Thüringer Sozialmanager warnt: Trägern fehlt Eigenanteil für Pflegebonus

Jena.  In der Corona-Krise sollen Beschäftigte im Pflegebereich 1500 Euro Bonus erhalten. Doch die Träger der Pflegeeinrichtungen kämpfen mit erheblichen Einnahmeausfällen.

Das AWO-Pflegeheim „Am Heiligenberg“ in Jena hat eine Besuchsmöglichkeit durch eine Glasscheibe im Untergeschoss geschaffen.

Das AWO-Pflegeheim „Am Heiligenberg“ in Jena hat eine Besuchsmöglichkeit durch eine Glasscheibe im Untergeschoss geschaffen.

Foto: Tino Zippel

Einen steuerfreien Bonus von 1500 Euro für Beschäftigte im Pflegebereich hat das Bundeskabinett angekündigt. Doch die Finanzierung ist nicht hinreichend gesichert, warnt der Vorstandsvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Mitte-West-Thüringen, Frank Albrecht. Er fürchtet, dass die Gegenfinanzierung letztlich an den pflegebedürftigen Menschen hängen bleibt. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Lob für den Bonus, Sorgen wegen Finanzierung

„Grundsätzlich ist dieser Bonus für alle im Pflegebereich Beschäftigten eine gute Sache“, sagt Albrecht im Gespräch mit unserer Zeitung. Jedoch müsse man auch bemerken, dass die besonders wichtige Frage, wer diesen Bonus finanziert, nur ungenügend bedacht wurde. Zwei Drittel sollen die Pflegekassen tragen, den Rest die Träger: „Der nun auf dem Tisch liegende Vorschlag des Bundeskabinetts kann so von sehr vielen Trägern von Pflegeeinrichtungen nicht finanziert werden.“

Albrecht begründet dies durch erhebliche Verluste in der Corona-Pandemie. So breche bei sehr vielen Trägern der Altenpflege ein erheblicher Teil der Einnahmen weg, etwa durch Aufnahmeverbote für stationäre Einrichtungen oder die Schließung von Tagespflegeangeboten. Hinzu kämen erhebliche Mehrkosten für Schutzausrüstung. „Genau bei den Trägern, wo zurzeit eine besonders harte Arbeit geleistet wird, fehlt also das Geld, um das notwendige Drittel aufzustocken“, sagt Albrecht.

Befürchtung: Bonus erhöht Eigenanteil für Pflegebedürftige

„Die Pflegenden leisten immer schon und jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie eine ganz besonders wichtige und harte Arbeit. Es ist uns wichtig, dass die Finanzierung der Prämie nicht den Eigenanteil der Pflegebedürftigen erhöht und dass das gesetzlich klargestellt werden muss“, sagt Albrecht. „Wir sehen immer noch, dass im Moment die Infektionszahlen in den Altenpflegeeinrichtungen teils deutlich ansteigen. Hier ist nicht mit einem schnellen Ende der Krise zu rechnen. Deshalb wäre gerade jetzt ein klares Signal wichtig, um die Beschäftigten für die kommenden Monate zu motivieren.“

Wichtiger sei aber, endlich klar über die Zukunft in der Pflege zu sprechen, mahnt Albrecht. Symbolpolitik und zu kurz Gegriffenes helfe hier nicht. „Wir erkennen jetzt sehr gut, wo wir für die Zukunft der Pflege handeln müssen“, sagt der AWO-Vorstandschef.

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