So viele Kunden bekommen die vertraglich vereinbarte Internetgeschwindigkeit

Gera.  Bundesnetzagentur veröffentlicht Untersuchung: Ein Beiratsmitglied aus Jena fordert Bußgelder für die Anbieter.

Die Internetanbieter halten nur selten ihre Geschwindigkeitsversprechen.

Die Internetanbieter halten nur selten ihre Geschwindigkeitsversprechen.

Foto: Tino Zippel

Internetnutzer erhalten nur selten die Geschwindigkeit, die sie bei ihrem Anbieter bezahlen. Nur bei 16 Prozent der Nutzer liegt die versprochene maximale Datenübertragungsrate an, ergibt die aktuelle Studie der Bundesnetzagentur. Besonders groß ist die Diskrepanz im Mobilfunk.

Über 1,3 Millionen Testmessungen erfolgt

Die jährlich stattfindende Untersuchung trifft keine Aussage zur Versorgungssituation oder Verfügbarkeit von breitbandigen Internetzugängen, sondern sie prüft, ob die Anbieter ihren Kunden die vertraglich zugesicherte Bandbreite liefern. Im Zeitraum vom 1. Oktober 2018 bis zum 30. September 2019 erfolgten 830.000 Messungen für stationäre Breitbandanschlüsse und 530.000 Messungen für mobile Breitbandanschlüsse. Das Ergebnis: Die gemessenen absoluten Datenübertragungsraten nehmen bei fast allen Anbietern zu, allerdings nicht im gleichen Maße wie die vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsraten.

Über alle Bandbreiteklassen und Anbieter hinweg erhielten im Download 70,1 Prozent der Nutzer bei stationären Breitbandanschlüssen mindestens die Hälfte der vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate. Im städtischen Gebieten liegt der Erfüllungsgrad tendenziell höher als in ländlichen Gebieten. Bei sehr schnellen Internetanschlüssen fällt stark ins Gewicht, dass sie abends in der Hauptnutzungszeit oft nicht die volle Leistung erreichen. Der Anteil zufriedener Kunden ist mit 61,4 Prozent weiterhin leicht rückläufig (vorherige Studie: 62 Prozent).

Bundestagsabgeordneter spricht von Betrug durch falsche Angaben

„Der verherrlichte Wettbewerb bei Datenkommunikation führt weiter zu abgehängten Regionen. Kunden werden mit falschen Angaben zu verfügbaren Übertragungsraten betrogen“, sagt der Bundestagsabgeordnete Ralph Lenkert (Linke), der im Beirat der Bundesnetzagentur sitzt. Gerade in Zeiten von Kontaktbeschränkungen bedeute das eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu Hause. Er fordert, die Anbieter zu besserer Kooperation zu verpflichten und ihnen spürbare Bußgelder aufzuerlegen, wenn sie ihre Versorgungsauflagen und bezahlten Leistungen nicht einhalten.