Corona-Krise: Viele kleine Firmen in Thüringen in Existenznot

Erfurt.  Thüringer Unternehmer suchen jetzt Auskünfte. 3000 Firmen haben bereits Kurzarbeitergeld beantragt.

„Aus“ steht in einem Schaufenster eines geschlossenen Geschäfts hinter einem heruntergelassenen Gitter. Derzeit bleiben wegen der Coronakrise viele Geschäfte  wie Friseursalons und Kosmetikstudios geschlossen. Für viele Inhaber bedeutet das den Wegfall ihrer Existenzgrundlage.

„Aus“ steht in einem Schaufenster eines geschlossenen Geschäfts hinter einem heruntergelassenen Gitter. Derzeit bleiben wegen der Coronakrise viele Geschäfte wie Friseursalons und Kosmetikstudios geschlossen. Für viele Inhaber bedeutet das den Wegfall ihrer Existenzgrundlage.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus hat Thüringen die Einschränkungen im öffentlichen Leben seit Freitag erneut ausgeweitet. Jetzt bleiben die Türen vieler Geschäfte von Friseursalons und Kosmetikstudios für die Kunden geschlossen. Für deren Inhaber und Betreiber bedeutet das einen kompletten Wegfall aller Einnahmen und damit letztlich der Geschäftsgrundlage. Die Fixkosten dagegen laufen weiter. Fast 3000 Unternehmen haben in dieser Woche Kurzarbeit angezeigt – im gesamten vergangenen Jahr waren es nach Angaben der Landesarbeitsagentur 650. Es ist eine Zeit, die Selbstständigen schlaflose Nächte bereitet, wie uns ein Firmeninhaber mit sechs Angestellten aus Erfurt bestätigt. Er sitze seit drei Tagen nur noch im Büro um nach Ansprechpartnern und möglichen finanziellen Hilfen zu recherchieren. Wenn die nicht schnell kommen, droht dem Unternehmen das Aus. Doch viele Frage sind offen. Wir haben einige davon aufgegriffen. „Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog“

Wo finden Thüringer Unternehmer in dieser Krise die notwendigen Informationen?

Leider fehlt es nach den Erfahrungen des Unternehmers an einer Website, auf der die Hinweise für die Firmenchefs gebündelt werden. Er habe teilweise bis zu dreizehn verschiedene Internetseiten öffnen und ansehen müssen, um Ansprechpartner für die verschiedenen Themen zu finden. Dazu fehle den Chefs der kleinen Firmen aber die Zeit und die Erfahrung. Man habe im Kleinstunternehmen – zu denen alle Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten zählen – keine eigene Abteilung, die sich mit Anträgen und Formularen beschäftigen könne.

Wann kommt das Soforthilfeprogramm des Landes für kleine Firmen?
Es wurde laut Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) am Freitag vom Kabinett beschlossen. Der Antrag soll auf zwei Seiten beschränkt werden und ab Montag auf der Internetseite der Thüringer Aufbaubank online abrufbar sein.


Wo können Unternehmer mehr Informationen bekommen?
Die Thüringer Aufbaubank weitet ihre telefonischen Sprechzeiten auf Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr und Samstag 8 bis 13 Uhr aus. Die kostenlose Hotline hat die Nummer 0800 5345676.

Wie lange halten die Firmen ohne Einnahmen durch?

Das sei abhängig von den eigenen Rücklagen, so der Unternehmer. Viele kleine Betriebe hätten keine Mittel zurücklegen können, sie stünden unmittelbar vor dem Aus. Andere schaffen es, vielleicht einen Monat zu überstehen. Deshalb müssten die vom Wirtschaftsministerium angekündigten Zuschüsse jetzt sofort ausgezahlt werden. Nur wenn er binnen der nächsten zehn Tage die Gelder bekomme, könne er die zum Monatswechsel anstehenden Zahlungen für Miete, Strom oder Löhne zahlen. Noch sei aber unklar, wo und wie man die Mittel beantragen kann.

Ist es sinnvoll, die von Vermietern eventuell angebotene Stundung der Mieten zu nutzen?

Das könnte zum Problem werden, denn nach dem Infektionsschutzgesetz werden den Unternehmern nur Gelder ersetzt, die sie auch tatsächlich gezahlt haben.

Wie kann man die Entlassung von Mitarbeitern vermeiden?

Genau dieser Stellenabbau soll nach dem Willen der Politiker in Bund und Land unbedingt verhindert werden. Man müsse die Fachkräfte in den Firmen halten, damit ein schneller Neustart der Wirtschaft nach der Krise gelingen kann. Dazu verweist die Politik auf die Arbeitsagenturen und die Möglichkeit der Kurzarbeit. Er habe allerdings erst aus der Zeitung erfahren, dass man das zunächst bei der zuständigen Agentur anmelden und erst nach deren Zustimmung beantragen kann, berichtet der Unternehmer. Die notwendigen Anträge findet man im Internet, sie können Online, per E-Mail oder auch per Briefpost eingereicht werden. Alle diese Zugangswege stünden offen. Dagegen sind die Agenturen aus Sicherheitsgründen für persönliche Vorsprachen geschlossen worden. Unmittelbar danach, war auch hier die zentrale Servicehotline komplett überlastet. Inzwischen hat man laut der Sprecherin der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen der Bundesarbeitsagentur, Diana Smikalla, regionale Hotlines eingerichtet.

Sie sind beispielsweise unter folgenden Rufnummern erreichbar: 0361/30 21 190, 03644/53 11 90, 03628/61 05 190, 07677/64 41 190, 03643/45 11 090, 03634/31 42 191, 03641/379999oder 0361/3021612.

Löst das Kurzarbeitergeld die finanziellen Engpässe der Unter-nehmer?

Zunächst erst einmal nicht, denn der Firmeninhaber muss die Zahlungen an seine Beschäftigten aus eigener Tasche leisten, bekommt sie erst später von der Arbeitsagentur erstattet. Deshalb sind die angekündigten Soforthilfen des Landes auch zwingend notwendig, um dieses Instrument nutzen zu können.

Gibt es für Selbstständige einen Anspruch auf eine Entschädigung für die ausbleibenden Einnahmen durch die angeordnete Schließung des Betriebes?

Ja, laut dem Infektionsschutzgesetz kann auf Antrag und nach Prüfung der Voraussetzungen eine Entschädigung gezahlt werden, wenn Selbstständige einem Verbot in der Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit unterliegen und sie dadurch einen Verdienstausfall erleiden. Dazu sind neben dem formlosen Antrag mit Angabe der Bankverbindung auch Unterlagen wie eine Bescheinigung des Finanzamtes über das Jahreseinkommen, eine Kopie des behördlichen angeordneten Tätigkeitsverbots oder eine Aufstellung nicht gedeckter Betriebsausgaben sowie deren Zahlungsnachweise notwendig. Auskünfte dazu erteilt das Thüringer Landesverwaltungsamt unter der Rufnummer: 0361/573 321 317.

Können auch für die Arbeitnehmer Entschädigungen beantragt werden?

Ja, ein Antrag ist mit einer Frist von drei Monaten beim Landesverwaltungsamt zu stellen, wenn Arbeitnehmer einem Verbot in der Ausübung ihrer bisherigen Erwerbstätigkeit unterliegen und sie dadurch einen Verdienstausfall erleiden. Dann hat allerdings erneut zunächst der Arbeitgeber diese Entschädigung für die Dauer von längstens sechs Wochen auszuzahlen. Das Geld kann auf Antrag und nach Prüfung erstattet werden. Über die notwendigen Unterlagen informieren auch die Handwerkskammern oder die Industrie- und Handelskammern. Der Antrag mit den Unterlagen ist zu richten an: Thüringer Landesverwaltungsamt, Referat 550- Gesundheitswesen, Jorge-Semprun-Platz 4, 99423 Weimar.

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