Basketball-Trainer Björn Harmsen: „Ich brauche niemanden mehr etwas zu beweisen“

Weißenfels.  Basketball-Trainer Björn Harmsen spricht im Interview über seinen neuen Job beim Mitteldeutschen BC und was er Science City Jena wünscht.

Der Ex-Jenaer Björn Harmsen ist neuer Trainer des Mitteldeutschen BC.

Der Ex-Jenaer Björn Harmsen ist neuer Trainer des Mitteldeutschen BC.

Foto: Gabor Krieg/imago / imago images/Picture Point

Björn Harmsen hat einen neuen Job. Der langjährige Basketball-Trainer von Science City Jena ist neuer Chefcoach von Erstligist Syntainics Mitteldeutscher BC. Wir sprachen mit dem 37-Jährigen über seine Herausforderungen in Weißenfels, ein bitteres Aus beim MBC vor acht Jahren und seinen Ex-Verein aus Jena.

Was hat Sie dazu bewogen, dass Angebot aus Weißenfels anzunehmen?

Es gibt zwei Hauptgründe: Weißenfels ist neben Jena der Club, wo ich die schönste Zeit hatte – auch menschlich. Und zweitens musste ich in Weißenfels damals aufhören, weil ich krank war. So ein Abschied ist ein bisschen wie eine offene Rechnung.

Sie hatten sich nach ihrem Abschied bei Science City eigentlich eine Auszeit verordnet. Hätten Sie gedacht, dass Sie so schnell als Trainer wieder in der Bundesliga arbeiten?

Ich habe mir selber keinen Druck gemacht, jetzt schnell wieder arbeiten zu müssen. Aber die Chance beim Mitteldeutschen BC hat mich einfach gereizt. Und dann ging alles ganz schnell. Innerhalb eines Tages vor zwei Wochen.

Sind die Verhältnisse in Weißenfels und Jena vergleichbar?

Beide Clubs sind unterschiedlich. Weißenfels arbeitet höchstprofessionell, hat es in den vergangenen Jahren immer wieder geschafft und auch den Anspruch formuliert, in der Bundesliga zu bleiben oder direkt wieder aufzusteigen. In Jena war es mir immer sehr wichtig, eine breite Basis zu schaffen und nicht mit der größten Dringlichkeit erste Liga zu spielen. Das sind andere Herangehensweisen an beiden Standorten.

Hat sich beim MBC viel verändert, seit Ihrem letzten Engagement?

Es ist elf Jahre her, dass ich das erste Mal dort als Trainer gearbeitet habe. Natürlich ist seitdem fast alles neu, andere Gesichter. Die Gesellschafter und der Geschäftsführer sind aber die gleichen, das ist schon mal ganz angenehm. Und natürlich sind viele Fans immer noch da. Auf der einen Seite ist es schön, alte Freunde zu treffen. Aber es hat sich natürlich auch vieles positiv weiterentwickelt.

Sie mussten 2011 wegen einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse Ihr Amt niederlegen. Haben Sie das bedauert?

Natürlich. Ich dachte erst, dass es nicht so schlimm wäre, bis der Arzt sagte: Du darfst nicht weitermachen. Damit hat man mir als jungen Trainer damals das Wichtigste genommen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir eine sehr gute Zeit, sind in die BBL aufgestiegen, haben als Zehnter die Klasse gehalten und lagen auf Rang 14 oder 15, als ich gehen musste. Es hat mir damals verdammt wehgetan, mitansehen zu müssen, dass die Mannschaft abgestiegen ist und ich nicht eingreifen konnte. Du lässt die Mannschaft im Stich, weil du es musst. Das war nicht einfach.

Eigentlich wären Sie trotz Rücktritts gern in Jena geblieben. Der Verein hat sich gegen Sie und für Frank Menz entschieden. Ist der neue Job bei einem Erstligisten auch ein bisschen eine Genugtuung für Sie?

Nein, das spielt überhaupt keine Rolle. Ich habe in Jena gezeigt, dass ich sechs Jahre erfolgreich arbeiten kann. Ich brauche niemandem mehr etwas zu beweisen. Ich lebe in der Gegenwart und wünsche Jena, dass sie wieder aufsteigen und uns in Weißenfels, dass wir in der BBL die Klasse halten.

Die ersten beiden Spiele mit dem MBC gingen knapp verloren.

Ja, leider. Aber die Jungs haben ein gutes Offensive-Talent. Wir müssen jetzt einfach schauen, dass wir über einen längeren Zeitraum sowohl körperlich als auch mental mithalten. Bei den Niederlagen sind wir immer hinten eingebrochen. Das müssen wir abstellen. Perspektivisch wollen wir uns im unteren Mittelfeld festsetzen. In der jetzigen Situation müssen wir aber um jeden Sieg kämpfen. Dennoch bin ich optimistisch, dass wir drin bleiben

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