommenden Wochen und Monaten präsent sein können, wünscht sich auch Töpferin Mechthild Schinnerling aus Zeulenroda-Triebes. Gemeinsam mit den Töpferinnen Katrin Fröderking und Uta Mill aus Jena sowie Antje Reinhardt aus Drößnitz präsentierte sie am Wochenende ihre Waren am Keramikmuseum in Bürgel. „Wir wollen nicht immer nur in den Startlöchern sitzen. Wir wünschen uns, dass mit passenden Konzepten so schnell wie möglich wieder Kultur und Leben in den Alltag von uns allen gebracht werden kann. Mut für neue Wege ist dabei ganz wichtig. Es kann doch nicht sein, dass nur Kaufhäuser geöffnet haben“, sagte sie. Für ihre Berufsgruppe stehe nun an, sich „straff nach weiteren Vertriebsmöglichkeiten“ umzuschauen. „Wir müssen umdenken.“ Trotz allem sieht sie auch eine Chance in der gegenwärtigen Situation: „Bei den Leuten wird gerade das Bewusstsein für regionale Produkte wieder ein bisschen geschärft. Sie wollen die Menschen vor Ort unterstützen.“

Für Töpferin Antje Reinhardt war die Veranstaltung am Wochenende der erste Außentermin seit einem halben Jahr. „Es ist vor allem schön, sich wieder direkt mit den Kollegen austauschen und unterhalten zu können“, sagte sie. „Es ist auch eine sehr schöne Kombination, dass wir hier am Museum stehen können, während das Museum geöffnet hat und kostenlos besucht werden kann.“ Andere, neue Wege zu suchen, das sieht auch sie als eine Herausforderung für ihre Berufsgruppe an. „Allerdings gehören wir zu einer Randgruppe, zu einer kleinen Handwerksstruktur. Es wird schwer werden, Lösungen zu finden.“