Pleite

Condor kämpft ums Überleben und erhält Staatskredit

Berlin.  Condor und die deutsche Thomas-Cook-Tochter suchen Geld. Die Bundesregierung hat bereits finanzielle Hilfen für die Airline zugesagt.

Condor erhält staatlichen Überbrückungskredit

Der Ferienflieger Condor soll Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zufolge mit einem Massekredit in Höhe von 380 Millionen Euro gerettet werden.

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Der Staat will dem Ferienflieger Condor nach der Insolvenz der Muttergesellschaft Thomas Cook mit einem Überbrückungskredit helfen. Diese Grundsatzentscheidung haben die zuständigen Ministerien getroffen.

Der Bund und das Land Hessen hatten am Dienstagabend angekündigt, der Fluggesellschaft mit einem Kredit in Höhe von insgesamt 380 Millionen Euro zur Seite zu springen – und damit mit dem Geld der Steuerzahler.Condor ist nicht nur eine traditionsreiche Fluggesellschaft, sondern gilt zudem als profitabel. Entsprechend versucht die Geschäftsführung, eine Insolvenz der deutschen Tochter von Thomas Cook als Folge der Pleite des britischen Mutterkonzerns zu verhindern.

Auch die deutsche Thomas Cook mit den Marken Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen spricht derzeit mit „möglichen Kapitalgebern“, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, sagte die Vorsitzende der Geschäftsführung der Thomas Cook GmbH, Stefanie Berk, am Dienstag.

Überbrückungskredit für Condor: Airline fliegt weiter

Wären die Verhandlungen mit der Bundesregierung gescheitertet, wäre man gezwungen gewesen, für die Thomas Cook GmbH, Thomas Cook Touristik GmbH, die Bucher Reisen & Öger Tours GmbH und möglicherweise auch weitere Gesellschaften einen Insolvenzantrag zu stellen, sagte Berk noch vor der positiven Nachricht über den Kredit. Der Flugbetrieb bei Condor geht also weiter.

Analyst: Easyjet und Ryanair könnten Interesse an Condor haben

Unterdessen wird an den Märkten über den möglichen Ausverkauf bei Thomas Cook spekuliert. Es gebe ein hohes Interesse auch bei Finanzinvestoren, sagte ein Condor-Sprecher. „Thomas Cook wird voraussichtlich nicht als kompletter Konzern verkauft, sondern in Einzelteilen“, meint Wolfgang Donie, Aktienanalyst der Nord/LB, unserer Redaktion. So sei es vorstellbar, dass die beiden Billigfluggesellschaften Easyjet und Ryanair an Condor Interesse zeigen könnten. Für Easyjet käme auch „die ein oder andere Veranstaltermarke“ infrage.

Lufthansa hatte im Mai ein unverbindliches Kaufinteresse an den Thomas-Cook-Fluglinien bekundet. Doch dieses Angebot gilt nicht mehr. Mittlerweile dürfte sich Lufthansa nur noch für Condor interessieren, insbesondere für die Langstrecken, meint Donie.

Wettbewerber hoffen auf eine Marktbereinigung im europäischen Flugverkehr

„TUI und Rewe könnten an der Thomas Cook Deutschland GmbH mit den Marken Neckermann, Bucher und Öger interessiert sein“, sagt der der Portfoliomanager Michael Gierse von Union Investment. Eine Übernahme von Condor durch TUIFly sei eher unwahrscheinlich. „TUI hat immer gesagt, dass sie nicht mehr in Flugzeuge investieren wollen. Außerdem haben sie für die Langstrecke die Boeing 787, ein fantastisches Flugzeug, das der Boeing 767/757 der Condor weit überlegen ist“, so Gierse. Condor besitze zudem nur ältere Flugzeuge, die für einen Käufer nicht attraktiv seien.

Insgesamt hoffen Wettbewerber und Aktionäre seit langem auf eine Marktbereinigung. Denn im europäischen Flugverkehr herrschen Überkapazitäten. Diese haben auch zu dem teilweise ruinösen Preiskampf in der Airline-Branche geführt, der zu deutlichen Gewinnrückgängen bei vielen Luftfahrtunternehmen gesorgt hat. Die Pleite von Thomas Cook trifft auch viele Tochterunternehmen.

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