Extrem leise und beschleunigt wie eine Rakete: Die Zukunft der Saalebahn

Morderne Triebwagen "Talent 2" im Praxistest: Ein Eichichter Bahnmitarbeiter hat die Zukunft der Saalebahn an seinem Arbeitsplatz in Nürnberg jeden Tag vor Augen. 21 nagelneue Triebwagen von Bombardier werden künftig zwischen Jena und der fränkischen Metropole verkehren.

Bombardier-Triebwagen "Talent 2" im Einsatz als S-Bahn auf dem Nürnberger Hauptbahnhof. Foto: Stephan Fantner

Bombardier-Triebwagen "Talent 2" im Einsatz als S-Bahn auf dem Nürnberger Hauptbahnhof. Foto: Stephan Fantner

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Nürnberg/Eichicht. Stephan Fantner hat die Zukunft jeden Tag vor Augen. Wenn der 49-Jährige auf seinem beschwerlichen Arbeitsweg von Eichicht über Saalfeld nach Nürnberg aus dem ICE steigt und in Deutschlands modernstem Regiowerk den Blaumann überstreift, hat er immer häufiger mit dem zu tun, was nach dem ICE auf der Saalebahn kommen wird. "Talent 2" heißen die hochmodernen Triebwagen, die spätestens ab dem nächsten Fahrplanwechsel im Dezember durchgängig zwischen Jena und Nürnberg verkehren sollen. Ab 2017, wenn der ICE seinen Weg über Erfurt nimmt, werden sie das Bild im Saaletal prägen.

"Die Auslieferung ist im vollen Gang", sagt der Eichichter, der bis 2001 als Elektromonteur für Lokomotiven in Saalfeld arbeitete, danach fünf Jahre in Baden-Württemberg und seit 2007 bei der DB Regio in Nürnberg tätig ist. 63 Einheiten des "Talent 2" hat die fränkische Bahn-Tochter bestellt, 42 für den S-Bahn-Verkehr in und um Nürnberg, der Rest fürs E-Netz Franken, das schon jetzt die Relation Jena-Nürnberg bedient.

Weil es Probleme mit der Auslieferung gab, ist bei den im Zwei-Stunden-Takt verkehrenden Zügen bisher ein Umstieg in Lichtenfels notwendig. Auf bayerischer Seite fährt man im Doppelstockzug, in Richtung Norden in Dieseltriebwagen mit Neigetechnik. Die schaffen es schon heute in 32 Minuten von Saalfeld nach Jena, womit man nur unwesentlich langsamer ist als im ICE. Das wird sich mit "Talent 2" kaum ändern.

"Die Züge sind extrem leise und beschleunigen wie eine Rakete", schwärmt Fantner von den neuen Triebwagen, die probeweise auch schon in Thüringen unterwegs waren. Auf Neigetechnik, die so manchem Zeitgenossen Unwohlsein bescherte, hat der Hersteller verzichtet. Die Züge setzen nach Angaben von Bombardier "neue Maßstäbe im Hinblick auf Ausstattung und Komfort". Der helle, transparente Fahrgastraum mit großen Fenstern, großzügigen Gepäckablagen und 221 Sitzplätzen schaffe ein entspanntes Fahrgefühl. Zur Sicherheit der Fahrgäste wird der Innenraum vollständig videoüberwacht.

Die Züge verfügen über ein behindertengerechtes WC, niveaugleiche Schiebetritte und rollstuhlgerechte Einstiege in den Endwagen. Die Beschriftungen an allen Bedienelementen sind ertastbar, in den Türen ist ein akustisches Türfindesignal eingebaut. Im Mehrzweckraum gibt es Platz für Gepäck und Fahrräder, die Fahrgastinfo ist auf dem neuesten Stand.

"Ich gehe davon aus, dass auf der Strecke Nürnberg – Jena nach dem Wegfall der ICE Drei- bis Fünfteiler zum Einsatz kommen", sagt der Pendler. Auf immerhin 160 km/h kann "Talent 2" beschleunigen.

Bei allen Problemen, die es in der Anlaufphase gab, ist Stephan Fantner optimistisch, dass die neuen Züge zumindest zwischen den Universitätsstädten Jena und Nürnberg zuverlässig ihren Dienst erfüllen und vielleicht den ICE ein Stück weit vergessen lassen, auch wenn Berlin und München zeitlich etwas weiter wegrücken. "Es sind auch Thüringer mit am Werk, die dafür sorgen, dass es läuft", sagt Fantner selbstbewusst.