Südharz: Wilde Vorurteile und Klischees im bunten Mix

Nordhausen  Kreisjugendring Nordhausen geht provokanten Weg, um Bundesprogramm zu bewerben.

Johanna Lautenbach mit einem Flyer der Kampagne.

Johanna Lautenbach mit einem Flyer der Kampagne.

Foto: Peter Cott

Alle Veganer nehmen uns die Arbeitsplätze weg. Und die meisten Behinderten sind gar nicht auf der Flucht.

Wer dieser Tage im Südharz auf Plakate mit Sprüchen wie diese beiden stößt und sich fragt, was das soll, der findet die Antwort im Internet oder im Nordhäuser Jugendclubhaus: Wissend lächelnd deuten hier Projektkoordinatorin Johanna Lautenbach vom Kreisjugendring und Steffen Mund von der Werbeagentur Plusgrad auf weitere Flugzettel mit Ressentiments wie diesen: „Schöne Frauen essen Hunde“ lässt sich ebenso finden wie die Beleidigung „Alle Kinder sind kriminell“.

Aufmerksam machen sollen die etwas anderen Flyer auf das Bundesprogramm „Demokratie leben“, das freien Trägern Projekte mitfinanziere – etwa für die Jugendarbeit, um Toleranz zu stärken oder um Begegnungsfeste zu organisieren. „Viele Träger der Region wie der Horizont-Verein kennen das Bundesprogramm auch schon sehr gut und mühen sich um Förderungen“, weiß Lautenbach. Nur fehle es eben der Zivilbevölkerung oder kleinen Vereinen an Wissen darüber, dass sich hier für kleine Ideen und Projekte Gelder und Expertise einwerben lässt.

Schon vor etwa zwei Jahren sei im Kreisjugendring deshalb die Idee entstanden, nicht nur mit nackten Informationen auf „Demokratie leben“ hinzuweisen, sondern es einmal auf die provozierende Art zu probieren. Herausgekommen ist eine Kampagne voller Klischees, die jedoch allesamt wild durcheinandergewirbelt sind – diesmal isst eben nicht der „Schubladen-Chinese“ den Hund, sondern die schöne Frau. „Wir wollen zeigen, wie beliebig Vorurteile sind und dass sich so für fast jede Bevölkerungsgruppe eine Schublade finden lässt, wenn man es darauf anlegt“, laden Lautenbach und Mund ein, sein eigenes Denken über andere zu reflektieren.

Ein „Wachrüttler“ soll es sein, sagen beide, die sich bewusst sind, dass nicht jeder die Sprüche sofort versteht und gut findet. „Aber wenn Leute es schlecht finden, wird darüber diskutiert“, nennen sie einen Vorzug der Kampagne, die sicher nicht ganz zufällig „Alternative für deinen Kopf“ (AFDK) heißt. Und so mit dem Namen einer Partei spielt, in der manches Mitglied selbst gern Vorurteile schürt.

Mehr zur Kampagne im Netz unter www.afdk.info

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