Geld für neue Lebensräume für Vögel und Feldtiere

Kannawurf.  Das Künstlerhaus Thüringen bringt nicht nur Kultur aufs Dorf. Jetzt zeigt der Verein, wie mit Kultur auch Landschaft erhalten werden kann.

Hans-Jürgen Schäfer, Abteilungsleiter in Thüringer Umweltministerium, übergab am Mittwoch im Kannawurfer Schloss einen Förderbescheid über 442.000 Euro an Roland Lange vom Künstlerhaus Thüringen.

Hans-Jürgen Schäfer, Abteilungsleiter in Thüringer Umweltministerium, übergab am Mittwoch im Kannawurfer Schloss einen Förderbescheid über 442.000 Euro an Roland Lange vom Künstlerhaus Thüringen.

Foto: Jens König

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Die Schwarzpappel wird in Deutschland als stark gefährdet eingestuft. Besonders gern werden die Bäume vom Rotmilan als Brutplätze genutzt. Zwei Gründe, warum der in Thüringen heimische Baum in der Kannawurfer Flur wieder verstärkt gepflanzt werden soll. Stecklinge sind dafür von den letzten Schwarzpappeln im Thüringer Becken gewonnen worden. Neben den Bäumen sollen auch Hecken, Gehölzreihen und Staudenfluren entstehen, die für die Brut und Jungenaufzucht von Vogelarten wie dem Neuntöter, Grau- und Goldammer wichtig sind.

Es handelt sich dabei um ein Artenschutzprojekt des Künstlerhauses Thüringen, bei dem es um neue Lebensräume für Vögel und Feldtiere zwischen Wipperdurchbruch und Thüringer Pforte geht. Auch neue Weiden mit Tümpeln und der Verschluss von Gräben zum besseren Wasserrückhalt sind rund um Kannawurf vorgesehen.

Das Thüringer Umweltministerium fördert das Projekt. Hans-Jürgen Schäfer, Abteilungsleiter im Ministerium, überbrachte am Mittwoch einen Fördermittelbescheid in Höhe von 442.000 Euro. Ein Viertel davon sind Landesmittel, der Rest stammt aus dem EU-Programm Entwicklung des ländlichen Raums (ELER), hieß es.

Die vom Künstlerhaus Thüringen bereits im Jahr 2018 eingereichte Projektskizze habe Schäfer überzeugt. Sie sei durchdacht und habe Hand und Fuß, würdigte er das Vorhaben und zeigte sich vor allem vom Querdenken begeistert, trage die Projektskizze doch den Titel „Kultur schafft Landschaft“. Das vom Verein getragene Engagement, das die Bürger, die Verwaltung und die Landwirte miteinbeziehe, sehe er als Initialzündung und als Schlüssel des Erfolgs, um etwas für die Heimat und damit für die Kulturlandschaft und den Naturschutz zu tun. Überzeugte zeigte er sich davon, dass hier Strukturen geschaffen werden, die Landwirtschaft nachhaltig weiter entwickeln. Die Finanzspritze sei damit eine Investiton in die Zukunft.

Wie Roland Lange vom Künstlerhaus informierte, geht es im ersten Schritt um die Planungsphase. Betrachtet werde dabei ein Planungsfeld von rund 5000 Hektar Fläche, was der Kannawurfer Flur entspreche. Näher in den Fokus rücken wollen die Akteure eine Fläche von 2000 Hektar. Lange kündigte am Mittwoch zwei Pflanzphasen an. Eine soll im Herbst diesen Jahres, eine zweite im Herbst 2021 erfolgen. Das Projekt selbst laufe bis Ende August 2022. Vorgesehen sind 2000 den Standorten angepasste Baumpflanzungen. Die Schwarzpappeln sollen dabei die Hybridpappeln ersetzen. Neben dem Anlegen von Korridoren schweben Lange auch Elemente wie kleine Inseln auf den Feldern vor. Ziel sei es, verschiedene Tierarten direkt in der Ackerlandschaft anzusiedeln.

Anfangs sollen für das Projekt kommunale Flächen genutzt werden. Dafür wurde ein Kooperationsvertrag mit der Gemeinde geschlossen. Roland Lange hoffe aber, dass das Projekt viele Nachahmer finde und ausgedehnt werden könne. Offen für die Ideen zeigte sich Kannawurfs Landwirt Udo Wengel. Im Rahmen der Möglichkeiten unterstütze er gern das Projekt.

Dass das Artenschutzprojekt des Künstlerhauses weite Kreise zieht, darauf hofft auch Detlev Schneider, der Vorsitzende des Nabu-Kreisverbandes. Er wünscht sich, dass es zum Vorzeigemodell wird, das zeigt, wie Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam funktionieren können.

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