Bücherbestand in Anna-Amalia-Bibliothek im Wiederaufbau

Die historische Bibliothek "Anna-Amalia" in Weimar wurde vor fünf Jahren wiedereröffnet, doch der Wiederaufbau des Bestandes dauert an.

Die Bibliothekarin Isabelle Reichherzer und Johannes Mangei, der Abteilungsleiter Medienbearbeitung der Anna-Amalia-Bibliothek, fahnden in einem Auktions-Katalog nach Ersatz für verbrannte Bücher.  Foto: Thomas Müller

Die Bibliothekarin Isabelle Reichherzer und Johannes Mangei, der Abteilungsleiter Medienbearbeitung der Anna-Amalia-Bibliothek, fahnden in einem Auktions-Katalog nach Ersatz für verbrannte Bücher. Foto: Thomas Müller

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Weimar. Während im Stammhaus der Anna-Amalia-Bibliothek am Mittwoch das fünfte Jubiläum der Wiedereröffnung gefeiert wird, geht im Studienzentrum gegenüber der Wiederaufbau weiter. In einem Büro mit Blick auf den Markt wälzen Bibliothekare Kataloge, vergleichen Einträge und nehmen Pakete in Empfang. Sie sind Detektive, die um den Kern der Bibliothek kämpfen - die Bücher.

50.000 Bände wurden in der Brandnacht am 2. September 2004 zerstört, 62.000 weitere beschädigt. Eines, das 2004 verbrannte, liegt nun wieder auf dem Tisch der Bibliothekarin Isabelle Reichherzer. "Zumindest handelt es sich um eine vergleichbare Ausgabe", sagt Reichherzer über die 1682er Edition von Samuel Pufendorfs "De Oficio Hominis et Civis".

Neben dem Buch stapeln sich Kataloge von "Reiss und Sohn", "Zisska & Schauer" oder "Hartung & Hartung". In der Welt der Sammler sind das Markennamen, sie gehören zu Kunst- und Buchauktionären. Für die Bibliothekare der nach dem Brand gegründeten und von Katja Lorenz geleiteten Arbeitsgruppe stellen diese Kataloge die wichtigste Lektüre dar.

Jeden Frühling und jeden Herbst finden in Deutschland und im Ausland jeweils rund 15 Auktionen statt, die für die Bibliothek von Interesse sind. Die Mitarbeiter sichten jeden Katalog-Eintrag, gleichen ihn mit der Verlustdatenbank ab und markieren bestimmte Bücher. "00" steht für ein Buch, das gut zum Bestand passt, "Brand" für ein Werk, das verloren ging.

Die markierten Lose samt Höchstgebot werden an Bibliotheken am Standort der jeweiligen Auktion übermittelt, die für die "Anna Amalia" bieten. So war es auch bei dem Pufendorf-Werk. Ein englischer Sammler bot allerdings mehr.

Doch 7.800 der verlorenen Bände konnte die Arbeitsgruppe bereits ersetzen, 1.600 weitere Neuerwerbungen kommen den verbrannten Exemplaren sehr nah. Über 400.000 Euro aus Spenden und Drittmitteln stehen pro Jahr zur Verfügung.

"Ich bin stolz auf diese Mannschaft", sagt Johannes Mangei, Abteilungsleiter für Medienbearbeitung. "Sie gibt alles, um die Berge von Büchern schnell zu katalogisieren und den Nutzern zur Verfügung zu stellen."

Reichherzer kam frisch von der Uni in die Arbeitsgruppe, Mangei arbeitete schon vor dem Brand in der Bibliothek. Während seine Abteilung damals damit beschäftigt war, Lücken im Bestand zu füllen, klaffen seit 2004 riesige Löcher. "Die Identifikation mit dem Haus ist dadurch aber noch gewachsen", sagt er. "Alle packen mit an."

Die Auktionen sind die wichtigste, aber nicht die einzige Quelle, um den Verlust schrittweise zu ersetzen. Bibliotheken, etwa aus Mainz oder Freiburg, halfen aus ihren Dubletten-Beständen. Zudem können durch neu entwickelte Methoden in der Legefelder Spezial-Werkstatt der Klassik-Stiftung Bücher restauriert werden, die wegen ihrer starken Brandschäden schon als verloren galten. Schließlich treffen auch immer noch private Buchspenden ein.

So ist auch das Buch von Samuel Pufendorf doch noch nach Weimar gelangt. Als die Auktion vorbei war, erkundigte sich der englische Sammler nach seinem Mitbieter. Als er erfuhr, dass es sich um "Anna-Amalia" handelte, schenkte er das gerade erworbene Buch der Weimarer Bibliothek.

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