Jena. Wissenschaftler aus Jena haben die Thüringer Wirtschaft befragt: Das Ergebnis ist negativ – mit einer großen Ausnahme.

Die Geschäfte in der Thüringer Industrie, im Handwerk und in der Bauwirtschaft laufen schlecht. Bis in den Herbst sei kein neuer Schwung erkennbar, schätzt das Zentrum Digitale Transformation Thüringen (ZeTT) von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Ernst-Abbe-Hochschule Jena ein.

'Thüringen - Der Tag' - Post von Jan Hollitzer

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Die Grundlage für die Studie ist die Befragung von 499 Unternehmensleitungen in Thüringen, die im Juli erfolgt ist. „Die Wirtschaft leidet unter gestiegenen Energiepreisen, anhaltender Inflation und Unsicherheiten aufgrund internationaler Konflikte“, sagt Thomas Engel von der Forschungsgruppe ZeTT-Radar. Das Team erstellt vierteljährlich ein Stimmungsbild der Thüringer Wirtschaft. Saisonuntypisch – so der aktuelle Befund – zeigen sich die Quartalszahlen für die meisten Branchen bis September schwach. Das verarbeitende Gewerbe etwa fällt bei den Indexwerten deutlich in den Negativbereich.

Digitalwirtschaft als Ausnahme

Als Lichtblick erweist sich die Digitalwirtschaft, deren Geschäftsführungen für das dritte Quartal vergleichsweise optimistisch bleiben. Da die Digitalwirtschaft beschäftigungspolitisch jedoch kaum ins Gewicht falle, bleibe der Gesamttrend negativ. Insgesamt kommen laut Engel Stagnation und erwartete Rezession Deutschlands nun auch in Thüringen an.

Thomas Engel ist Geschäftsführer im Zukunftszentrum „Digitale Transformation Thüringen“ in Jena.
Thomas Engel ist Geschäftsführer im Zukunftszentrum „Digitale Transformation Thüringen“ in Jena. © Tino Zippel

In allen Branchen sinken aktuell die betrieblichen Investitionen. „Dauerhaft zurückhaltende Investitionen wirken sich auf die Beschäftigung negativ aus, erste Signale erhalten wir bereits aus den Arbeitsagenturen“, sagt Engel. Der ZeTT-Radar zeige, dass vorrangig in der Industrie und der Bauwirtschaft weniger Aufträge einen Personalabbau befördern.

Unterschiede in den Digitalisierungstrends

Ausnahmen sind die Dienstleistungswirtschaft und stärker noch die Digitalwirtschaft, wo nach einem zweiten Quartal mit hoher Auslastung ein gutes drittes Quartal erwartet wird. Unterschiede finden sich auch bei den Digitalisierungstrends. Während die Bauwirtschaft Ausgaben für digitale Services und Produkte senkt, investieren Industrie, Dienstleister und Digitalwirtschaft weiter.

Die Ergebnisse der Quartalsumfrage werden in den ZeTT-Radar-Trends als interaktive Grafiken auf der Internetseite des Zentrums bereitgestellt.

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