12-jähriger Geraer Schachspieler über verbotene Stifte und Uhren

Gera  Nikita Schubert wird bei der U 12-Europameisterschaft mit Deutschland II Siebenter. Ab 18. August nimmt er an der Einzel-EM in Riga teil.

Der zwölfjährige Nikita Schubert belegt bei der U 12-Mannschaftseuropameisterschaft in Bad Blankenburg mit Deutschland II Platz sieben unter neun Teams.

Der zwölfjährige Nikita Schubert belegt bei der U 12-Mannschaftseuropameisterschaft in Bad Blankenburg mit Deutschland II Platz sieben unter neun Teams.

Foto: Jens Lohse

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Vor einer guten Woche ging in der Landessportschule in Bad Blankenburg die Mannschaftseuropameisterschaft der Altersklasse U 12 im Schach zu Ende. Vom ESV Gera saß der zwölfjährige Nikita Schubert an den Brettern. Mit dem ­deutschen Vizemeister dieses Jahres unterhielt sich unsere Zeitung nach seiner Rückkehr:

Platz sieben ist für Deutschland II unter neun Vertretungen am Ende herausgesprungen. Eigentlich hattet Ihr Euch mehr vorgenommen.

Das ist richtig. Leider konnten wir das Ziel Medaille nicht erreichen.

Woran lag es?

In fast jedem unserer verlorenen Spiele waren wir mit 1,5:2,5 unterlegen. Das heißt also, mit einem Remis mehr hätten wir unentschieden gespielt, mit einem Sieg mehr sogar ge­wonnen. Es ging also unwahrscheinlich eng zu. Für uns war viel mehr möglich. Deshalb ist Platz sieben schon etwas ärgerlich. Nur gegen Europameister Israel und die Türkei waren wir wirklich unterlegen. Ansonsten war auch viel Pech dabei.

Inwiefern Pech?

Naja, dass einer eine Gewinnchance übersehen hat oder in besserer Stellung keine Idee hatte, die dann zum Sieg hätte führen können.

Israel hat den Titel vor Frankreich und Weißrussland geholt. Genießt Schach in diesen Ländern einen anderen Stellenwert?

Nein, aber Israel hat es einfach taktisch sehr schlau gemacht. Die hatten ihre besten Spieler trotz niedrigerer Elo-Zahlen an Brett drei und vier sitzen. Die haben da fast alles gewonnen. Da brauchten die beiden anderen nur noch einen halben Punkt holen und schon war der Sieg in Sack und Tüten. Die Elo-Zahlen, die Auskunft über die Spielstärke jedes einzelnen Spielers geben, täuschen in diesem Altersbereich etwas über die wirkliche Spielstärke hinweg. Gerade bei den Israelis war das auffällig. Außerdem werden in den ­anderen Ländern von den Zwölfjährigen nicht so viele Turniere wie in Deutschland gespielt. Deshalb hinkt die Elo-Zahl international bei den meisten etwas nach.

Es war Deine erste internationale Meisterschaft, an der Du teilgenommen hast. Warst Du aufgeregter als sonst?

In der ersten Runde schon. Dann aber nicht mehr. Ich habe mir gesagt: Im Endeffekt ist es eine Schachpartie wie jede andere auch. Die Figuren sind die gleichen. Deshalb habe ich mich nur auf das Brett konzentriert. Natürlich waren die Begleitumstände anders als sonst. Alles war sehr streng. Sogar eigene Stifte waren verboten.

Warum das?

Man wollte verhindern, dass das Spiel durch mögliche Vibrationen am Stift beeinflusst wird. Dann hätten Außenstehende Züge ähnlich wie beim Morsealphabet ableiten können. Wahrscheinlich ist so etwas schon einmal vorgekommen. Deshalb wurden die Partien im Internet auch mit 15 Minuten Zeitverzögerung übertragen. Es waren auch keine Uhren erlaubt. Sogar das Wasser wurde zentral gestellt.

Dreimal hast Du gewonnen, fünfmal verloren. Wie zufrieden warst Du mit Deiner persönlichen Punkteausbeute?

Ich wollte mehr Punkte holen. Aber es war schon spannend zu sehen, wie die Schachspieler aus anderen Ländern auftreten. Ich habe wichtige Erfahrungen gesammelt und weiß jetzt, woran ich noch arbeiten muss.

Dabei war Dein Auftakt mit zwei Siegen nahezu perfekt.

Ja, aber im ersten Spiel haben wir gegen Deutschland III gewonnen. Das war praktisch die U 10 des Deutschen Schach-Bunds. Da fehlte es den zwei Jahren jüngeren Kontrahenten noch an Ausdauer. Gegen die internationalen Gegner war es sehr schwer, sich richtig vorzubereiten, weil es im Internet kaum Partien von denen gab.

Was hat Trainer Tom George zu Eurem Abschneiden gesagt?

Noch nichts. Die Auswertung muss erst noch erfolgen. Er hat gesagt, er braucht erst einmal ein bisschen Pause.

Was habt Ihr am Rande der Europameisterschaft erlebt?

Die Landessportschule hat gefühlt tausend Fußballplätze. Da waren wir meist mit dem Ball aktiv oder haben uns auf den Zimmern aufgehalten und uns auf die nächsten Gegner vorbereitet. Die Bedingungen waren top. Die Halle war klimatisiert, die Verpflegung toll. Nur das stille Wasser war nach der sechsten Runde ausgegangen. Die Vorräte konnte dann erst in der Schlussrunde wieder aufgefüllt werden.

Wer hat Dir am meisten die Daumen gedrückt?

Meine Eltern sicherlich. Sie ­haben auch die Live-Partien ­verfolgt und mitgefiebert. Jeden Tag habe ich mit ihnen telefoniert, wenn ich es nicht vergessen habe.

Wie sieht Dein weiterer Sommerferienverlauf aus?

Erstmals geht es zu meiner Oma. Da nehme ich den Laptop zum Schachspielen mit. Auch mit meinem Cousin will ich etwas Zeit verbringen. Vielleicht spiele ich noch ein Turnier. Und dann beginnt schon die ­Vorbereitung auf die Einzel-EM in Riga, die am 18. August ­beginnt.

Da bist Du ja jetzt schon ein alter Hase.

Wollen wir mal nicht über­treiben. Vermutlich bin ich nicht der einzige Deutsche bei der Europameisterschaft. Auf jeden Fall ist das Teilnehmerfeld ­größer als in Bad Blankenburg, weil mehr Nationen teilnehmen. Die Atmosphäre ist eine ganz andere. An jedem Tag wird nur eine Runde gespielt.

In Bad Blankenburg gab es auch zwei Doppelrunden. Dadurch kann man sich besser vorbereiten. Ich bin zuversichtlich und will so viele Punkte wie möglich holen.

Was am Ende herauskommt, wird man sehen.

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