Klare Ansage von FC Carl Zeiss Jena-Trainer Rico Schmitt: „In der Einfachheit liegt die Genialität“

Jena  Jenas neuer Trainer will seinen FC Carl Zeiss im Spiel der 3. Fußball-Liga gegen Würzburg vor allem kämpfen sehen.

Wie holt der FC Carl Zeiss Jena endlich den ersten Saisonsieg? Das neue Trainergespann, Rico Schmitt (links) mit seinem Assistenten René Klingbeil, berät sich im Ernst-Abbe-Sportfeld.

Wie holt der FC Carl Zeiss Jena endlich den ersten Saisonsieg? Das neue Trainergespann, Rico Schmitt (links) mit seinem Assistenten René Klingbeil, berät sich im Ernst-Abbe-Sportfeld.

Foto: Tino Zippel

Elf Tage hatte Rico Schmitt bisher gerade einmal, um die Spieler des FC Carl Zeiss Jena kennzulernen. Also nicht einmal zwei Wochen, um erste Ansätze für den Weg aus der Krise beim abgeschlagenen Tabellenletzten der 3. Fußball-Liga zu finden – vor seinem ersten großen Härtetest als Cheftrainer der Blau-Gelb-Weißen am Sonntag im Heimspiel gegen die Würzburger Kickers.

„Wir haben viel trainiert, viele Facetten angerissen“, sagt der im ehemaligen Karl-Marx-Stadt geborene 51-Jährige. In Gesprächen habe er gespürt, dass „ein Ruck durch die Mannschaft gegangen ist“. Die Grundstimmung sei positiv. Der ein oder andere habe auch ein Stück weit Selbstkritik geübt, sagt er. „Das habe ich auch erwartet.“

Schmitt ist ein Mann der klaren Worte, ein akribischer Fußball-Arbeiter aus dem Osten, in Chemnitz sozialisiert, vor allem bei Erzgebirge Aue zum Profi-Trainer gereift, nachdem er die eigene Laufbahn wegen eines Kreuzbandrisses früh beenden musste. Und so ist es nicht verwunderlich, dass er besonders eine Tugend im Spiel gegen Würzburg sehen will: den Kampfgeist. „Ich kann nicht versprechen, dass wir das Spiel gewinnen werden. Ich bin auch kein Magier“, sagt er. „Am Ende wollen wir aber eine Mannschaft sehen, die marschiert, die arbeitet“, so seine Forderung.

Es sind die kleinen Dinge, auf die es jetzt ankommt, „Stellschrauben“, an denen er in den zurückliegenden Tagen mit Co-Trainer René Klingbeil gedreht hat. Beim einen ist es die volle Konzentration auf das Abwehrverhalten, der andere muss sein Flankenspiel überdenken. Und dann kommt ein Satz, der vielleicht Ausdruck der Schmitt‘schen Fußball-Philosophie ist und der sehr viel Wahrheit in sich trägt: „In der Einfachheit liegt die Genialität.“

Wohltuende Worte angesichts der aktuellen Lage im Paradies und auch ein bisschen die Rückkehr zur Bodenständigkeit mit Blick auf die gedanklichen Höhenflüge von Ballbesitzfußball noch zu Saisonbeginn, die schließlich im Tabellenkeller endeten.

Den „zwölften Mann“, die Fans, will Schmitt unbedingt wieder mit ins Boot holen, wohl wissend, dass seine Mannschaft viel Kredit verspielt hat. „Ich kann das nachvollziehen, die Quoten sind nicht so berauschend.“ Dennoch brauche das Team den Zuspruch der Anhängerschaft, gerade in schwierigen Phasen. Wenn der FC Carl Zeiss, wie Schmitt es sehen will, mutig nach vorn spielt, „werden viele Fehler passieren“. Im Endeffekt, sagt Schmitt, ist es aber die Reaktion auf einen Fehler, „was mache ich im Umkehrschluss“. Und ist der Einsatzwille, den Fehler sofort zu beheben, erkennbar, wird dies auch das Publikum im Ernst-Abbe-Sportfeld honorieren.

Verzichten muss der Zeiss-Coach am Sonntag auf Innenverteidiger Marius Grösch. Der 25-Jährige verletzte sich am Knie. Eine genaue Diagnose soll am Montag folgen. Ansonsten stehen Schmitt bis auf die Langzeitverletzten alle zur Verfügung.

Wer sein verlängerter Arm auf dem Platz ist, sprich sein Kapitän, das ließ der neue Trainer des Traditionsvereins am Freitag offen. „Natürlich suchen wir jemanden, der vorangehen, der motivieren kann“, sagt Schmitt. Entscheidend sei aber die Einstellung jener, die neben und hinter dem Teamkapitän stehen. Und von denen fordert er: „Ärmel hochkrempeln, nicht so viel reden und den Worten schlussendlich Taten folgen lassen!“

Jena – Würzburg, Sonntag, 14 Uhr, Ernst-Abbe-Sportfeld

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