"Dieser Weg war der richtige": Skilanglauf-Ass Axel Teichmann zu seiner Karriere

Skilanglauf-Ass Axel Teichmann aus Bad Lobenstein hat das Ende seiner Laufbahn lange vorbereitet, treibt seine berufliche Ausbildung voran, genießt die Zeit mit der Familie, freut sich aufs Abschiedsrennen und spricht sich für einen festen Zirkel an Olympiaausrichtern aus

Axel Teichmann bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi. Foto: dpa

Axel Teichmann bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi. Foto: dpa

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Sie wirken entspannt. Es ist wohl ein Genuss, keinen Trainingsplan mehr zu haben?

Gerade heute war es schön. Es hat bis um acht geregnet, da bin ich erst fünf nach acht raus.

Mit dem 50-km-Rennen in Sotschi beendeten Sie ihre Karriere. Standen Sie nach den Olympischen Spielen schon mal wieder auf Ski ?

Nee, das war schwierig. Ich hatte mir zwar viel vorgenommen, wollte mit der Familie losstiefeln. Selma hat zu Weihnachten Ski bekommen, läuft schon gut mit und meinen Sohn hätte ich in die Kraxe genommen. Wir wollten einfach mal hoch auf eine Hütte, eine Bratwurst essen. Hätten wir einen normalen Winter gehabt, dann hätte ich das auch gemacht. So hatte ich seit Sotschi keine Ski mehr unter den Füßen. Die Alternative wäre eine 2-km-Runde in der Skiarena oder die Skihalle gewesen - aber das muss ich jetzt nicht mehr haben. Ich bin Skisportler geworden, weil ich meinen Sport in der Natur ausüben wollte.

Die Karriere als Leistungssportler ist vorbei, die Lust am Skilaufen ist geblieben?

Wenn der Rennsteig wieder gespurt ist, werde ich mich dort bewegen. Geht es nicht, dann mach‘ ich andere Sachen: Laufen, Paddeln, Klettern - Hauptsache an der frischen Luft.

Sotschi liegt knapp drei Monate zurück. Fehlt was? Haben Sie es schon mal bereut, mit dem Leistungssport aufgehört zu haben?

Wehmut habe ich nicht. Der Abschied war ja fast drei Jahre geplant. Nun wende ich mich neuen Herausforderungen zu, die ich genauso professionell angehen werde, wie ich es die letzten zehn, fünfzehn Jahre im Skisport getan habe. Und ich denke, dass ich auch da meine Erfüllung finden werde.

Und es bleibt endlich etwas mehr Zeit für die Familie.

Die Zeit mit der Familie ist ein hohes Gut, was ich schätzen lerne. Auf der anderen Seite, weiß ich nach den wenigen Wochen, wie anstrengend es ist, wenn die Frau zu Hause alles allein bewältigen muss.

Sie sprechen von neuen Herausforderungen? Gibt es konkrete Pläne?

Den Trainerschein mache ich, die A-Lizenz. Dann habe ich mich für die Sporthochschule Köln beworben, da es jetzt dort die Möglichkeit gibt, aufbauend ein Bachelor- und ein Masterstudium anzuschließen. Diesen Weg möchte ich gehen, dass ich nach meiner Ausbildung einen akademischen Grad in der Tasche habe und beruflich dann nicht nur auf einem, sondern auf zwei Beinen stehen kann.

Einer besonderen Herausforderung stellen Sie sich heute beim Rennsteiglauf?

Ja, ich gehe den Super-Marathon an.

Respekt.

Einmal wollte ich die zweiundsiebzig Kilometer laufen, als Thüringer bei Europas schönstem Crosslauf dabei sein.

Sind Sie in Tritt?

Ich hatte mir einen Zweimonatsplan zurechtgestrickt. Doch der ist ins Stocken geraten, weil ich mir einen Kindergartenvirus eingefangen habe, der mich flach gelegt hat. So werde ich mit vielen anderen Läufern Freud‘ und Leid teilen auf dem Rennsteig.

Und nächste Woche steigt in Oberhof das große Abschiedsrennen.

Ja, darauf freue ich mich. Auf ein buntes Programm, auf ein Wiedersehen mit Weggefährten. Und es soll etwas dabei herum kommen. Der Erlös, den wir durch eine Tombola und die Hilfe von Sponsoren erzielen, der soll dem Skinachwuchs in der Region zugute kommen.

Sie leben seit Jahren in Oberhof, starteten aber immer für den WSV Bad Lobenstein.

Das ist mir eine Herzensangelegenheit. Klar, gab es Anfragen anderer Vereine, aber für ein paar Ski zusätzlich oder etwas Geld, muss ich doch nicht meinen Heimatverein verlassen. Ich bin dankbar, dass ich in meiner Jugend in Bad Lobenstein gefördert worden bin.

Teichmann, Filbrich und Angerer - nach Sotschi haben die letzten drei aus der goldenen Langlauf-Generation aufgehört. Was war das Erfolgsgeheimnis? Was haben Sie anders, besser gemacht, als es die Nachfolgenden tun?

Was heißt, anders gemacht? Zum einen waren wir erfolgreich, weil wir eine sehr gute Trainingsstruktur am Sportgymnasium in Oberhof hatten. Zum anderen sind wir behutsam herangeführt worden, man hat uns Zeit gelassen.

Was gab noch den Ausschlag?

Wir hatten ein sehr gutes Lehrgangssystem, konnten uns an verschiedenen Orten messen. Es gab im Frühjahr und Herbst Leistungskontrollen, die Werte waren vergleichbar, es gab einheitliche Standards.

Und wenn es nicht so lief?

Und wenn es bei uns mal nicht so lief, da gab es in den ersten Jahren meiner Karriere immer noch einen erfolgreichen Athleten, der vorn dran stand, der als Puffer die Kritik abgenommen hat. Da ist nicht alles auf uns eingeprasselt. So sind aus Talenten wirklich Schritt für Schritt Weltklasseathleten geworden.

Wenn Sie über Ihre lange Karriere eine Überschrift schreiben müssten. Wie würde die denn lauten?

Ich würde diesen Weg wieder gehen.

Was war Ihr Top-Erlebnis als Sportler?

Die Silbermedaillen von Vancouver, weil ich acht Jahre gebraucht habe, eine olympische Medaille mit nach Hause zu nehmen. In Salt Lake City war ich schlecht beraten, bin in der Höhenlage alle Rennen gelaufen und war kaputt. In Turin war ich in der Form meines Lebens und eine Verletzung hat mich um den Start gebracht. Also musste ich bis Vancouver 2010 warten.

Das wäre doch aber auch ein guter Moment gewesen, aufzuhören, nach der emotionalen Siegerehrung am Schlusstag der Spiele von Vancouver?

Ja, vielleicht. Ich denke, es schafft kaum einer, im richtigen Moment aufzuhören. Ich wollte die Wettkampfsituation in meinen Leben noch nicht missen, also habe ich noch vier Jahre drangehängt.

Das 15-km-Rennen im klassischen Stil in Sotschi war Ihnen besonders wichtig. Auf dieser Strecke waren Sie 2003 in Val di Fiemme erstmals Weltmeister geworden.

Das war mein Rennen, meine Strecke. Darauf habe ich mich drei Jahre lang vorbereitet. Und unter den Bedingungen, die ich in Sotschi vorgefunden habe, war das für mich ein Top-Rennen, habe mit Platz acht die beste Platzierung der Saison erreicht. Ich kann zufrieden sein.

Sie schließen ein Comeback aus?

Definitiv.

Sie wären nicht der erste, der zurückkommt.

Ich tu es nicht.

Die Olympischen Spiele in Korea 2018 reizen Sie gar nicht?

Überhaupt nicht. Sotschi war schon zwiespältig. Der Blick aus dem Fenster am Morgen war gigantisch, direkt auf den Kaukasus. Die Wettkampfstrecken waren hart, es war auch Winter auf den Strecken.

Und die Organisation?

Die Organisation war perfekt. Was mich aber sehr geärgert hat, war, dass etliche Zuschauer durch das Gondelsystem, das nicht funktioniert hat, zu spät an die Wettkampfstrecken kamen. Da waren die letzten Läufer ins Ziel und die letzten Zuschauer noch nicht an der Strecke. Da hab‘ ich mich als Athlet geschämt. Und was mich bewegt, ist die Frage: Wie nachhaltig ist das alles, kann das über die Jahre überhaupt bewirtschaftet werden, was da für teuer Geld in die Landschaft gestellt wurden.

Und 2018 in Pyeongchang wird es nicht besser?

Ich bin der Meinung, dass man sich auf gewisse Wintersportregionen versteifen sollte. Was ist dabei, wenn Lillehammer oder Innsbruck fünfmal in einhundert Jahren Olympische Spiele ausrichten? Man hat die Wettkampfstätten, man hat das Publikum. Und man geht schonend mit der Natur um, das ist mir das Wichtigste, das sind wir nicht nur uns, sondern den nachfolgenden Generationen schuldig.