Krisenstab-Leiter der Stadt Jena: Geisterspiele für FC Carl Zeiss unrealistisch

Jena.  Der Deutsche Fußball-Bund will die Saison in der dritte Liga trotz der Corona-Pandemie fortsetzen – gleich zwei Hindernisse stehen dem in Jena entgegen.

Die Stadt Jena erteilt dem Ansinnen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die Saison der dritten Liga im Mai und Juni mit Geisterspielen zum Abschluss zu bringen, eine Absage. „Geisterspiele in diesem Zeitraum sind aus heutiger Sicht höchst unrealistisch“, sagt Sicherheitsdezernent Benjamin Koppe (CDU), der den Krisenstab der Stadt in der Corona-Pandemie leitet. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenfreien Corona-Liveblog.

Drittligisten einigen sich auf kleinsten gemeinsamen Nenner

Der DFB hatte alle Drittligisten am Gründonnerstag zu einer Videokonferenz zusammengeschaltet. Thema war, wie die Saison fortzusetzen ist. Die Verbandsfunktionäre wollen dem Beispiel der Bundesligen folgen und auch in der dritten Liga mit Spielen ohne Zuschauer die Saison über die Bühne bringen. Unter den Mannschaften herrschen Meinungsverschiedenheiten in der Frage. Klubs, die noch mit dem Aufstieg liebäugeln, wollen die Spielzeit unter allen Umständen fortsetzen. Dagegen sprechen sich die Teams aus dem unteren Tabellen­regionen vehement dagegen aus. Die mitteldeutschen Vereine wie der Hallescher FC, der Chemnitzer FC oder der FSV Zwickau sind wie der FC Carl Zeiss Jena für einen Abbruch der Saison.

Letztlich einigten sich die Teams auf den kleinsten gemeinsamen Nennern mit dem Verband. „Entscheidend bleiben die vorliegenden behördlichen Verfügungsgrundlagen, auf deren Basis sich auch alle weiteren Entscheidungen und Maßnahmen für die dritte Liga ableiten werden. Darin besteht unter allen Klubs Einigkeit“, fasst der Verband in einer Pressemitteilung zusammen.

Sportstätte voraussichtlich länger gesperrt

Der Leiter des Krisenstabes in Jena sieht zwei Hindernisse: Zum einen brauche es eine Sportstätte für den Spiel- und Trainingsbetrieb, zum anderen müsse auch beim Training und bei Geisterspielen der Infektionsschutz gewährleistet sein. Aktuell sind alle Jenaer Sportstätten bis zum 19. April gesperrt. Eine Anordnung des Freistaates Thüringen habe dabei die entsprechende Jenaer Verfügung ersetzt. Nach Koppes Worten ist es sehr wahrscheinlich, dass die Sperrung verlängert werde. „Wenn es Lockerungen gibt, dann fallen keinesfalls alle Beschränkungen gleichzeitig, sondern höchstens fein modelliert. Vorrang vor dem Sport haben mit Sicherheit systemrelevante Bereiche“, sagt Koppe.

Eine weitere Sperrung des Stadions trifft auch den FC Carl Zeiss, der somit weiterhin nicht trainieren kann. Wettbewerber in der dritten Liga haben hingegen das Training schon wieder aufgenommen. Drei Wochen Vorlauf soll es in jedem Fall geben, bevor erste Pflichtspiele anstehen.

Selbst wenn eine Freigabe erfolge, gelten strenge Normen des Infektionsschutzes, sagt Koppe und verweist auf die Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Masken in öffentlichen Gebäuden, Einkaufsmärkten und Unternehmen. Auch im Fußball und anderen Mannschaftssportarten kommen sich Spieler sehr nahe. Kurz- und mittelfristig erwarte er deshalb keine Freigabe seitens des Gesundheitsamtes, sagt Koppe.

FC Carl Zeiss sieht drohende Verluste durch Geisterspiele

Der FC Carl Zeiss Jena hat sich bei der Videokonferenz gegen Spiele ohne Zuschauer ausgesprochen. „Geisterspiele bringen höhere Verluste, weil somit das Instrument der Kurzarbeit für uns entfällt und zusätzliche Kosten entstehen“, sagt Geschäftsführer Chris Förster. Auch halte er es für medizinisch fragwürdig, ob er seine Arbeitnehmer dem Risiko einer Ansteckung aussetzen könne. Gesellschaftlich problematisch sei, Testkapazitäten auf das Virus in Größenordnungen für den Profifußball zu reklamieren.

Dennoch stimmte der Jenaer Manager wie alle anderen dem Kompromiss zu, dass jeder Drittligist ermittelt, was Geisterspiele kosten und ob sie überhaupt möglich sind. Die Antwort auf die zweite Frage hat der Leiter des Krisenstabes schon gegeben – und damit Frage eins obsolet gemacht.

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