Doppelgänger als Ausrede

Kyffhäuserkreis  Gerichtsbericht Autofahrer ohne Führerschein will zur Tatzeit im Bett gelegen haben

Manchmal geht es in Strafprozessen auch kurios zu. Ein 36-Jähriger ist im Dezember in Herbsleben von der Polizei auf frischer Tat erwischt worden, will aber zur Tatzeit seinen Rausch zu Hause im Kyffhäuserkreis ausgeschlafen haben. Dass es sein Fahrzeug war, dass der Kontrollierte seinen Namen nannte und auch behauptete, einen polnischen Führerschein zu haben, sei doch möglich. Schon die ersten Minuten des Prozesses wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis versprachen Unterhaltung. Denn der Angeklagte will zum Tatzeitpunkt im Bett gelegen haben. Zeugen hat er dafür nicht. Aber sein Auto habe später woanders gestanden. In seinem Dorf gebe es mindestens drei, die ihm ähnlich sehen. Deshalb sei es auch möglich, dass die Polizei nicht ihn, sondern einen seiner Doppelgänger angehalten habe. Woher sollten die aber die anderen Informationen und vor allem das Auto samt Schlüssel haben, wollte der Strafrichter wissen. Das wisse er nicht, aber manche Informationen seien ja unter Kumpels bekannt, erwiderte der Angeklagte. Die beiden Polizisten parkten am Tattag neben dem Angeklagten. Sie hatten spontan die Idee, diesen zu kontrollieren, erklärte ein Polizist. Im Gerichtssaal sagte er: „Das isser!“ Und zeigte auf den Angeklagten. „Ich habe Sie kontrolliert, eindeutig“, fügte der Zeuge hinzu. Auch sein Kollege erkannte ihn wieder. Er habe keine Papiere dabei gehabt und gesagt, dass er einen polnischen Führerschein habe.

Damit konnte die Beweisaufnahme geschlossen werden. Zuvor war noch verlesen worden, dass der Mann zuletzt vom Amtsgericht in Sömmerda wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu 30 Tagessätzen á 40 Euro verurteilt worden war. Der Staatsanwalt beantragte eine viermonatige Haftstrafe auf Bewährung und eine Auflage von 1500 Euro. Der Strafrichter legte 3000 Euro Strafe und ein Jahr Sperrzeit für die Neuerteilung der Fahrerlaubnis fest. „Die Polizisten haben Sie wiedererkannt“, hieß es in der Urteilsverkündung. „Wer außer Ihnen soll das Geburtsdatum kennen, von dem polnischen Führerschein wissen und auch noch so aussehen wie Sie“, sagte Richter Thomas Linß.

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