Ist Thüringen reif für Olympia im Winter 2030?

Erfurt.  Die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden hat Thüringen als Gastgeber für die Olympischen Winterspiele 2030 ins Gespräch gebracht.

Olympische Ringe stehen am Eingang des Olympiahauses des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Olympische Ringe stehen am Eingang des Olympiahauses des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Foto: Laurent Gillieron / dpa

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Die Olympischen Winterspiele in Thüringen – ein wahrlich schöner Traum. „Und wir wollen ihn wahr werden lassen“, erklärt Mike Helios, Sprecher der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden. Auch wenn es noch unzählige Unwägbarkeiten gebe, wäre es fantastisch, wenn man eine Vision gemeinsam wahr werden lassen könnte, schwärmt Helios weiter. Gemeinsam mit den Nachbarländern Sachsen und Bayern.

Die Zauberworte lauten: Kosten und Nachhaltigkeit. In Oberhof, Oberwiesenthal, Altenberg, Erfurt und anderswo befänden sich bereits bestens ausgebaute Sportstätten und Anlagen, die sich schon mehrfach bei internationalen Wettkämpfen bewährt, vielen Sportlerinnen und Sportlern zu Titeln verholfen hätten. Fehler der Vergangenheit sollen vermieden werden, es gehe darum, ohne baulichen Gigantismus auszukommen.

„Nicht zu vergessen sind die unzähligen Vereine, freiwilligen Helfer und versierten Kampfrichter – das ist Erfahrung und Fachkompetenz pur“, sagt Helios. Ein weiterer Vorteil für die Olympischen Winterspiele seien die kurzen Wege. „Selbst eine Strecke von Erfurt nach Berlin ist in etwas mehr als zwei Stunden zu bewältigen.“

Unterstützung von Politikern und Sportlern

Natürlich könnten nicht alle Wettbewerbe in Thüringen und Umgebung stattfinden – so realistisch sind die Olympia-Visionäre schon. Ski Alpin beispielsweise habe man in Garmisch-Partenkirchen angesiedelt, Eishockey in Leipzig, Nürnberg oder Hannover geplant.

Die Initiatoren sind sich sicher: Gut vier Jahrzehnte nach der deutschen Einheit wäre das ein bedeutender Beitrag zum Zusammenwachsen der Menschen in Ost und West. Wie wichtig dem Südthüringer Kreditinstitut das Vorhaben ist, zeigt ein bereits entwickeltes Logo. Ein Schneestern in blau und Grün (Schnee im Thüringer Wald), an dessen Rand die Farben der Deutschlandfahne schimmern. Dazu gibt es den knackigen Schriftzug „Olymp-JA“.

„Wir verstehen uns ganz klar als Bank, die in der Region fest verwurzelt ist und die sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt. Und Gemeinwohl ist mehr, als das Verwalten von Konten“, wirbt Helios für die Idee.

Unterstützung erhält die außergewöhnliche Idee von vielen Seiten. Ex-Minister und Bobsport-Präsident Andreas Trautvetter hat sich zu Wort gemeldet wie auch Biathlet Sven Fischer oder die Bürgermeister von Schmalkalden und Altenberg. Sie alle finden ihren Platz in der Info-Broschüre der Bänker: „Wir haben mit unseren hervorragenden olympiatauglichen Anlagen im Osten Deutschlands dafür die besten Voraussetzungen“, wird dort beispielsweise Skisprunglegende Jens Weißflog zitiert.

Das Oberhofer Stadtoberhaupt Thomas Schulz legt in eigener Sache nach: „Wer an Olympische Winterspiele in Deutschland denkt, kommt an Oberhof nicht vorbei. Wir haben schon die Biathlon-WM an Land gezogen und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir uns auch als eine der beteiligten Städte bei künftigen Olympischen Winterspielen als tolle Gastgeber präsentieren.“ In diesem Zusammenhang verweist Thomas Schulz ebenfalls auf die bestehenden Sportanlagen. „Das schont die Umwelt, spart Unsummen an blödsinnigen Repräsentationsausgaben, die wir allesamt doch wohl besser in den Ausbau der Infrastruktur stecken sollten.“

Thüringen hat Gastgeberqualitäten

Was man auch immer von der Idee hält, die Bank will alle ins Boot holen. Deshalb sollte die Info-Broschüre gestern Abend 22 Uhr versandt werden. An das IOC, den Deutschen Olympischen Sportbund und an alle die internationalen Verbände, die Landratsämter und Rathäuser. „Wir wollen Druck machen, anschieben“, so Helios.

Fakt ist aber auch: Früher riss sich die halbe Welt um die fünf Ringe. Heute ist das Internationale Olympische Komitee (IOC) froh, wenn es wie beim letzten Auswahlverfahren mindestens zwei Kandidaten findet. Am Ende wurde Mailand als Gastgeber der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 benannt, gemeinsam mit Cortina d’Ampezzo. Einziger Mitbewerber: Stockholm.

Die Gründe für das wachsende Desinteresse sind vielfältig. Nicht selten lehnen Bevölkerung und Politik die Megaevents ab – denn auf die Gastgeber kommen gewaltige Investitionen in die Infrastruktur zu. Die Spiele von Sotschi 2014 beispielsweise haben rund 51 Milliarden Dollar verschlungen, errechneten Experten. Hinzu kommt ein in den letzten Jahren gewachsenes Umweltbewusstsein, das sich nicht zuletzt in den anhaltenden Klimaprotesten zeigt.

Das alles scheint die verhältnismäßig kleine VR-Bank mit einer Bilanzsumme von 917,8 Millionen Euro nicht zu schrecken. Selbstbewusst hat sie das olympische Motto ausgegeben: Wann, wenn nicht jetzt und wer, wenn nicht wir – gemeinsam! Ob aus den Winterspielen am Ende ein Thüringer oder vielleicht ein gesamtdeutsches Fest wird, bleibt abzuwarten. Aber träumen darf man ja wohl mal…

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