Mitte März schienen die Thuringia Bulls ihrem ersten Triple seit 2019 unaufhaltsam entgegenzusteuern. Nach dem Sieg im deutschen Pokal hatten sie soeben mit CD Ilunion Madrid einen der Mitfavoriten auf den Champions Cup im Viertelfinalturnier mit 103:90 besiegt, ihre Offensive lief wie am Schnürchen. Auch der nächste deutsche Meistertitel war ungeschlagen auf den Weg gebracht.
Doch speziell in dem Spiel gegen Madrid reifte in Bulls-Teamgründer Lutz Leßmann ein Gedanke: „Was, wenn ein Spiel kommt, in dem wir nicht so hochprozentig unsere Würfe treffen? Gerade gegen ein Team wie Madrid, das uns mit seiner Größe und robusten Spielweise nicht unbedingt liegt.“
Etwa 50 Fans mit Leßmann beim Public Viewing in Elxleben
Am Samstagabend sah sich Leßmann in seiner Befürchtung bestätigt. Beim Public Viewing im Fit-In Elxleben – wegen gesundheitlicher Probleme war Leßmann zum ersten Mal nicht beim Final Four um den Champions Cup nicht vor Ort dabei – musste er mit etwa 50 Mitfiebernden mitansehen, wie seine Bulls ein Spiel, das auf des Messers Schneide stand, in der zweiten Hälfte Stück für Stück aus der Hand gaben. Nach dem 90:36-Kantersieg im Halbfinale gegen Cantù hatten sie im Finale gegen Gastgeber Madrid zur Halbzeit knapp geführt (42:39).
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„Dann hat Madrid Alex gedoppelt und wir hatten dadurch Probleme, unsere Würfe zu versenken. Und selbst hat der Gegner immer wieder Wege gefunden, zum Korb durchzukommen“, sah Leßmann seine Befürchtungen vom März bestätigt. Alex Halouski, der sich damals beim Sieg gegen Madrid an der Hand verletzt hatte, seitdem fehlte und rechtzeitig wieder fit geworden war, glänzte in der ersten Hälfte mit 14 Punkten. Danach kamen, durch Doppelbewachung gut aus dem Spiel genommen, nur noch vier dazu.
So stand am Ende eine 72:85-Finalpleite, welche die Siegesserie der Elxlebener Rollstuhlbasketballer nach 31 Spielen und ziemlich genau einem Jahr – die letzte Niederlage war das 50:86-Debakel im Spiel um Platz drei beim Champions Cup 2025, ebenfalls gegen Madrid – abrupt beendete. Wenn der Mannschaft, die Leßmann nach wie vor für besser hält als die vom letzten Triumph beim Kampf um Europas Krone 2019, eines fehle, dann sei es der Killerinstinkt. „Den hatten wir damals mit den zwei Amerikanern. Alex ist eher einer, der will, dass alle um ihn herum gut aussehen“, befand der Teammanager, der die Niederlage aus der Ferne leichter ertragen konnte, „weil man da die traurigen Gesichter nicht direkt vor sich hat.“
Schon am Samstag wartet das erste Bundesliga-Halbfinale in Hannover
Doch bei ihm wie auch bei Bulls-Coach André Bienek überwog am Tag nach der Finalpleite der Stolz. „Niederlagen gehören dazu. Madrid hatte die etwas bessere Tagesform, das muss man akzeptieren. Wir waren zum neunten Mal in Folge beim Final Four dabei, zum sechsten Mal im Finale. Diese Konstanz ist beeindruckend“, richtete Bienek den Blick trotz des verpassten dritten Champions-Cup-Finalsieges schon wieder nach vorne.
Schließlich bleiben den Bulls nur ein paar Tage Zeit bis zur nächsten Herausforderung. Am Samstag geht es zum ersten Halbfinalspiel der Bundesliga-Playoffs zu Hannover United. Als in der Hauptrunde unbesiegter Titelverteidiger sind die Thüringer der klare Favorit im Duell der europäischen Finalverlierer: Hannover hatte das Endspiel im Euro Cup 2 eine Woche vor dem Champions Cup verloren.




