Unstrut-Hainich: Regionalbus-Chef über die Corona-Herausforderungen

Unstrut-Hainich-Kreis.  So wären zum Beispiel die Schulbusse Anfang 2021 bereit für einen eventuellen Schichtbetrieb an Schulen, verrät Gerd Haßkerl in dem Interview.

Gerd Haßkerl ist der Geschäftsführer der Regionalbus GmbH mit Sitz in Mühlhausen. Nach dem Corona-Lockdown hat das Unternehmen immer noch mit erheblichen Umsatzverlusten zu kämpfen.

Gerd Haßkerl ist der Geschäftsführer der Regionalbus GmbH mit Sitz in Mühlhausen. Nach dem Corona-Lockdown hat das Unternehmen immer noch mit erheblichen Umsatzverlusten zu kämpfen.

Foto: Susan Voigt / Thüringer Allgemeine

Wie kommt die Regionalbus-Gesellschaft durch die Corona-Pandemie? Wie wird in den Bussen der Aufforderung nach dem Tragen der Maskenpflicht nachgekommen und welche Möglichkeiten sieht das Unternehmen, den Forderungen der Politik nachzukommen, einen gestaffelten Schulstart zu ermöglichen? Darüber sprachen wir mit dem Geschäftsführer der Regionalbus-Gesellschaft, Gerd Haßkerl.

Wie sehr fordert die Pandemie Ihre Mitarbeiter gesundheitlich?

Wir sind in den vergangenen Monaten gut durch die Pandemie gekommen, waren sogar gesünder als in letzten Jahren. Wir hatten allerdings drei positive Fälle und zahlreiche Fahrer in Quarantäne. Derzeit ist der Krankenstand recht hoch.

Wie viele Fahrer brauchen Sie, um den normalen Fahrplan erfüllen zu können?

Wir haben 125 Fahrer in der gesamten Firma; knapp 100 brauchen wir, um im Normalbetrieb fahren zu können.

Gibt es einen Pandemieplan?

Natürlich. Unseren aktuellen haben wir Anfang März fertig gestellt, wenige Tage vor dem ersten Corona-Lockdown. Darin spielen wir Szenarien durch wie: Was passiert, wenn zehn Prozent unserer Fahrer ausfallen, was bei 20 und was bei 30.

Was wäre der Super-Gau?

Wenn wir nur noch zehn Fahrer zur Verfügung hätten. Dann kämen wir aber trotzdem zumindest noch einmal am Tag in jedes Dorf, könnten die Leute zum Einkaufen oder zum Arzt und wieder zurück bringen. Mehr allerdings nicht. Das wäre der worst, worst, worst case.

Wie ist die aktuelle Situation, wenn es, wie jetzt, verschiedene krankheitsbedingte Ausfälle gibt?

Mit Monatsbeginn haben wir einzelne Dienste geteilt. Das heißt: Einzelne Fahrer arbeiten länger, bauen Überstunden auf.

Was passiert, wenn es mehr Ausfälle werden?

Im ersten Schritt würden alle, die einen Busführerschein haben, auch im Linienverkehr eingesetzt. Das wären weitere sechs Fahrer, die sonst in der Werkstatt arbeiten oder in der Verwaltung. Dann würden wir beginnen, den Stadtverkehr in Mühlhausen und in Sondershausen auszudünnen. Es bräuchte das Fehlen von mehr als 30 Fahrern, ehe der erste Schüler nicht zum Unterricht gefahren werden kann.

Wie vermeiden Sie, dass sich Busfahrer gegenseitig anstecken?

Bei uns in der Branche gibt es die sogenannten Geisterschichtwechsel. Das heißt: Der Busfahrer kommt nach der Tour auf den Werkshof, stellt das Fahrzeug ab, das dann desinfiziert wird. Dann bleibt das Fahrzeug mit offenen Türen stehen, bis der nächste Fahrer 15 oder 30 Minuten später seine Tour beginnt. Damit gibt es keinen direkten Kontakt zwischen den Fahrern.

Wie sind die Fahrer im Bus geschützt?

Seit dem Frühjahr haben wir Schutzwände, die Fahrgäste und Fahrer trennen. Und in unserer Werkstatt wurde eine Zange entwickelt, ähnlich der, wie man sie vom Grillen kennt, mit der Geld angenommen und in die Kasse geschoben werden kann. Einige unserer Busfahrer nutzen sie.

Eltern kritisieren, dass die Kinder in den Schulen Masken tragen müssen, aber im Bus eng an eng stehen. Haben Sie eine Lösung?

Wir haben unsere Fahrten so umstrukturiert, dass nur noch zehn Stehplätze notwendig sind, wenn alle für die Linie angemeldeten Schüler auch tatsächlich mitfahren. Natürlich kann das auch mal enger werden, wenn mehr andere Fahrgäste unterwegs sind. Aber nach unserer Kalkulation stehen maximal zehn Schüler auf einer Länge von zwölf Meter.

Die Politik fordert nicht zuletzt wegen der vollen Schulbusse einen gestaffelten Schulstart. Ist der für Ihr Unternehmen realisierbar?

Auf jeden Fall. Wir planen gerade, wie wir die Schulen in zwei Schichten anfahren können. Die Schulen müssten sich dann aber mit ihrem Stundenplan nach uns und unseren Fahrzeiten richten.

Wie wäre der zeitliche Abstand?

Wir bräuchten etwa eine Stunde und 45 Minuten, um die zweite Schicht Schüler zum Unterricht zu bringen. Kommt es soweit, müssten wir die Stadtverkehre extrem ausdünnen. Und auch im Regionalverkehr würde kaum mehr eine andere Linie fahren. Das System funktioniert aber nur, wenn tatsächlich alle Schulen, die wir anfahren, den Weg zum Schicht-Unterricht mitgehen. Zudem würden wir private Busunternehmen bitten, ihre Reisebusse für den Linienverkehr zur Verfügung zu stellen. Und es bräuchte den Landkreis, der die Kosten dafür tragen muss.

Wann könnte es, aus Ihrer Sicht, losgehen mit dem Schichtbetrieb in Schulen?

Wir wären Anfang des neuen Jahres soweit. Es sind außergewöhnliche Zeiten, die auch außergewöhnliche Maßnahmen verlangen.