Es ist ein unverdächtiger Satz im Prüfauftrag an die Rentenkommission der Bundesregierung. Die Experten sollen „die Einbeziehung weiterer Gruppen in die gesetzliche Rentenversicherung“ prüfen. Darin steckt eine Menge Sprengstoff. Denn gemeint sind damit wohl vor allem die Beamten. Seitdem Österreich vielen Bürgern hierzulande als Vorbild in der Rentenpolitik gilt, wird die üppige Versorgung der Staatsdiener verstärkt infragegestellt. Im Nachbarland zahlen Beamte wie andere Arbeitnehmer auch Rentenbeiträge. Das Fazit: Die Renten in Österreich sind deutlich höher als in Deutschland.

Hierzulande empfinden viele gesetzlich Rentenversicherte die weit auseinander klaffenden Bezüge im Alter als ungerecht. Durchschnittlich kann ein pensionierter Beamter 2025 mit einem Ruhegeld in Höhe von brutto 3416 Euro rechnen. Laut Statistischem Bundesamt zahlten Bund, Länder und Gemeinden 2024 fast 57 Milliarden Euro für die Ruhegelder von 1,42 Millionen Pensionären. Dazu kamen noch neun Milliarden Euro für die Versorgung von Hinterbliebenen. 

Ein Professor spricht zu Studenten
Sollen Beamte künftig anstatt Pension Rente beziehen? Die Bundesarbeitsministerin kann sich das vorstellen.© iStock | skynesher

Rente oder Pension? Das sind die Pläne der Arbeitsministerin

Dagegen wirkt der durchschnittliche Zahlbetrag der gesetzlichen Rente mit rund 1100 Euro ärmlich. Selbst der statistische Durchschnittsrentner mit 45 Beitragsjahren und Durchschnittsgehalt kommt mit 1835 Euro bei weitem nicht an das Versorgungsniveau der Beamten heran. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) will Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung integrieren. Davon erhofft sie sich mehr Beitragszahler und damit stabilere Rentenfinanzen. Für die Betroffenen wäre dies ein Schlag ins Kontor, würden ihre Versorgungsansprüche sich dann doch an das Niveau der gesetzlichen Rente anpassen.

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Der Deutsche Beamtenbund (dbb) lehnt Bas‘ Vorschlag rundweg ab. „Beamtinnen und Beamte gehen ein besonderes Dienst- und Treueverhältnis mit dem Staat ein“, argumentiert die Gewerkschaft. „Im Gegenzug verpflichtet sich der Staat zur lebenslangen Alimentation“. Diesem Prinzip folge auch die Altersversorgung. Laut dbb resultieren die großen Unterschiede zwischen Renten und Pensionen auch aus statistischen Effekten. Die Beamten seien in der Regel hoch qualifiziert. In die Durchschnittsrente fließen dagegen auch die Altersbezüge von Geringverdienern oder Teilzeitbeschäftigten ein, ebenso die Ansprüche von Versicherten mit längerer Arbeitslosigkeit. 

Pension: Warum Beamte nicht einfach in die Rentenversicherung wechseln können

Und so einfach, wie der Vorschlag der Bundesarbeitsministerin vielleicht zuerst erscheint, wäre die Umsetzung allerdings nicht. Denn die bereits bestehenden Versorgungsansprüche der aktuellen Beamten können nicht über Nacht verändert werden. Die Einbeziehung in die gesetzliche Rente ist nur für neue Beamte eine Option. Doch so weit wird es aus mehreren Gründen kaum kommen. Nach Ansicht des Ökonomen Martin Beznoska vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) wäre das keine Lösung der grundsätzlichen Probleme im Rentensystem. „Zwar fließen kurzfristig mehr Beiträge in das System“, sagt er. „Langfristig steigen aber auch die Ausgaben – denn auch die künftigen Beamtenrenten müssten aus dem Umlagesystem gezahlt werden.“

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Und noch ein weiteres Problem kommt hinzu. Die meisten Beamten arbeiten bei den Ländern oder den Kommunen. Würden sie wie Angestellte rentenversichert, müssten die Arbeitgeber auch Beiträge für sie zahlen. Das tun sie derzeit nicht. Der Wirtschaftsweise Martin Werding verweist zudem auf die längere Lebenserwartung der Beamten. „Streng genommen würde es die Rentenkasse sogar belasten, sie ins System zu holen“, urteilt der Ökonom.

Experte: Rentenversicherung steht vor großen Herausforderungen

Die wachsenden Versorgungsansprüche könnten für die öffentlichen Haushalte zu einem großen Problem werden. Das Hallenser Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) sieht jedoch keine Überforderung voraus. Danach steigen die Versorgungsausgaben zwar weiter an – je nach Szenario um 20 bis 100 Prozent bis zum Jahr 2080. Doch das Verhältnis zur Entwicklung der Steuereinnahmen bleibe relativ stabil, urteilen die Forscher. „Die gesetzliche Rentenversicherung steht aufgrund des demografischen Wandels vor deutlich größeren Herausforderungen als die Gebietskörperschaften infolge der Pensionslasten“, folgert das IWH.

Dbb-Chef Volker Geyer weist die Schuld für mögliche Finanzierungsprobleme den Ländern zu. Der Bund habe hier seine Hausaufgaben gemacht. „Etliche Länder dagegen haben keine Fonds eingerichtet oder diese sogar wegen kurzfristiger Haushaltsprobleme zwischenzeitlich wieder aufgelöst“, sagt Geyer. „Das ist verantwortungslos“. 

Rente vs. Pension: Was Experten jetzt vorschlagen

Trotzdem: Auch Ökonomen sehen den Reformbedarf. „Die Anzahl von Verbeamtungen sollte reduziert werden“, schlägt IW-Forscher Beznoska vor. Auch das Verschieben des Pensionsalters für die bestehenden Beamten und die Neubemessung der Pensionshöhe könnten Teil einer Reform sein. Auch für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung kann Österreich als Vorbild dienen. Dort sei die Zahl der hoheitlichen Tätigkeiten reduziert und das Pensionssystem an das Rentensystem angeglichen worden. „Langfristig würden dann Beamte und Angestellte ähnliche Versorgungsansprüche haben, was dann aber eine Verschlechterung für viele Beamte bedeuten würde“, stellt das DIW fest.

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Seit Januar berät ein 13‑köpfiges Gremium, die Rentenkommission, im Auftrag der Bundesregierung über mögliche Rentenreformen. Bis Ende Juni soll sie ein Ergebnis für die langfristige Stabilisierung der Rentenfinanzen vorlegen. Daraus will die Koalition dann eine große Rentenreform entwickeln.