Sportlerwahl im SHK: Heike Drechsler büffelt nun Finnisch

Eisenberg.  Heike Drechsler gab sich am Donnerstag im Kaisersaal im Landratsamt des SHK in Eisenberg bei der Sportlerwahl 2019 die Ehre

Sebastian Harz und Nadine Franke sind die Sportler des Jahres 2019 im Saale-Holzland-Kreis.

Sebastian Harz und Nadine Franke sind die Sportler des Jahres 2019 im Saale-Holzland-Kreis.

Foto: Marcus Schulze / OTZ

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Weitsprung – das kann doch jeder. Was für eine profane Disziplin. Moderator Maik Poser ließ alle Anwesenden am Donnerstagabend im Kaisersaal im Landratsamt in Eisenberg wissen, wie er während seiner Sturm-und-Drang-Zeit über so manch sportliches Betätigungsfeld die Nase rümpfte. Doch er wurde später eines Besseren belehrt. Und zwar beim Aufnahmetest für sein Lehramtsstudium der Sportwissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Da schaffte er mit Ach und Krach 4,61 Meter im Weitsprung – exakt einen Zentimeter mehr als nötig. Das Auditorium lachte.

Ja, Maik Poser, seines Zeichens Lehrer für Sport und Geschichte in Bad Köstritz, nutzte jene ganz persönliche Anekdote in Sachen Weitsprung geradezu nonchalant, um eine hiesige Ikone besagter Disziplin anzukündigen: Heike Drechsler. Die Olympiasiegerin, die 1992 in Barcelona und 2000 in Sydney triumphierte, war der quasi „Stargast“ bei der Auszeichnungs- und Dankeschönveranstaltung des Kreissportbundes „Saale-Holzland“ in eben Eisenberg. Und jeder Honorierte an jenem Abend wurde von der nunmehr 54-Jährigen persönlich beglückwünscht.

Doch es gab nur eine Person im altehrwürdigen Kaisersaal, die gleich zweimal mit der Olympiasiegerin für ein offizielles Foto posieren durfte: Lea Hohmann vom Reitverein Zöthen 1999. Die Elf-Jährige gewann den Publikumspreis sowie die Wahl zur Nachwuchssportlerin. Seit nunmehr drei Jahren ist Lea Hohmann ununterbrochene Thüringer Landesmeisterin in der U12, startet seit diesem Jahr eine Altersklasse höher im Vierkampf der U14 und hat sich für den Bundeswettkampf qualifiziert. Außerdem ist die Thüringer Landesmeisterin in der U14 in der Vielseitigkeit und gehört zum Thüringenkader. Seit vier Jahren widmet sich die kleine Camburgerin der Reit-Materie. Ihre Mutter, die ebenfalls eine Schwäche für Pferde hat, sensibilisierte sie einst für den Reitsport. Was denn das Besondere an ihrem Metier sei? „Es ist es einfach toll, wenn Mensch und Pferd etwas gemeinsam machen“, erläuterte Lea Hohmann. Rückblickend seien 2019 die drei Landesmeistertitel in Dressur, Reiten und Springen die schönsten Momente für sie gewesen. Der Vater von Lea Hohmann betonte indes, dass er seine Tochter einst für den Fußball begeistern wollte, mit diesem Vorhabe jedoch kolossal scheiterte. Papa Hohmann, der für Eintracht Camburg spielte, lachte herzlich, als er von seinem Scheitern berichtete. Dafür begleite er jetzt seine Tochter zu all ihren Wettkämpfen.

Über die Auszeichnung Sportlerin des Jahres im Saale-Holzland-Kreis durfte sich indes Nadine Franke vom Mühltallauf-Verein freuen. Die 41-Jährige, die in Jena lebt, gewann in diesem Jahr u. a. den Kernberglauf und den Sommernachtslauf in Jena. Außerdem triumphierte Franke, die in Hermsdorf das Licht der Welt erblickte, in ihrer Altersklasse beim Rennsteiglauf im Halbmarathon. Letzteres sei ihr sportlicher Höhepunkt in diesem Jahr gewesen, sagte sie und verriet zudem, dass sie gut 100 Kilometer in der Woche laufe.

Bei den Männern war es ebenfalls ein Läufer, der am Ende ganz oben stand: Sebastian Harz vom SV Hermsdorf. Für die Auszeichnung qualifizierten ihn u.a. seine beiden dritten Plätze bei den Europameisterschaften in Venedig. Harz, der ebenfalls in Jena lebt, konnte sich über vier Kilometer Cross und beim 5000-m-Lauf in der Ü35 die Bronzemedaille sichern. Die Teilnahme an den Europameisterschaften in der sagenumwobenen Lagunenstadt waren sein persönlicher Clou in Sachen Sport 2019, sagte Harz, der just am 5. Dezember seinen 4000. Lauf-Kilometer für dieses Kalenderjahr absolvierte. Als Harz besagte Zahl nannte, konnte man ein Raunen im Publikum vernehmen.

Doch es wurden am Donnerstag nicht nur aktive Sportler ausgezeichnet, sondern auch jene Persönlichkeiten, die sich eheramtlich dafür einsetzten, dass der Sport in den Vereinen des Saale-Holzland-Kreises generell ausgeübt werden kann. So wurde u.a. Kati Lange vom Täler SV Ottendorf als Trainerin des Jahres geehrt. 2013 kam sie über ihre Kinder zum Fußball, fand schnell gefallen an der Arbeit mit den kleinen Kickern und machte 2015 gar einen Trainerschein – und das, obwohl sie zuvor mit dem runden Leder nicht sonderlich viel anfangen konnte. Einen Ehrenpreis erhielt zudem der RSV Rederberch, deren Vertreter einen langen Atem bewiesen und den langen Marsch durch die Behörden nicht scheuten, um eine Mountainbike-Strecke im Mühltal zu errichten. Ein Unterfangen, das letztlich von Erfolg gekrönt war, wurde besagte Strecke doch im Frühjahr feierlich eröffnet.

Und Heike Drechsler? Die einstige Weltklasse-Athletin sagte, dass sie auch nach 27 Jahren Leistungssport die Leichtathletik immer noch lieben würde. Derzeit gebe es für sie jedoch Herausforderungen jenseits des Sports. So lerne sie gerade Finnisch und liebäugle mit dem Klavierspielen. Die sprachlichen Ambitionen sind in erster Linie von privater Natur, schließlich ist Drechsler seit 2016 mit dem finnischen Hürdenläufer Arto Bryggare liiert. Im Januar gaben sie sich schließlich das Ja-Wort.

Ach ja, Finnisch besitzt 15 Fälle. Allemal eine, wenn auch etwas anders geartete Herausforderung für die Olympiasiegerin.

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