Ein Herz für Backwaren und für Bilzingsleben

Bilzingsleben.  Bäckermeister Mario Fischer aus Bilzingsleben begeht am Sonntag sein 30-jähriges Firmenjubiläum. Gefeiert wird nach Corona.

Mario Fischer zieht die herzhaften Backwaren den süßen vor. Sein Unternehmen besteht in diesem November seit 30 Jahren. Ein normaler Arbeitstag beginnt für ihn gegen 22.30 Uhr.

Mario Fischer zieht die herzhaften Backwaren den süßen vor. Sein Unternehmen besteht in diesem November seit 30 Jahren. Ein normaler Arbeitstag beginnt für ihn gegen 22.30 Uhr.

Foto: Jens König

„Nachts lief im Radio immer die beste Musik“, nennt Mario Fischer einen Grund, warum für ihn der Beruf des Bäckers überhaupt in Betracht kam. Ein anderer war die Gewissheit, stets ein Dach über dem Kopf zu haben. „Ich bin der Erste“, antwortet Mario Fischer auf die Frage, ob er mit seinem Handwerk eine Familientradition fortsetzt. Dabei ist die Geschichte des 51-Jährigen mehr als ein Wimpernschlag. Der Bilzingslebener Bäckermeister feiert am Sonntag sein 30-jähriges Firmenjubiläum.

Seine berufliche Laufbahn begann er 1985 in Gorsleben. Nach der dreijährigen Lehre sprach ihn der Bürgermeister von Günserode an. Für das kleine Dorf wurde ein Bäcker gesucht. Fischer willigte ein und richtete seine Bäckerei in gemieteten Räumen her. Eröffnung feiert er am 22. November 1990 mit damals drei Beschäftigten. Durch wachsende Nachfrage stieß die kleine Bäckerei schon bald an ihre Grenzen. Einen Anbau dort gab die Fläche nicht her, und so begann Mario Fischer 1994 mit der Planung eines Wohn- und Geschäftshauses in seinem Heimatort Bilzingsleben. Auserkoren hatte er ein Grundstück, auf dem früher schon einmal eine Bäckerei und später die Gemeindeverwaltung ihren Sitz hatte. Um seine Pläne zu verwirklichen, musste das alte Haus komplett abgerissen und ein neues errichtet werden. Am 1. Juli 1996 wurde Einzug gefeiert.

Acht Filialen und zwei Verkaufswagen

Heute zählt das Familienunternehmen samt der Bäcker und Verkäuferinnen insgesamt 30 Mitarbeiter. Beschäftigt sind sie in acht Filialen. Auch zwei Verkaufswagen sind im Einsatz. Einer steuere die Orte rund um Günstedt an, der andere sei im Kyffhäuserkreis bis kurz vor Kelbra unterwegs. Da gutes Personal schwer zu finden ist, tauscht Mario Fischer regelmäßig den Platz in der Backstube mit dem am Lenkrad.

An seinem Arbeitsalltag hat sich in all den Jahren nicht viel verändert. Legen sich andere 22.30 Uhr zu Bett, steht Mario Fischer auf, um den Brotteig vorzubereiten oder die Zutaten für die Körnerbrötchen abzuwiegen. Danach geht es Schlag auf Schlag, bis er sich 4 Uhr in der Frühe die erste Pause gönnen kann. Bis 12 Uhr geht es dann weiter. Gegen 15.30 Uhr geht er schlafen. Zeit, um sich im Dorf zu engagieren, hat er dennoch. Er ist Kirchenältester in Bilzingsleben.

Bäcker isst den ersten Stollen am 24. Dezember

Seit gut drei Wochen werden neben Torten, Kuchen, Schweinsohren und Pfannkuchen auch Stollen gebacken. Gut 1000 Stück sind es, die er und sein Team Jahr für Jahr herstellen. Besonders gefragt sei der Butterstollen. Er selbst wird den ersten Stollen erst am Heiligabend anschneiden. Das hat Tradition. Werden Plätzchen das ganze Jahr angeboten, nimmt auch hier die Nachfrage in der Adventszeit zu. Bärenplätzchen und Nussdukaten stehen in der Gunst der Kundschaft ganz oben. Ein Renner seien jedes Jahr die Lebkuchen, die werden derzeit täglich produziert. Das Rezept dafür stamme von seiner Oma.

Insgesamt bereits 15 Lehrlinge ausgebildet

Blickt er zurück auf die Zeit, dann ist er zufrieden. Sicher habe es auch Tiefschläge gegeben. Ein Geschäft in Oldisleben wollte zum Beispiel nicht richtig in die Gänge kommen. „Nach zwei Jahren haben wir es wieder aufgegeben“, sagt er. Gut dagegen funktionieren die Läden in Günserode, Griefstedt, Kindelbrück und Bilzingsleben, wo neben den Backwaren auch noch ein kleines Angebot an weiteren Lebensmitteln verkauft wird. In guter Erinnerung ist ihm die Teilnahme bei der Grünen Woche in Berlin geblieben, als er sich zusammen mit Vertretern des Landkreises präsentierte. „Das war anstrengend, aber hat viel Spaß gemacht.“ Stolz ist der Bäckermeister auch, in all den Jahren 15 Lehrlingen das Handwerk beigebracht zu haben. Zwei von ihnen sind in der Bäckerei beschäftigt.

Gern hätte er das Jubiläum mit der Belegschaft gefeiert. Mehrfach war es in Betracht gezogen und dann doch wieder wegen Corona verworfen worden. Fest stehe jedoch, dass es auf jeden Fall nachgeholt werde, schließlich sei sein Team Gold wert.