Am Schleizer Dreieck lernten die Uhren neu zu ticken

Schleiz.  Geschichten vom Schleizer Dreieck: Mehr Teilnehmer und immer schnellere Rundenzeiten sorgten für eine technische Revolution.

1987 wurde der Zeitnahme mit Computertechnik das Leben wesentlich erleichtert. (Archivfoto)

1987 wurde der Zeitnahme mit Computertechnik das Leben wesentlich erleichtert. (Archivfoto)

Foto: Jan Müller

Die Belastbarkeit der Frauen und Männer, die in den 1980-Jahren in der Zeitnahme beim Schleizer Dreieckrennen zum Einsatz kamen, war aufgrund permanent steigender Teilnehmerzahlen und zunehmender Geschwindigkeit an ihre Grenzen gestoßen. Eine Lösung für dieses Problem musste her.

Und die fand die Rennleitung in Person von Wolfgang Pohl. Bereits 1980 wurde der Elektroingenieur der Keramischen Werke in Hermsdorf um Unterstützung gebeten.

Erste technische Verbesserungen erwiesen sich in der Summe als nicht vollkommen. Wolfgang Pohl sah einen Ausweg nur in Form von Computertechnik. Da moderne Rechenmaschinen in der DDR als Mangelware bezeichnet werden konnten, bediente man sich anfänglich mit Leihgaben vom staatlichen Betrieb von Wolfgang Pohl.

Die Ingenieure Hartwig Eckner, Jürgen Nier, Werner Lüttich und Georg Heinl entwickelten akribisch eine passende Software. 1987 wurden beim Frühjahrstraining zwei Kleincomputer KC35/3 mit einem Robotron PC 1715, der 1986 mit einem stolzen Preis von 19.047 Mark gelistet war, gekoppelt und erstmals an der Rennstrecke installiert. Probleme blieben bei der Premiere nicht aus.

Computer ersetzen Mathelehrer

Nach einer intensiven Fehlersuche, die die Nerven aller Involvierten bis in die späten Abendstunden arg strapazieren sollte, funktionierte die elektronische Messtechnik am folgenden Tag nahezu reibungslos. Insofern stand auch einem Einsatz bei der 54. Auflage des Klassikers im Sommer nichts mehr im Wege.

Schon zehn Minuten nachdem der letzte Fahrer die Ziellinie überquert hatte, konnten die Ergebnislisten zum Aushang gebracht werden. Die Computer ersetzten fünf Mathelehrer, die die Rundenzeiten bislang im Kopf errechnet hatten.

Vorbild auch für Hockenheimring

Das Schleizer Zeitnahmesystem konnte unter der Federführung von Wolfgang Pohl eifrig weiterentwickelt werden. Das grafische Darstellen der Startaufstellung oder ein sofortiges Ausdrucken der Daten erleichterte die umfangreiche Arbeit.

Nach den politischen Korrekturen in der DDR, stieß die dann schon recht ausgereifte Anwendung auch auf das Interesse anderer Motorsportveranstalter. Das in Thüringen entwickelte Programm kam Anfang der 1990-Jahre bei Klassikveranstaltungen in Hockenheim und in Schotten oder bei diversen Moto-Cross-Rennen zum Einsatz.

Ein wesentlicher Vorteil der Software war der Fakt, dass diese ohne einen Transponder an den Wettbewerbsfahrzeugen auskam. Dies gestaltete die Zeitnahme unter den damaligen Umständen weitaus kostengünstiger.