Er förderte den Ausbau der Infrastruktur im Altkreis Mühlhausen

Unstrut-Hainich-Kreis.  Mit Robert Klemm verstarb vor 90 Jahren Mühlhausens dienstältester Landrat.

 Landrat Robert Klemm trieb in der Kaiserzeit viele Infrastrukturmaßnahmen im Altkreis Mühlhausen an.

 Landrat Robert Klemm trieb in der Kaiserzeit viele Infrastrukturmaßnahmen im Altkreis Mühlhausen an.

Foto: Mühlhäuser Museen

Vor 90 Jahren starb in Mühlhausen Robert Klemm. Der promovierte Jurist war der Nachfolger von Sittig Freiherr von Wintzingerode-Knorr und mit 35 Amtsjahren der dienstälteste Landrat des Altkreises Mühlhausen.

Von seinem Wirken zwischen dem 29. Mai 1888 und dem 31. März 1922 ist bis heute vieles erhalten geblieben. Zum Beispiel kündet der Wasserbehälter auf dem 516 Meter hohen Rain zwischen Struth und Effelder vom Anschluss der Eichsfeld-Gemeinden Struth, Effelder, Küllstedt, Wachstedt und Büttstedt, sowie von Eigenrieden an die öffentliche Trinkwasserversorgung. Auf Initiative von Landrat Klemm begann 1908 nach einer besonderen Trockenperiode der Wasserleitungsbau. Seit 1911 versorgt frisches Leitungswasser aus der Gläsner-Quelle nahe Großbartloff die damals noch zum Kreis Mühlhausen gehörenden Dörfer des Obereichsfeldes.

Der Bau von Kleinbahnen diente der Eindämmung der Landflucht und wurde vom Preußischen Staat seinerzeit finanziell unterstützt. So entstanden unter Robert Klemms Federführung die Bahnstrecken zwischen Ebeleben und Treffurt nach Mühlhausen. Letztere ist auch als Vogteier Bimmel bekannt, wurde 1911 eingeweiht und bis 1969 betrieben. Auf dem alten Bahndamm führt heute der südwestliche Ast des Unstrut-Werra-Radwegs entlang.

Obereichsfelder Kleinbahn wurde 1912 eingeweiht

Die Bahn nach Ebeleben war ein länderübergreifendes Projekt. Sie schnitt ab 1887 Teile des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha, die Fürstentümer Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen und auf Mühlhäuser Seite auf acht Kilometer Länge auch das Königreich Preußen. Bis 1998 rollte auf dieser Strecke bis Schlotheim noch Bahnverkehr. Auf ihrer Trasse verläuft heute der 2016 eingeweihte nordöstliche Ast des Unstrut-Werra-Radweges.

Auf Klemms Initiative entstand außerdem die 1912 eingeweihte Obereichsfelder Kleinbahn zwischen Silberhausen und Hüpstedt. Mit dem Bahnbau ermöglichte Klemm das Berufspendeln in die Städte Mühlhausen und Dingelstädt beziehungsweise zum Kalischacht nach Hüpstedt. Klemm wirkte damit nicht nur der Landflucht entgegen, sondern auch der Verödung der Dörfer. Wer in den Städten Arbeit fand, konnte trotzdem auf dem Dorf wohnen bleiben und mit den Arbeitslöhnen etwas Wohlstand aufs Land tragen. Die Lebensbedingungen dort verbesserte Klemm auch mit der Anbindung an die Stromversorgung. Dadurch erhielt und schuf er auf dem Land zahlreiche Arbeitsplätze.

Die Gründung der Kreissparkasse 1893 rundete dieses Ansinnen ab. Günstige Kredite und zinsbegünstigtes Sparen sicherten vielen Menschen im Landkreis die Selbstständigkeit, die Teilnahme am öffentlichen Leben und ermöglichte Anschaffungen und Innovationen, mit denen der technische Fortschritt in die Region Einzug fand.

Ehrentafel noch zu Lebzeiten errichtet

Robert Klemm wurde am 20. März 1857 im evangelischen Ohmgebirgsort Haynrode an der Grenze zum katholischen Eichsfeld geboren. Er lebte während seiner Zeit als Landrat mit seiner Frau Corinna und den beiden Kindern Alice und Kurt in Mühlhausen. Zuletzt in dem unter seiner Regie in 1902 erbauten neuen Landratsamt, dem bis heute erhaltenen roten Klinkerbau am Lindenbühl 28. Das Gebäude ist auch als Kreisständehaus bekannt und ist heute Domizil der Kreismusikschule Johann Sebastian Bach.

Klemm starb 1930 im Alter von 73 Jahren und wurde als einer der letzten Mühlhäuser auf dem Alten Friedhof beerdigt. Eine Ehrentafel wurde noch zu Klemms Lebzeiten, nämlich anlässlich seines 70. Geburtstags, am Wasserbehälter auf dem Rain angebracht. Die noch unter seiner Regie angedachte öffentliche Trinkwasserversorgung der Dün-Dörfer erlebte Robert Klemm nicht mehr. Dafür fehlten in den Jahren des Ersten Weltkrieges und auch danach wegen Kriegswirtschaft und vom Deutschen Reich zu tragender Reparationszahlungen finanzielle Möglichkeiten.