Nachtschwärmer im Weimarhallenpark

Weimar  13. Auflage der Open-Air-Konzertnacht mit der Staatskapelle Weimar lockte immerhin 3730 Besucher

DNT-Schauspieler Max Landgrebe führte als Moderator durch den Konzertabend.

Foto: Jens Lehnert

Die 13 hatte den Weimarhallenpark und seine Seebühne am Samstagabend unter einen günstigen Stern gerückt. Die 13. Auflage der Open-Air-Konzertnacht war diesmal rundum mit dem Wetter im Bunde. Nachdem die Staatskapelle vormals schon gegen Regen, Wind und Blitze anspielte, durften Musiker und Gäste nun das Ende eines Sommertages in seiner ganzen Milde genießen – nicht zu heiß und hin und wieder ein Lüftchen, als liefe die Klimaanlage im Auto auf der ersten Stufe.

Wenngleich der Park noch etliche Quadratmeter Wiese davon entfernt war, aus allen Nähten zu platzen, konnte sich auch der Zuspruch des Publikums wieder sehen lassen: 3730 Besucher nahmen am Auftakt des Weimarer Sommers teil, der für die Staatskapelle gleichsam den Abschluss ihrer Spielzeit bedeutet.

Den Urlaub, die imposante Kulisse und den entspannt wie souverän wirkenden Dirigenten-Riesen Gregor Bühl vor Augen, präsentierte sich Weimars großes Orchester sanft und gelöst, mit ernsthafter Kunst, aber deshalb nicht ernst. Weimars Open-Air-Nacht ist schließlich immer auch Showtime. Das Programm „Von der Moldau in die Neue Welt“ lud freilich dazu ein, der Muse etwas leichter zu huldigen. Immerhin ist Smetanas „Moldau“ schon so etwas wie ein Gassenhauer und Bernsteins „West Side Story“ viel mehr, um in die Schublade der Klassik einsortiert zu werden.

Dass DNT-Schauspieler Max Landgrebe seine Moderatorenrolle wie ein Ausrufer oder ein Marktschreier interpretierte, war gewöhnungsbedürftig. Aber bei aller Behaglichkeit sollten die Zuhörer im Park ja auch nicht lieb zu Bett gebracht werden, sondern inklusive des Feuerwerks zum Abschluss drei Stunden lang gut unterhalten sein.

Überraschend bequem ließ sich diese Zeit auf den Kartons aushalten, die die Weimar GmbH wiederum zum Trendmöbelstück erklärt hat. „Es ist nicht der Fernsehsessel von zu Hause, aber es sitzt sich sehr gut. Nur die Lehne fehlt“, sagte Monika Rost, die das Open Air mit ihrem Mann Jürgen besuchte. Hundertfach verkauften sich am Samstag die gefalteten Sitzgelegenheiten. Zahlreiche Besucher brachten zudem ihre Sitzkartons mit, die sich schon im vergangenen Jahr erworben hatten.

Einen Sitzplatz auf der Terrasse der Weimarhalle bevorzugte indes Peter Falk. „Mir gefallen die Konzerte der Staatskapelle in diesem Umfeld besonders gut. Und die Musiker überraschen uns in jedem Jahr neu“, meinte der frühere Präsident des Weimarer Handwerker-Carnevals.

Er blieb im Publikum nicht der einzige HWC-Narr. Seine erste Open-Air-Nacht mit der Staatskapelle erlebte Marco von Holwede. Seine Frau Susanne hatte bereits im vergangenen Jahr das Konzert besucht, zu Hause davon geschwärmt und schließlich die ganze Familie davon überzeugt, diesmal mitzukommen. „Ich mag die Musik und die Atmosphäre, wirklich toll hier“, pflichtete der Familienvater bei.

Zu den jüngsten Musikfreunden zählte am Samstag die zweijährige Nele. Wo andere Kinder gleich nebenan auf der Wiese tollten und Ball spielten, blieb die Kleine bei ihren Eltern auf der Picknickdecke sitzen, hörte gespannt zu und applaudierte sogar. Ihre Vorliebe für Rhythmus kommt nicht von ungefähr. Schließlich spielt Papa Holger im C.Keller live Techno ein. Auch er war am Samstag erstmals beim Klassik-Open-Air im Park – und fühlte sich inspiriert.

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