Als das spannendste Staffelrennen der jüngeren Vergangenheit beendet war, nahm David Zobel die Mütze ab und verbeugte sich vor dem Publikum. Mit gestrecktem Daumen bedankte er sich für die „unfassbar geile Stimmung“ am Schlusstag der Biathlon-Festspiele im Thüringer Wald. Weil sein Teamkollege Philipp Horn wegen eines viralen Infekts am gesamten Wochenende passen musste, war Zobel auf die Schlussposition der deutschen Staffel gerutscht. Und er verkaufte sich im Konzert der Großen teuer.

Noch auf der Zielgeraden gehörte der 29-Jährige zu einem Quintett, das um den Sieg kämpfte. Am Ende trennten die fünf Nationen lediglich fünfeinhalb Sekunden. Eine Dramatik, an die sich selbst der einstige Staffel-Spezialist Erik Lesser nicht erinnern konnte. Dass Zobel auf den letzten Metern den besten Läufern des Feldes den Vortritt lassen musste, war keine Überraschung. Dass er ihnen bis zum Schluss Paroli bieten konnte, dagegen schon. Er dürfte damit seine Chancen für eine Olympia-Nominierung deutlich gesteigert haben.

Biathlon Weltcup Oberhof
Lucas Fratzscher aus Oberhof benötigte auf Position zwei lediglich eine Nachladepatrone.© dpa | Hendrik Schmidt

Norwegen gewinnt vor Frankreich und Schweden

Den Sieg holte Vetle Sjaastad Christiansen nach 1:20.29,1 Stunden für Norwegen vor Eric Perrot und Frankreich (2,6 Sekunden zurück). Beide Top-Nationen kompensierten vor 19.000 begeisterten Zuschauern jeweils zwei Strafrunden. Dritter wurde Schweden mit Sebastian Samuelsson als Schlussläufer (3,8 Sekunden). Vor die deutschen Riege mit dem wacker kämpfenden Zobel schob sich noch Italien mit Tomasso Giacomel (4,8).

Der Sprint-Sieger hatte am Samstag trotz sechs Strafrunden auch die Verfolgung gewonnen und damit Geschichte geschrieben. Erstmals in seiner Karriere schlüpfte er ins Gelbe Trikot des Weltcup-Spitzenreiters. Als letztem Italiener war dies Andreas Zingerle vor 34 Jahren gelungen. Seine Erfolge von Oberhof widmete Giacomel seinem engen Freund, dem kurz vor Weihnachten verstorbenen Norweger Sivert Guttorm Bakken. Und auch dessen Landsmann Christiansen schickte beim Zieleinlauf mit ausgestrecktem Finger eine Botschaft gen Himmel.

Cheftrainer Reiter lobt Fratzscher und Zobel

Deutschlands Cheftrainer Tobias Reiter schwankte nach dem nervenaufreibenden Rennen zwischen Freude und Frust: „Schade, dass wir das Podium so knapp verfehlt haben. Aber mit der Leistung können wir zufrieden sein.“ Vor allem die Auftritte von Zobel und Lucas Fratzscher auf Position zwei hob er hervor. Die beiden Skijäger aus der Oberhofer Trainingsgruppe hatten neben den etablierten Justus Strelow und Philipp Nawrath eine Chance bekommen – und diese genutzt.

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Das gesamte Staffel-Feld beim ersten Schießen.© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Ab Mittwoch steht der Weltcup in Ruhpolding an

„Die zwei Jungs waren das erste Mal in so einer Situation, mit vorn dabei zu sein. Sie haben aber richtig gut performt und unsere Sachen richtig gut umgesetzt. Diesen Schwung und das Selbstvertrauen können sie jetzt nach Ruhpolding mitnehmen und dort wieder gute Platzierungen holen“, lobte Reiter. Ab Mittwoch steht im Chiemgau der nächste Weltcup an. Bis dahin gilt es, die Erlebnisse von Oberhof zu verarbeiten.

Zobel war mächtig geflasht: „So ein Wetter, so eine Stimmung, so ein Rennen: Dieser Tag bleibt mir ewig in Erinnerung.“ Auch fünfte Plätze können sich wie Siege anfühlen.