Wenige Gründer wagen den Neuanfang in der Krise

Erfurt.  Die Einen haben ihren Betrieb wegen der Corona-Krise dichtgemacht, die Anderen mitten in der Pandemie ihr Gewerbe angemeldet. Einen deutlichen Rückgang gibt es in Thüringen bei beiden Zahlen.

Die „Röstbrüder“ nennen sich Collin (l.) und Vincent Höckendorf, die in Weimar mitten in der Corona-Krise ihre Kaffeerösterei gegründet haben. Die Rösterei mit kleinem Café ist derzeit an vier Nachmittag die Woche geöffnet, rund um die Uhr einkaufen aber können Kaffeeliebhaber im Onlineshop.

Die „Röstbrüder“ nennen sich Collin (l.) und Vincent Höckendorf, die in Weimar mitten in der Corona-Krise ihre Kaffeerösterei gegründet haben. Die Rösterei mit kleinem Café ist derzeit an vier Nachmittag die Woche geöffnet, rund um die Uhr einkaufen aber können Kaffeeliebhaber im Onlineshop.

Foto: Sibylle Göbel

Die Corona-Pandemie macht sich in Thüringen auch in der Zahl der Gewerbeanmeldungen bemerkbar. Die Zahlen für Mai gibt das Thüringer Landesamt für Statistik zwar erst am heutigen Freitag bekannt, doch schon im April schlug sich der Lockdown diesbezüglich nieder: Nach Angaben der Behörde, die die von den Gewerbeämtern der Landkreise und kreisfreien Städte übermittelten Daten addiert hat, sei ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum April 2019 zu verzeichnen gewesen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Als mögliche Gründe für den Rückgang führen die Statistiker die im Zusammenhang mit der Pandemie verhängten Kontaktbeschränkungen, die Einstellung des Besucherverkehrs in den Verwaltungen und Personalengpässe in den Gewerbeämtern an. Von Januar bis ­April wurden demnach 3568 Gewerbeanmeldungen gezählt – fast 550 weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zurückgegangen sei aber auch die Zahl der Abmeldungen: um 876 auf 3623. Das könnte neben den bereits genannten Gründen auch mit den Soforthilfemaßnahmen von Bund und Land, die so manchen Gewerbetreibenden über Wasser hielten, und der Aussetzung der Insolvenzanzeigepflicht zusammenhängen.

Rund drei Viertel aller Gewerbeanmeldungen entfielen den Angaben zufolge auf gewerbliche Neugründungen, wobei Kleinunternehmen und Nebenerwerbsbetriebe den größten Anteil (72,6 Prozent) ausmachten. Schwerpunkte sowohl bei An- als auch bei Abmeldungen waren in den ersten vier Monaten das Kfz-Gewerbe, Reisebüros und -veranstalter sowie die Gebäudebetreuung und der Garten- und Landschaftsbau. Zu denen, die sich in der Krise selbstständig machten, gehören die Brüder Collin und Vincent Höckendorf mit ihrer Weimarer Rösterei sowie Ulrike Brandt und Olaf Nocke in Erfurt: Sie eröffneten die Buchbar, einen Mix aus Buchladen und – gerade in der Pandemie eher ungewöhnlich – Reisebüro.

Brüder gründen Kaffeerösterei mitten in der Krise