ZFC-Kapitän Tobias Becker: „Wollen auf unserer Miniwelle schwimmen“

Meuselwitz.  Tobias Becker, Kapitän des ZFC Meuselwitz, über den Saisonstart, die Stimmung im Team und seinen Ex-Club Wacker Nordhausen.

Tobias Becker (rechts) hat als Kapitän des ZFC Meuselwitz Ball und Gegner immer im Blick – so auch hier Im Testspiel gegen den Ligakonkurrenten FC Carl Zeiss Jena und dessen Neuverpflichtung Lucas Stauffer.

Tobias Becker (rechts) hat als Kapitän des ZFC Meuselwitz Ball und Gegner immer im Blick – so auch hier Im Testspiel gegen den Ligakonkurrenten FC Carl Zeiss Jena und dessen Neuverpflichtung Lucas Stauffer.

Foto: Tino Zippel

Nach einem perfekten Saisonstart mit sechs Punkten aus zwei Spielen und ohne Gegentor, findet sich der ZFC Meuselwitz weit oben in der Tabelle der Fußball-Regionalliga Nordost wieder. Doch die richtig harten Situationen werden noch kommen, verrät Kapitän Tobias Becker (34) im Interview – und blickt auf die anstehende englische Woche.

Gehört Meuselwitz jetzt zu den Aufstiegsfavoriten oder wie schätzen Sie den Saisonstart ein?

(lacht) Zu den Favoriten gehören wir definitiv nicht. Wir haben gegen Cottbus wieder ein gutes Spiel gemacht, eine kleine Überraschung geschafft. Es ist eine schöne Momentaufnahme. Aber realistisch betrachtet haben wir noch viel Arbeit und etliche starke Gegner vor uns. Die Liga ist brutal ausgeglichen und die Topteams werden sich noch einspielen beziehungsweise den Rückstand aus der kurzen Vorbereitung aufholen. Wir wollen so lange wie möglich auf unserer Miniwelle schwimmen.

Euch kam eine längere Vorbereitungszeit zugute?

Auf jeden Fall. Wir hatten bereits während der Coronazeit einen Trainingsplan von Marco Kämpfe, bei dem sich jeder individuell weiterentwickeln konnte. Die letzten Wochen haben wir dann nochmals richtig hart gearbeitet, alle Grundlagen trainiert und sind daher bei der Fitness auf einem guten Level.

Wie halten Sie sich privat fit und was gibt Ihnen Rückhalt?

Ein paar gute Gene gehören mit dazu. Ich habe längere Belastungen immer ganz gut verkraftet, blieb von größeren Verletzungen verschont. Dank des guten Trainings im Verein brauche ich zuhause gar nicht so viel mehr machen. Da habe ich mit Familie und Kindern auch andere, schöne Sachen zu tun.

Sie sind erst seit Ende Januar Teil der Mannschaft und wurden direkt zum Kapitän gewählt. Wie kam es dazu?

In meinem fortgeschrittenen Alter spielt sicherlich auch die Erfahrung eine Rolle. Die Jungs hier haben mich nach der Insolvenz von Nordhausen super aufgenommen. Das Team hat generell tolle Charaktere, die es einem leichter machen. Somit habe ich nach etwas Bedenkzeit dieses Amt gern angenommen.

Und dann gegen Cottbus Ihr erster Pflichtspieltreffer für den ZFC: Gibt das eine Runde in der Kabine?

So viele Spiele hatte ich ja durch den Saisonabbruch noch gar nicht spielen können. Eine Runde gab es deshalb nicht. Auch nicht von Timo Mauer, der nach langer Zeit gleich zweimal getroffen hatte. Die Tore werden im Team dankend angenommen und man darf sich als Oldie den einen oder anderen lustigen Spruch der Mitspieler anhören.

Durch den breiten Kader kann nicht immer jeder Spieler aufgestellt werden. Zuletzt traf dies auch Zugang Jegor Jagupov. Muss ein Kapitän da intern vermitteln und die Stimmung bei Laune halten?

Das gehört mit dazu und durch die Einführung der fünf Wechsel kommen viele Spieler zum Einsatz und können sich zeigen. Jeder will immer so lang wie möglich spielen und ist enttäuscht, wenn er ausgewechselt wird oder gar nicht spielt.

Aber uns haben bisher die Wechsel stets weitergebracht. Gegen Rathenow kommt Fabian Stenzel und bereitet beide Treffer vor, gegen Cottbus bringt Trübe (Andy Trübenbach, die Redaktion) frischen Schwung ins Spiel. Es ist Ansporn für jeden, sein Bestes zu zeigen. Und ich trage da wie alle anderen meinen Teil bei.

Wie ist es, gegen einen namhaften Gegner und vor über 1000 Zuschauern aufzulaufen?

Das macht natürlich Spaß, zumal in Meuselwitz generell der Platz sehr angenehm ist und die Zuschauer nah dran sind. Das setzt ein paar Extrakörner auf dem Rasen frei.

Die Liga ist dieses Jahr gespickt mit ostdeutschen Traditionsclubs...

Einerseits schön für uns und die Fans in der Regionalliga. Die neugewonnene Pluralität zu Erfurt und Jena ist erfrischend. Andererseits schade, dass es momentan in Thüringen nicht über die vierte Liga hinausgeht, in der Landeshauptstadt gar nur Oberliga. Da braucht es in Zukunft schnell wieder Aushängeschilder etwas weiter oben.

Inwieweit verfolgen Sie die Geschehnisse bei Ihrem Ex-Club Wacker Nordhausen?

Ich verfolge es noch, war lange dort und kenne einige Leute im Verein. Von den Spielern haben sich die meisten verabschiedet, da ist nicht mehr so viel Kontakt da. Dass der Saisonstart bisher nicht optimal lief, ist bei einer neu formierten, jungen Mannschaft normal. Nach ein paar Wochen der Gewöhnung wird Wacker gut in der Oberliga ankommen und hoffentlich am Saisonende nicht absteigen.

Nach dem Cottbus-Spiel sprachen Sie von einem guten Timing. Was stimmt aktuell noch alles beim ZFC Meuselwitz?

Allen voran die Mentalität, keiner ist sich für einen zusätzlichen Weg zu schade. Wir können den Gegner über 90 Minuten pressen, können anlaufen und verschieben. Und es ist aktuell schwer, gegen uns ein Tor zu schießen, weil wir auch hinten sehr diszipliniert agieren.

Am Samstag in Altglienicke und Mittwoch zuhause gegen Tennis Borussia Berlin sind diese Qualitäten wieder gefragt...

Ich rechne mit zwei unterschiedlichen Spielen. Samstag wird es ein richtig schwerer Auswärtskick. Der Gegner wird jeden Fehler knallhart ausnutzen, ist sehr heimstark mit viel Qualität. Aber wir können ohne Druck aufspielen. TB Berlin kann ich spielerisch nicht ganz so gut einschätzen, doch als Aufsteiger müssen wir sie irgendwie knacken.