Die Bank am Ufer des Schlossteichs in Eckstedt ist fast zugewachsen. Trotzdem sitzt Rita Schmidtke gern hier oben, schaut in die Weite, hört dem beruhigenden Plätschern der kleinen Fontäne im Wasser zu. Hier kann man sehr schön zur Ruhe kommen, sagt die 51-Jährige über ihren Lieblingsplatz im Landkreis Sömmerda.
Viel Zeit dafür hat die Eckstedterin in diesen Wochen allerdings nicht. Seit sie im November vom CDU-Kreisverband zur Direktkandidatin für die Landtagswahl 2019 im Wahlkreis 17 gekürt wurde, hat sie nicht nur sehr viel gelesen, sie ist auch ständig unterwegs. Unzählige Gespräche hat sie geführt. Nicht nur parteiintern, betont sie, das bringe nur einen Tunnelblick. In Unternehmen, Schulen, Pflegeeinrichtungen, bei Vereinen und ehrenamtlich Engagierten hat sie sich informiert. Und natürlich an vielen Veranstaltungen teilgenommen.
Neuer Anlauf in die Politik
Sie ging bewusst oft an Orte, die sie wenig kannte – und wo sie wenig bekannt war. Denn während sich an den Namen Rita Schmidtke, von 1999 bis 2016 ehrenamtliche Bürgermeisterin der Gemeinde Eckstedt, in den umliegenden Orten viele erinnern, sagte er weiter weg im Norden oder Osten des Landkreises vermutlich nur wenigen etwas. Das habe sich nun aber hoffentlich geändert, ist Rita Schmidtke optimistisch.
Die Kandidatur ist für die Eckstedterin ein neuer Anlauf in der Politik. 2016 war sie nicht wieder zur Bürgermeisterwahl in ihrem Wohnort angetreten. Nach 17 Jahren im Amt fand sie, man müsse den richtigen Zeitpunkt finden zu gehen, und dass zu viel Routine nicht gut sei. Aus Fairness habe sie sich anschließend ein Jahr lang nicht sehen lassen. Das sei auch bei der Bundeswehr, wo die Diplom-Verwaltungswirtin im Erfurter Bundeswehrdienstleistungszentrum im Personalwesen tätig ist, so üblich. So gebe man dem Nachfolger die Chance, wahrgenommen zu werden.
Für den Landtag zu kandidieren, sei für sie zunächst kein Thema gewesen, weil Christian Carius für sie gesetzt war. Dann kam der Herbst 2018, der auch für sie überraschende Rücktritt von Carius als Thüringer Landtagspräsident und sein Entschluss, nicht noch einmal als Abgeordneter zu kandidieren.
Ihr Mann und sie stünden mit Christian Carius in einem freundschaftlichen Verhältnis, sagt Rita Schmidtke. Nachdem Carius sie von seinem Rückzug aus der Politik informiert hatte und sie auch von Parteifreunden gefragt wurde, sei sehr schnell die Entscheidung in ihr gewachsen, ihre kommunalpolitische Erfahrung einbringen zu wollen. Schließlich habe sie mit Mitstreitern in Eckstedt „unheimlich viel auf die Beine gestellt“, die gemeindliche Infrastruktur entwickelt, wieder Treffpunkte im Ort geschaffen – das alles gemeinsam mit den Menschen. Deren Wünsche wahrzunehmen, ihnen Entscheidungen, auch unangenehme, zu erklären, auch dafür wolle sie als Landtagsabgeordnete die Wahlkreiswochen nutzen.
Christian Carius hatte 2014 das Direktmandat im hiesigen Wahlkreis mit 39 Prozent der Stimmen geholt. Das sei für sie nicht zu schaffen, schätzt Rita Schmidtke ein. Die Zeiten seien auch schwerer geworden. Eine Zahl möchte sie nicht nennen, sei aber zuversichtlich, dass sie das Direktmandat im Wahlkreis 17 holen wird.
Punkten will sie unter anderem mit den Themen Stärkung des ländlichen Raums, Landwirtschaft, Erleichterung unternehmerischen Handelns und „Bildung, Bildung, Bildung“. Was insbesondere heiße, etwas gegen den Lehrermangel zu tun und die Vielfalt der Schulen zu stärken. Wobei es ihr wichtig sei, die Regelschule wieder mehr in den Vordergrund zu bringen. Es müsse nicht jeder ans Gymnasium gehen und studieren, dann finde das Handwerk auch wieder eher Fachleute. Überhaupt müsse man im Zusammenspiel von Schule und Wirtschaft etwas gegen den Fachkräftemangel tun.
Zudem gelte es, die Digitalisierung voranzubringen, Möglichkeiten des Homeoffice zu schaffen. Für die Drogenprävention gebe es zu wenig Geld vom Land. Und die – wenn auch enger gewordenen – Spielräume vor Ort müsse man nutzen, um zum Beispiel das Vereinsleben zu fördern. Wenn die Vereine kein Leben mehr ins Dorf bringen, sei das Dorf weniger lebenswert. Dabei will Rita Schmidtke keinen Kampf Stadt gegen Land. Natürlich brauche Thüringen starke Städte, aber man dürfe sich nicht nur auf Ballungszentren konzentrieren. Jeder solle sich mitgenommen fühlen.
Schon ein halbes Leben in Thüringen
„Ich will“, sagt Rita Schmidtke, „die starke Stimme für den Landkreis im Landtag sein“. Sie ahnt, dass sie es dabei nicht schaffen wird, so nah an den Menschen zu sein wie als Bürgermeisterin. Das Grundprinzip aber will sie beibehalten und dazu beitragen, dass der Respekt in der Gesellschaft wieder wächst: vor der Landwirtschaft, den Lehrern, der Polizei und in der Politik untereinander.
Fühlt Rita Schmidtke, 1968 in Kiel geboren und 1994 in den Freistaat gezogen, sich eigentlich als Thüringerin? Sie sei beides, habe ja ihr halbes Leben in Schleswig-Holstein und ihr halbes Leben in Thüringen verbracht, sagt sie. Sie habe sich von Anfang an hier wohl gefühlt, habe hier gebaut, ihre beiden Kinder sind hier geboren. Den Schleswig-Holsteinern sage man nach, dass sie verschlossener und kantiger sind. Sie aber sei ein offener, ehrlicher und optimistischer Mensch.
Für den neuen Landtag wünschte sie sich eine Koalition von CDU und FDP. Da das nach jetzigem Stand nicht reichen werde, werde es nur mit den Grünen und der SPD machbar sein. Eine Koalition mit der Linke oder der AfD komme für sie nicht in Frage.
Ilona Stark


