Teamchef des FC Carl Zeiss Jena: In Corona-Krise nicht an Fußball zu denken

Jena.  Im Interview spricht René Klingbeil über die Auswirkungen der gesperrten Trainingsstätte in Jena und die Konsequenzen nach Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes.

Der FC Carl Zeiss Jena meldet Kurzarbeit an, nachdem die Stadt Jena wegen der Corona-Krise die Trainingsstätte der Fußballer bis 19. April geschlossen hat. Wir haben mit Teamchef René Klingbeil über die Folgen gesprochen.

Wie geht es Ihnen?

Ich bin gesund, das ist das wichtigste. Ich bin daheim bei meiner Familie und stehe in regem Kontakt mit meinen Spielern und der Geschäftsleitung. Wir telefonieren viel.

Zwei Spieler sind vorsorglich in Quarantäne, weil sie mit Corona-Risikopersonen zusammen waren. Wie geht es den beiden?

Soweit ist alles in Ordnung. Sie zeigen bislang keine Symptome. Es war aus meiner Sicht ein sehr wichtiger Schritt, vorsorglich die Mannschaft zu trennen.

Wie ist die Stimmung unter Ihren Spielern?

Sie verhalten sich ruhig und stellen viele Fragen. Wir haben intern kommuniziert, dass wir Tag und Nacht bei Fragen zur Verfügung stehen. Die Ärzte haben einen Verhaltenskatalog rausgegeben. Aus meiner Sicht verhalten sich die Spieler sehr professionell.

Ihre Trainingsstätte ist bis zum 19. April gesperrt. Wie bleiben die Spieler fit?

Wir bekommen beinahe minütlich neue Nachrichten über die Maßnahmen in Sachen Coronavirus. Fest steht, dass das Mannschaftstraining für längere Zeit ausfallen wird. Für eine solche Situation gibt es keinen Plan in der Tasche. Wir hoffen, dass alle gesund bleiben. Das ist das Wichtigste.

Inwieweit kann Lauftraining daheim das Mannschaftstraining kompensieren?

Nicht im Ansatz. Schon wer nur eine Woche Lauf- statt Mannschaftstraining absolviert, verliert deutlich an Spielfitness. Das Mannschaftstraining mit ganz anderen Bewegungen lässt sich im Lauftraining nur unzureichend abbilden. Deswegen steht eines schon fest: Wenn wir irgendwann wieder trainieren können, brauchen wir eine komplette Vorbereitung, um auf das nötige Fitnesslevel zu kommen.

Die Deutsche Fußball Liga denkt über Geisterspiele für die erste und zweite Bundesliga nach. Wäre das aus Ihrer Sicht auch für die dritte Liga eine Option?

Im Moment sterben Menschen an einem Virus, das sich schnell in Deutschland ausbreitet. An Fußball ist in einer solchen Situation nicht zu denken. Wenn in der dritten Liga Geisterspiele kommen sollten, hat es mit Profifußball nichts zu tun. Klar kenne ich Spiele mit dem FC Lößnitz, zu denen nur 20 Zuschauer kamen. Aber in der dritten Liga war es schon komisch, als gegen Zwickau die Fans anfangs nicht gesungen haben und man jedes Gespräch auf dem Feld hörte. Es hat dann eher den Charakter eines Freundschaftsspieles so wie in der Winterpause gegen Lok Leipzig. Aber unterm Strich haben wir keinen Einfluss auf die Entscheidung. Wir müssen es so oder so nehmen, wie es kommt.

Wie beschäftigen Sie sich in den nächsten Wochen zu Hause?

Zunächst werde ich viel telefonieren, um mit den Spielern in Kontakt zu bleiben. Für die Familie bleibt mehr Zeit als in den vergangenen Wochen. Einige Dinge in meinem Haus sind in letzter Zeit liegengeblieben. Die werde ich versuchen aufzuarbeiten. Solange die Möglichkeit besteht, möchte ich mich selbst fit halten. Beim Fahrrad­fahren oder beim Spaziergang mit unseren Hunden kann ich den Kopf freibekommen. Das ist wichtig in diesen Tagen. Schließlich haben wir alle bislang nichts Vergleichbares erlebt.

3. Liga pausiert bis 30. April: So reagiert der FC Carl Zeiss Jena

FC Carl Zeiss Jena stellt Training ein: Corona-Verdachtsfälle im Team