FC Carl Zeiss Jena kündigt juristische Schritte gegen DFB-Spielplan an

Jena.  Die erste 3. Liga der Welt, die wieder spielen soll: Die Reaktionen auf die Ansage des DFB, zum 30. Mai vorbei an der Politik zu starten, fallen heftig aus.

Im Ernst-Abbe-Sportfeld sind weder Spiele noch Mannschaftstraining möglich.

Im Ernst-Abbe-Sportfeld sind weder Spiele noch Mannschaftstraining möglich.

Foto: Tino Zippel

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Der Deutsche Fußball-Bund hat auch ohne politische Freigabe das erste Heimspiel des FC Carl Zeiss Jena nach der Corona-Zwangspause für den Sonntag, 31. Mai, angesetzt. Der Fußball-Drittligist kündigte rechtliche Schritte an, weil der Termin fürs Spiel gegen den Chemnitzer FC selbst bei optimalem Verlauf nicht haltbar sei. In Thüringen sind Mannschaftstraining und Spiele noch bis mindestens 5. Juni verboten.

FC Carl Zeiss Jena erinnert an DFB-Satzung

„Der DFB hat neuerlich einen Starttermin vorbei an Politik und Logik verkündet“, schreibt der FC Carl Zeiss in einer Mitteilung. Dieser Termin sei zeitlich unmöglich umsetzbar, gefährde die Gesundheit der Spieler und missachte selbst die Präambel der eigenen DFB-Satzung. Darin heißt es, dass „der DFB in sozialer und gesellschaftspolitischer Verantwortung handelt und sich in hohem Maße dem Gedanken des Fair Play verbunden fühlt“, schreiben die Jenaer, die bislang kein Mannschaftstraining absolvieren dürfen.

Teamchef René Klingbeil: Das ist Wettbewerbsverzerrung

Bislang waren nur vier Tage Gruppentraining ohne jeden Zweikampf möglich. „Ich halte es für unverantwortlich, meine Jungs in wenigen Tagen in ein Pflichtspiel zu schicken“, sagt Jenas Teamchef René Klingbeil. „Nach einer normalen Sommerpause von vier Wochen brauchen wir sechs Wochen inklusive Vorbereitungsspiele und sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf hundert Prozent.“ Wegen der Corona-Pandemie musste der FC Carl Zeiss zehn Wochen aussetzen und durfte aufgrund der behördlichen Verfügungslage als letzter Verein ins Gruppentraining einsteigen. Andere Teams waren zu diesem Zeitpunkt schon lange im Mannschaftstraining. „Das ist Wettbewerbsverzerrung“, sagt Klingbeil, der schwere Verletzungen seiner Spieler befürchtet.

Der DFB hatte angekündigt, dass den Auftakt der dritten Liga der 28. Spieltag am 30. Mai macht. Der Rest der Saison werde durchgehend im Rhythmus englischer Wochen absolviert, elf Spieltage seien noch auszutragen. Beendet werden soll die Saison mit dem 38. Spieltag am 4. Juli. Die anschließende Relegation zur zweiten Bundesliga soll bis zum 11. Juli abgeschlossen sein. Terminliche Abweichungen, beispielsweise durch etwaige Mannschaftsquarantänen bedingt, seien weiterhin möglich, so der DFB.

DFB fordert Teams auf, Politik umzustimmen

„Die dritte Liga ist eine bundesweite Profispielklasse, negative politische Verfügungslagen an vereinzelten Standorten dürfen hier nicht den deutschlandweit mehrheitlich möglichen Spielbetrieb komplett unterbinden“, sagt DFB-Präsident Fritz Keller ungeachtet der gerade überstandenen ersten Welle der Corona-Pandemie. Der Verband fordert die betroffenen Mannschaften auf, die Landespolitik umzustimmen oder auf eigene Kosten Ersatzstadien zu suchen.

„Natürlich ist die Wiederaufnahme des Spielbetriebs unter den aktuellen Voraussetzungen eine Herausforderung für alle Drittligisten“, sagt Tom Eilers, Vorsitzender des Ausschusses dritte Liga und selbst im Vorstand von Zweitligist Darmstadt 98. „Doch sie ist auch eine große Chance, denn wir sind die erste dritte Liga der Welt, in der wieder Fußball gespielt werden kann.“

Nach der Ansage des DFB am Himmelfahrtstag hatte auch der Hallesche FC rechtliche Schritte angekündigt.

Kommentar: Das Kartell der Macht - oder was Vernunft in der 3. Liga verhindert

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