Demo in Erfurt: Bauern machen Druck auf Thüringer Landespolitik

Erfurt.  Thüringer Landwirte haben mit 350 Traktoren vor dem Erfurter Landtag demonstriert. Sie fordern einen Dialog mit der Politik auf Augenhöhe.

Traktoren so weit das Auge reicht - vor dem Thüringer Landtag.

Traktoren so weit das Auge reicht - vor dem Thüringer Landtag.

Foto: Foto: Sascha Fromm

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Nichts geht mehr, hieß es am Mittwoch bereits kurz nach elf Uhr rund um den Thüringer Landtag in Erfurt: Landwirte aus dem gesamten Freistaat waren mit ihren Traktoren zur Demonstration gekommen.

Schon eine Stunde vor dem offiziell geplanten Beginn der Kundgebung schickten Polizeibeamte ankommende Traktorenfahrer zu Ausweichplätzen - etwa an der Thüringenhalle - weil am Landtag alle Stellflächen bereits zugeparkt waren. Dicht an dicht standen die großen Gefährte ordentlich aufgereiht.

Behinderungen für Autofahrer

Rund 350 Traktoren waren zuvor aus allen Himmelsrichtungen durch die Stadt zur Demo gefahren. Behinderungen für die anderen Autofahrer waren unumgänglich. Mit lautem Hupkonzert rollten die Trecker durch die Arnstädter Straße.

„Das war schon ein beeindruckendes Bild, wie ihr hier vorgefahren seid“, bescheinigte der Südthüringer Landwirt Johannes Schmidt den Demonstranten. Er gehörte zu den Mitorganisatoren von „Land schafft Verbindungen“. Gemeinsam mit dem Thüringer Bauernverband habe man die Landwirte zusammengerufen, um den neuen Mitgliedern des Agrarausschusses im Thüringer Landtag gleich am ersten Arbeitstag klar zu machen, wie ernst die Lage der Bauern ist, so Schmidt.

„Wir wollen mit den Politikern ins Gespräch kommen“, erläuterte der Präsident des Thüringer Bauernverbandes, Klaus Wagner, ein Anliegen der Kundgebung. Momentan zahlten Verbraucher für einen Liter Milch im Supermarkt durchschnittlich 73 Cent. Davon kämen allerdings nur 32,5 Cent bei den Landwirten an, kritisierte Wagner.

Öko-Landbau macht fünf Prozent der Landwirtschaft im Freistaat aus

„In der biologischen Landwirtschaft lassen sich etwas höhere Erlöse erzielen“, räumte der Bauernverbandschef ein. Allerdings mache der Öko-Landbau gerade einmal fünf Prozent der Landwirtschaft in Thüringen aus. „In dieser Nische ist kein Platz für uns alle“, sagt Wagner.

In Zeiten, in denen noch keine Düngung und kein Pflanzenschutz erfolgte, habe ein Landwirt zehn Menschen ernährt. Heute ernähre ein Landwirt dagegen 140 Menschen, sagte Wagner. Das gehöre zur Wahrheit dazu. Dabei mache eine regelrechte Auflagenflut den Landwirten das Leben und Arbeiten immer schwerer. Deshalb suche man das Gespräch mit der Politik. Wir kommen aber nur mit Politikern zusammen, die „uns auch zuhören“, erklärte Wagner.

Er danke allen Landwirten, die zur Demo gekommen sind, sagte der amtierende Agrarminister Benjamin Immanuel-Hoff (Linke). „Sie haben sicherlich besseres zu tun, als mit ihren Traktoren nach Berlin oder Erfurt zu fahren“, so Hoff.

„Sie fordern für ihre gute Arbeit auch faire Preise, dieses Signal ist angekommen“, versicherte Hoff. Die Kritik an der neuen Düngeverordnung könne er nachvollziehen. Das komme bei den Landwirten so an, als bekämen sie noch etwas obendrauf. Er biete Diskussionen über alle Probleme an, auch in den Dorfkneipen, die man gemeinsam erhalten wolle. Landesregierung und Bauern würden ein gemeinsames Interesse an der Entwicklung der ländlichen Räume in Thüringen haben.

Mit der Fahrt von 350 Treckern nach Erfurt haben die Bauern ein „starkes Zeichen“ an den Agrarausschuss des Landtages gesandt, bestätigte die amtierende Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) den Demonstranten. Die Landwirte stünden ja nicht zum ersten Mal auf den Straßen und würden auf Hilfe drängen. Es bringe nichts, gegenseitig Beton anzurühren, forderte Siegesmund zum Dialog auf.

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