Andy Nägelein ist weder Autogrammjäger noch Trikotsammler. Deshalb trägt er die Erinnerung an die denkwürdigen Momente mit zwei der wohl größten Stars des Weltfußballs im Herzen. Aber die Begegnung, als er gegen eine von Diego Maradona trainierte Elf spielte, war so legendär, dass er diesen Tag ohnehin nicht vergessen kann. „Wir haben zur Halbzeit mit 3:0 geführt. Da kam Maradona in unsere Kabine und hat gesagt, dass wir seine Mannschaft nicht abschießen dürfen. Er war so eine Persönlichkeit, das respektiert man dann“, sagt der Co-Trainer des FC Rot-Weiß Erfurt im RWE-Talk von Funke Medien Thüringen.
Bewegte Zeiten: Nägelein spielt sechs Jahre in China
Der 44-Jährige, der seit diesem Sommer das Trainerteam des Viertligisten verstärkt, kann auf eine ziemlich bewegte Vergangenheit als Spieler zurückblicken. Dass er Legenden wie den vor fünf Jahren verstorbenen Maradona traf, hat mit seiner Familie zu tun. Seine Mutter stammt aus Hongkong, dort wurde er geboren. So zog es ihn von 2010 bis 2016 nach China, wo er zunächst in der 18 Millionen Einwohner großen Metropole Shenzhen spielte.
Mit dem Club trat er gegen Maradonas Mannschaft an. Der argentinische Weltmeister betreute damals eine U18-Auswahl und wurde extra für die Spiele aus Südamerika eingeflogen. Er sollte als Trainer die Entwicklung der Talente forcieren. Maradonas Wunsch zur Halbzeit wurde nicht abgeschlagen. Shenzhen siegte letztlich zwar, aber „nur“ mit 5:2.
Kurios: Nägelein heißt in China Nie Ling Fung
Dass Maradona ein schillernder Star mit Allüren war, merkte Nägelein schon vor der skurrilen Begegnung in der Kabine. „30.000 Menschen haben eine Stunde auf ihn gewartet. Dann kam er plötzlich ins Stadion, und alle haben ihn erstmal gefeiert. Das Spiel hat gefühlt zwei Stunden später begonnen“, erzählt der in Franken aufgewachsene Fußball-Abenteurer.

Was kaum jemand weiß: Während seiner Zeit als Profi in Asien spielte er unter dem Namen Nie Ling Fung. Das liegt in den Wurzeln seiner Familie begründet. Der Großvater mütterlicherseits hieß mit Vornamen Ling Fung, der Nachname Nägelein steht für Nie. Auch die Rahmenbedingungen auf dem Fußballplatz waren oft ungewöhnlich. Spiele bei 40 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent brachten ihn körperlich an seine Grenzen.
RWE-Talk
In der Gesprächsreihe von Funke Medien Thüringen befragt Sportchef Marco Alles regelmäßig Protagonisten des FC Rot-Weiß Erfurt zu sämtlichen Themen rund um den Verein. Im RWE-Talk geht es aber nicht nur um den Fußball, sondern auch um den Menschen hinter dem Sportler. Was zeichnet ihn aus? Was treibt ihn an? Womit beschäftigt er sich, wenn der Ball mal nicht rollt? Zu sehen sind alle Interviews auf dem Youtube-Kanal von Funke Thüringen.
Seine bewegte Zeit in China lieferte aber eine weitere Begebenheit, die sich ihm auch ohne Trikottausch ins Gedächtnis gebrannt hat. Nägelein war für die Nationalmannschaft der Sonderverwaltungszone spielberechtigt. 15 Länderspiele absolvierte der einstige Defensivmann für Hongkong. Eines davon im Oktober 2014 gegen Argentinien, als Nägelein über 90 Minuten auf dem Platz stand.

Die Südamerikaner waren ein paar Monate zuvor in Brasilien Vizeweltmeister geworden, als sie im Finale von Rio de Janeiro mit 0:1 nach Verlängerung der deutschen Elf um Jogi Löw unterlagen. Beim Freundschaftsspiel, das Hongkong mit 0:7 verlor, stand auch Lionel Messi auf dem Platz. „Es war unbeschreiblich, gegen den besten Fußballer der Welt zu spielen“, sagte Nägelein.
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Obwohl der argentinische Weltmeister von 2022 erst in der 61. Minute eingewechselt wurde, erzielte er noch zwei Tore und bereitete einen Treffer vor. „Er war wahnsinnig schnell. Messi, das ist als Fußballer noch einmal eine andere Stufe“, sagt Erfurts Co-Trainer. Trotz der Übermacht wollte sich Nägelein nicht kampflos geschlagen geben. Auf einem Foto ist zu sehen, wie er Messi am Trikot zupft: „Ich war ein Rüpel. Das fand er nicht so lustig. Aber man probiert halt alles.“
Aktuelle Nachrichten zum FC Rot-Weiß Erfurt:
Nägelein kehrte 2016 nach Deutschland zurück. Im vergangenen Sommer kam der einst weit gereiste Co-Trainer vom 1. FC Nürnberg II nach Erfurt. Nun ist die Regionalliga sein neuer Fußball-Kosmos. Als er noch bei Kickers Emden spielte, trat er fünfmal gegen den FC Rot-Weiß an: „Das waren immer hitzige Duelle.“ Wie schon mit der Entscheidung, für sechs Jahre als Fußballer nach Asien zu wechseln, ist er auch diesmal mit sich im Reinen: „Den Schritt nach Erfurt zu gehen, habe ich nicht bereut. Es ist sogar schöner, als ich mir vorgestellt habe.“









