Ab Sonnabend gilt 8,50-Euro-Mindestlohn flächendeckend: Frisöre in Gera und Greiz gelassen

Gera/Greiz  Ab Sonnabend gilt der 8,50-Euro-Mindestlohn flächendeckend. So auch im Frisörhandwerk, das sich diesem Mindestsatz an Stundenlohn in drei Stufen angenähert hat.

Nicole Brückner vom Geraer Friseursalon Brückner schneidet Mike Benkenstein die Haare. Foto: Julia Schäfer

Foto: zgt

Der Anhebung des Mindestlohns im Frisörhandwerk auf 8,50 Euro sieht Geras Innungsmeister Jürgen Grieser mit gemischten Gefühlen entgegen: „Meine Befürchtung ist, dass ab August Stellen abgebaut werden und Lehrlinge nicht mehr übernommen werden.“ Für Genaueres sei es aber zu früh.

Für das Frisörhandwerk gab es eine Ausnahmeregelung: Statt 8,50 Euro in der Stunde galt in den neuen Bundesländern bislang ein Mindestlohn von 7,50 Euro. Ab 1. August ist diese Übergangsregelung allerdings Geschichte. „Für Ende des Jahres wird es knapp“, vermutet Grieser. „Viele Frisöre wissen gar nicht, was auf sie zukommt und warten einfach ab, was nach der Einführung des Mindestlohns passiert.“ Die Preise für Haarschnitt, Färben oder Föhnen seien zwar in den meisten Betrieben gestiegen – allerdings nicht in dem Umfang, in dem die Mindestlöhne seit August 2013 von 6,50 Euro auf 7,50 2014 und jetzt auf 8,50 Euro gestiegen seien.

Grieser vermutet, dass einige Läden Personal entlassen müssten und die Frisöre als Einmannbetriebe am Markt blieben. Sich selbst müssten die selbstständigen Frisöre schließlich keinen Mindestlohn zahlen.

Andere Frisöre, die weiterhin Mitarbeiter beschäftigten, würden wahrscheinlich ihren Mitarbeitern weniger Stunden bezahlen. Ob diese dann allerdings auch weniger Stunden arbeiteten, das sei Sache des Zolls, der das kontrollieren müsse. Er bedauert, dass nur wenige Frisöre das Angebot der Innung angenommen hätten und sich in Sachen Mindestlohn weiterbilden ließen.

Für ihn selbst ist der Mindestlohn kein Thema. In seinen Salons Haarkunst GmbH aus Steinberg im Vogtland, zahle er den Mitarbeitern schon lange mehr als den Mindestlohn.

Auch Nicole Brückner vom Salon Brückner in Gera zahlt ihren Mitarbeitern schon jetzt mehr als 8,50 Euro pro Stunde. „Wir haben das wie viele andere Betriebe schon im Vorfeld durch Preiserhöhungen aufgefangen“, sagte sie. „Wir mussten allerdings nicht so viel erhöhen, weil wir vorher schon ordentliche Preise hatten.“ Sie habe einen festen Kundenstamm und auch das Personal wechsle selten und bilde sich ständig weiter. Deshalb hatte sie nie Angst, dass der Mindestlohn Einbußen mit sich bringe oder sie Personal entlassen müsse. „Dort, wo sich der Kunde wohlfühlt, geht er wieder hin. Das ist unser großes Pfund.“

Der 1. August bereitet Carmen Henrich keine Sorgen. Die Inhaberin des Zeulenrodaer „Salons Carmen“ zahlt ihren vier Mitarbeiterinnen schon seit Juni den Mindestlohn. Die damit gestiegenen Kosten hat sie bereits im Vorfeld mit Preiserhöhungen aufgefangen. „Manche ziehen ihren nächsten Frisörtermin etwas weiter hinaus, aber die meisten Kunden haben Verständnis dafür“, sagt Henrich, die zum Glück keine Einschränkungen beim Personal machen musste.

Ähnlich sieht es Kristin Haupt. Sie ist die Inhaberin des Friseurateliers in Greiz. Die Umstellung auf den Mindestlohn sei schon längst geregelt. Damit habe sie sich schon im Januar auseinandergesetzt. „Die Anhebung des Mindestlohns hat mich persönlich nicht betroffen“, sagt Haupt. Sie habe auch zuvor schon mehr als 8,50 Euro gezahlt. Die Arbeit ihrer Mitarbeiter werde mit 9 Euro pro Stunde entlohnt. „Ich finde das auch in Ordnung, weil so das Preisdumping aufhört“, ist sie der Meinung. Der Markt relativiere sich: „Das ist eine Marktbereinigung, die dringend nötig war.“ Obwohl sie ja keine Wahl gehabt hätte, trage sie die Anhebung des Mindestlohns mit. In und um Gera gibt es nach Schätzungen der Innung rund 170 Friseurbetriebe, im übrigen Landkreis Greiz und dem Altkreis Schleiz sind es rund 180.

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