Weimar: Altenburg muss für viel Geld saniert werden

Weimar  Statische Probleme verhindern schnelle Rückkehr der Soiree-Reihe. Sanierung auf fast 2 Millionen Euro geschätzt

Die Setzungsrisse unten links sind gut zu erkennen

Die Setzungsrisse unten links sind gut zu erkennen

Foto: Christiane Weber

Im 19. Jahrhundert war die Altenburg ein Zentrum europäischen Kulturlebens. Franz Liszt empfing Musiker aus aller Welt, bildende Künstler, Dichter und Denker. Daran anknüpfend, etablierte die Hochschule für Musik Franz Liszt dort Forschungsprojekte des Instituts für Musikwissenschaft Weimar-Jena und eine beliebte Konzertreihe. Musikfreunde erlebten im Liszt-Salon bemerkenswerte Klavierkonzerte. Das ist vorbei. Die Altenburg muss saniert werden. Nach ersten Sanierungsversuchen bleibt das Baudenkmal an der Jenaer Straße 3 auch in der Saison 2019/20 für alle Veranstaltungen gesperrt. Risse an der Fassade zeigen die statischen Probleme auch äußerlich.

Bis sie behoben sind, muss die Konzertreihe auf andere Veranstaltungsorte ausweichen. Seit mehreren Jahren, verstärkt aber seit 2012, treten Setzungsrisse am Gebäude auf, erklärte Udo Carstens, Geschäftsführer der Weimarer Wohnstätte GmbH als Eigentümerin der Immobilie. Während dieser Zeit war und ist die Gebäudenutzung nur noch eingeschränkt möglich. Durch laufende Riss-Überwachung und mehrere Baugrunduntersuchungen wurde der Zustand dokumentiert.

Die Ergebnisse dienten als Grundlage für die Erarbeitung verschiedener technischer Konzepte zur Baugrundstabilisierung. In Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde und dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie wurde nach Angaben von Carstens ein versiertes Fachplanungsbüro mit der Planung einer kostengünstigen Alternativlösung zur ursprünglich angedachten Bohrpfahlgründung beauftragt. Die Investitionskosten waren auf 370.000 Euro veranschlagt. Die Umsetzung dieser Realisierungsvariante im Jahr 2018 führte, so Udo Carstens, aber leider nicht zum gewünschten Erfolg. Die Arbeiten mussten abgebrochen werden, um weitere Kosten zu vermeiden.

Wie der Geschäftsführer der Wohnstätte weiter ausführt, findet derzeit eine Abstimmung zwischen der Weimarer Wohnstätte und der Stadt einerseits sowie dem Land Thüringen und dem Landesamt für Denkmalpflege statt, um die finanziellen Mittel für eine langfristige Problembehebung mittels eines geeigneten technischen Verfahrens zu beschaffen. Dazu seien bereits Gespräche geführt worden, zeitnah sei ein weiterer Ortstermin geplant. Die Gesamtmaßnahme schließt Gründungsarbeiten inklusive der Wiederherstellung der Räumlichkeiten und Fassade ein. Ihre Kosten werden sich nach den Worten von Udo Carstens nach aktuellen Schätzungen voraussichtlich auf 1,8 bis 2 Millionen Euro belaufen. Da die Realisierung von der Bereitstellung öffentlicher Fördermittel abhängig ist, könne zum Realisierungszeitraum gegenwärtig keine Aussage getroffen werden.

Genutzt wird die Altenburg vom Institut für Musikwissenschaft. Im zweiten Obergeschoss sitzt die Professur von Jascha Nemtsov für die Geschichte der jüdischen Musik. Außerdem haben auf der Etage noch die musikwissenschaftlichen Mitarbeiter für das Forschungsprojekt „Oesterlein-Sammlung in Eisenach“ ihre Arbeitsräume. Hinzu kommt nach Angaben aus der Hochschule für Musik Franz Liszt Michael Pauser für das Cherubini-Forschungsprojekt (Professur Helen Geyer).

Im Erdgeschoss forschen Laura Niebling (BMBF-Forschungsprojekt „Musikobjekte“), Fabian Czolbe (DFG-Forschungsprojekt zu Max Reger), Ulrike Roesler (DFG-Forschungsprojekt „Das Liszt-Bild in der zeitgenössischen Musikpublizistik“) sowie Stefan Menzel (DFG-Forschungsprojekt „Die Bedeutung protestantischer Fürstenschulen für die mitteldeutsche Figuralmusikpflege des 16. Jahrhunderts“).

„Selbstverständlich behalten wir unseren Optimismus“, unterstreicht Christian Wilm-Müller, der die Konzertreihe konzipiert. In naher Zukunft möchte die Musikhochschule die „Soireen in der Altenburg“ wie gewohnt in der von vielen gelobten Salonatmosphäre auf der Altenburg erleben. Christian Wilm-Müller betont: „Nach bisher 19 Jahren einer kontinuierlichen Konzertreihe sind wir einer Tradition verpflichtet.“

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