Jenas Heiko Weber: „Alte Trainer haben nun einmal einen kleinen Dachschaden“

Jena.  Heiko Weber, Trainer vom FC Carl Zeiss Jena II, zeigt sich mit den letzten Partien seines Oberliga-Teams zufrieden. Der 55-Jährige wurde zum vierten Mal Vater.

FCC-Trainer Heiko Weber ist vor gut vier Wochen zum vierten Mal Vater geworden.

FCC-Trainer Heiko Weber ist vor gut vier Wochen zum vierten Mal Vater geworden.

Foto: Peter Poser

Eine gewisse Zufriedenheit kann man bei Heiko Weber vernehmen, wenn er über die letzten Begegnungen seines jungen Teams sinniert. Eben jene Begegnungen im Oktober, die allesamt für die zweite Mannschaft des FC Carl Zeiss Jena mit einem Remis endeten: FSV Martinroda (1:1), Ludwigsfelder FC (3:3) und FC Eilenburg (0:0).

„Sie sind eine Mannschaft geworden – auch wenn wir nur zwölf Spieler sind. Alle haben sich eingebracht. Die Einstellung hat in den vergangenen Partien einfach gestimmt“, sagt Weber. Ja, es habe recht vielversprechend ausgesehen. Vor diesem Hintergrund sei die coronabedingte Unterbrechung zu einem wahrlich ungünstigen Zeitpunkt gekommen, sagt der FCC-Coach.

Lob für Zugang Thilo Gildenberg

In den letzten beiden Begegnungen in der Oberliga konnte Weber indes auf einen neuen Spieler zurückgreifen: Thilo Gildenberg. Der 19-Jährige, der von Rot-Weiß Erfurt kommt, agiert im defensiven Mittelfeld. Der gebürtige Berliner gibt somit den klassischen Sechser vor der Abwehr. „Er ist ein richtiger Terrier. Er liebt Zweikämpfe und will sie gewinnen. So einer hat uns gefehlt. Er gibt uns die nötige Stabilität – gerade gegen gestandene Mannschaften in der Oberliga, die sehr viel Physis mitbringen“, sagt Weber über seinen neuen Schützling. Sehr zufrieden zeigt sich der Trainer zudem mit der Entwicklung von Innenverteidiger Robert Winker: „Er ist richtig gut geworden.“

In diesen Tagen und Wochen nun, in denen der Spiel- und Trainingsbetrieb in der Oberliga ruht, kann sich Heiko Weber jedoch alles andere als zurücklehnen. An den Vormittagen die Woche über widmet er sich den Sportschülern des FC Carl Zeiss Jena. Spezialtraining und so. Die Ausbildung in Sachen Fußball ruht beim Nachwuchs am Jenaer Sportgymnasium nicht.

Individualtraining wegen Corona

Bei den Kickern der zweiten Mannschaft des FCC stehen indes alle Zeichen auf Individualtraining – was sonst. Doch Weber zeigt Verständnis dafür, dass seine jungen Fußballer nicht monatelang durch das Jenaer Paradies rennen wollen – auch wenn Ausdauer und Athletik zweifelsohne elementare Bestandteile des Fußball seien. Das könne man auf Dauer nicht von ihnen verlangen, zumal derzeit ja auch ein entsprechendes Ziel fehlen würde. „Ich bin ja selbst nicht so gerne gelaufen und will nun auch kein Trainer sein, der seine Spieler nun permanent mit Ausdauereinheiten und monotonen Athletikübungen quält“, sagt der FCC-Trainer.

Das Mehr an Zeit, welches er nun aufgrund des Lockdowns haben würde, wolle er mit seiner Familie verbringen. Und besagtes Mehr kommt Heiko Weber dann gerade auch recht gelegen, schließlich ist er vor vier Wochen noch einmal Vater geworden. Es ist sein nunmehr viertes Kind. Außerdem wartet auf ihn zu Hause auch noch sein dreieinhalbjähriger Sohn – auch mit ihm möchte er die gewonnene Zeit verbringen. Der Fußball spielt während der Freizeit mit dem etwas älteren Nachwuchs jedoch keine Rolle. „Er muss nicht mir zuliebe Fußball spielen. Das soll er später einmal selbst entscheiden“, sagt Weber.

Ach ja, mit Blick auf die Vaterfreuden in seinem Alter kann sich der 55-Jährige einen Kommentar in eigener Sache nicht verkneifen: „Alte Trainer haben nun einmal einen kleinen Dachschaden.“