Justiz

Urteil im Nimritz-Prozess kommt an einem Freitag, dem 13.

Pößneck.  Im Mammutprozess zur Kita Nimritz am Verwaltungsgericht Gera sagte am Montag die Mutter des Jungen aus, der auf dem Töpfchen gefesselt worden sein soll.

Das Verfahren rund um die Kita Nimritz soll am Verwaltungsgericht Gera noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Das Verfahren rund um die Kita Nimritz soll am Verwaltungsgericht Gera noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Foto: Tino Zippel

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Der sechsten öffentlichen Verhandlung rund um den kommunalen Kindergarten aus Nimritz am Verwaltungsgericht Gera sollen höchstens noch zwei weitere folgen. So sollen, wenn es denn klappt, am 29. November die letzten Beweise erhoben und am 13. Dezember soll ein Urteil gesprochen werden.

Der Glücksfall des Verfahrens

Siegfried Sobotta, Vorsitzender Richter der 6. Strafkammer des Verwaltungsgerichtes Gera, ist jedenfalls fest entschlossen, den Prozess noch in diesem Jahr zu beenden. Am Ende der knapp sechsstündigen Verhandlung vom Montag versprach er den Parteien, ihnen beim Urteil ins Gesicht zu schauen, die wohlüberlegte Entscheidung also mündlich zu verkünden und nicht schriftlich zur Kenntnis zu geben.

Einer der am schwersten wiegenden Vorwürfe in dieser Geschichte war jener, dass Kinder auf dem Töpfchen gefesselt worden seien. Konkret sollen einem Jungen die Hände mit den Body-Ärmelchen am Rücken festgebunden worden sein, damit er während des Geschäfts nicht am Glied spiele.

Am Montag wurde nun die 28-jährige Mutter des in Frage kommenden Kindes befragt und die stellte von vornherein klar, dass sie selbst eine solche Zwangsmaßnahme nicht gesehen habe. Sie habe es nur von der ehemaligen Nimritzer Erzieherin Ne. mitgeteilt bekommen.

Für die 28-Jährige sei der Hinweis von Ne., mit welcher sie befreundet war und seit einer Zeit verwandtschaftlich verbunden ist, glaubhaft gewesen. Denn sie habe an ihrem Kind nach dem Start in Nimritz negative Entwicklungen festgestellt, für die nur der Umgang mit dem Jungen im Kindergarten verantwortlich sein konnten.

Nun gehört es zu den Glücksfällen dieses Verfahrens, dass sich unter den drei Berufsrichtern eine junge Mutter und unter den beiden Schöffen eine junge Erzieherin befindet. Und Letztgenannte fragte sich, ob denn der Junge zu dem Zeitpunkt, zu welchem er mit den Ärmelchen fixiert worden sein soll, nicht schon zu alt war für einen Body.

Zu diesen Überlegungen war es nach Fragen der Rechtsanwälte Arne Dorow, der die beschuldigten Erzieherinnen N. und S. vertritt, und Sabine Kraft-Zörcher, die für die Gemeinde Nimritz spricht, gekommen. Sie wollten der Zeugin das düstere Bild, welches sie von dem Kindergarten gemalt hatte, nicht abnehmen und hakten in der entscheidenden Sache letztlich mit Erfolg nach.

Denn nach der Body-Frage des Gerichts war sich die 28-Jährige nicht mehr so sicher, dass sie ihren Jungen zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt noch mit dem einteiligen Kleidungsstück angezogen hat, und wenn, ob die Unterwäsche da noch lang- oder aber schon kurzärmlig war. Ganz unabhängig davon hatte die Zeugin auch keine Vorstellung, wie genau die Fesselung erfolgt sein soll.

Kita-Leiterin wartet knapp drei Stunden umsonst

Am Montag wurde außerdem nach Ne. und H., die den Kindergarten im Frühjahr mit Kindeswohlgefährdung in Verbindung gebracht hatten, eine weitere ehemalige Erzieherin befragt, wobei die 50-Jährige vor allem die Glaubwürdigkeit von Ne. erschütterte. Der Reigen der gehörten Mütter wurde mit einer 36-jährigen Frau abgeschlossen, die sich nicht vorstellen konnte, dass ihr Kind in der Kita geschlagen wurde.

Eine zweite Befragung der Kindergartenleiterin Diana Zillig, die für 12 Uhr bestellt war, wurde um 14.45 Uhr nach Intervention von Rechtsanwalt Gerald Schulte-Körne, Verteidiger des beklagten Bildungsministeriums, aus eher formalrechtlichen Gründen vom Gericht abgesagt. Zillig soll für den 29. November erneut geladen werden. Der nach wie vor suspendierten Erzieherin S. wurde die Verlesung einer persönlichen Erklärung gewährt, in welcher sie sämtliche Vorwürfe bis auf ihre bisweilen „laute Aussprache“ zurückwies.

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