Jungfernfahrt der Elster-Saale-Bahn von Leipzig nach Gera

Am Sonntag um 0 Uhr startete der erste Zug der Elster-Saale-Bahn von Leipzig nach Gera. Freud und Leid liegen eng beieinander nach dem Betreiberwechsel im Ostthüringer Dieselnetz. Während die Erfurter Bahn 170 neue Mitarbeiter begrüßt, muss DB Regio seine Kräfte versetzen.

Die erste Fahrt der Elster-Saale-Bahn startet am Hauptbahnhof Leipzig mit einem Regioshuttle RS1 der Erfurter Bahn.   Foto: Tino Zippel

Die erste Fahrt der Elster-Saale-Bahn startet am Hauptbahnhof Leipzig mit einem Regioshuttle RS1 der Erfurter Bahn. Foto: Tino Zippel

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Leipzig/Gera. "Zeigerschlag", sagt Michael Ruschke und deutet auf seine Uhr. 1.13 Uhr am Sonntagmorgen rollt der Regioshuttle in den Geraer Hauptbahnhof. Die Bahnsteige sind menschenleer, als die Jungfernfahrt der Elster-Saale-Bahn eintrifft. Der einzige reguläre Fahrgast an Bord, ein Jugendlicher mit Sporttasche, hat es eilig, drückt den Türöffner und verschwindet in der Unterführung.

In Leipzig war der erste Zug EBx 37473 gestartet. "2002 bin ich hier das letzte Mal mit dem Intercity rausgefahren", sagt Ruschke, als er am Abend mit der Leerfahrt die sächsische Metropole erreicht. Der Zug damals war freilich länger als der Triebwagen der Erfurter Bahn, der sich mit seinen 25 Metern am Bahnsteig 12 fast verliert. "Wir kommen jetzt öfter", sagt der Geschäftsführer der Erfurter Bahn, Michael Hecht, zu einem herbeieilenden Wagenmeister, auf dessen orangefarbener Latzhose ein DB-Logo leuchtet. "Ah, ihr macht Sonderfahrten", antwortet jener. "Nein, ganz reguläre", kontert Hecht und lächelt.

Sie müssen sich in Leipzig wie an Ostthüringer Bahnsteigen erst an die neuen Farben grün-weiß gewöhnen. Der letzte rote Regionalzug der DB Regio, die nach der verlorenen Ausschreibung acht Linien in Ostthüringen abgeben muss, war 23.15 Uhr gestartet. "Es ist wie beim Fußball: einer gewinnt und einer verliert", sagt Volker M. Heepen, Geschäftsführer der Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen, zum Abschied. Er überreicht dem letzten DB-Zugteam zwei Pralinenkästen als Dankeschön.

"Wie es für uns weitergeht, steht in den Sternen", sagt Triebfahrzeugführer Frank Koppmann (51) mit glasigen Augen. Wie viele andere Mitarbeiter der DB Regio weiß er nicht, ob er weiter in Thüringen fahren darf oder nach München, Mannheim oder ins Ruhrgebiet versetzt wird. Fest steht: Der Geraer muss künftig weiter zu seinen Einsatzorten reisen.

Das gilt aber auch für Servicemitarbeiterin Sabine Kunze (47) von der Erfurter Bahn, die von Mühlhausen aus länger unterwegs ist. In Nordthüringen nämlich läuft es genau andersherum: Ab Ende 2013 übernimmt die DB Regio als Gewinnerin der Ausschreibung die Linien von der Erfurter Bahn. Wechsel ist Sabine Kunze gewohnt. Sie arbeitete einst bei der Deutschen Bahn, bis ihr 2001 nach ihrem Jahresurlaub mitgeteilt wurde, dass sie nicht mehr zum Team zählt. "Ich bin saniert worden", sagt sie heute. 2002 fing sie nach dem Schock bei der Erfurter Bahn an: "Hier geht es sehr familiär zu, was sich im guten Service für die Reisenden widerspiegelt."

Sie betreut die Jungfernfahrt an diesem Sonntag. Schon weit vor Mitternacht steigen die ersten Fahrgäste ein, denen sie Sekt reicht. "Wir hatten unseren Zug verpasst und wollten schon ein Taxi nehmen, als wir das neue Angebot auf der Fahrplantafel entdeckten", berichtet Kerstin Heilmann. Sie lobt den neuen Zug. Die Sitze seien nicht so steil wie in der Regionalbahn auf der Hinfahrt. "Und die Fensterscheiben sind schön groß", fügt ihr Mann Hans-Jörg an. "Werden eigentlich immer Schnittchen gereicht?"

Florian Degering nimmt Platz. Der 23-Jährige will nur eine Station mitfahren. "Mit dem Zug bin ich 20 Minuten früher auf meiner Party als mit der Straßenbahn. Und der Wagen hebt sich richtig ab, weil er so neu aussieht", sagt der gelernte Schornsteinfeger. "Wenn das mal kein gutes Omen ist", sagt Sabine Kunze bei der Fahrkartenkontrolle. Ein halbes Dutzend zahlende Passagiere begrüßt sie an Bord. Die meisten steigen an den Haltepunkten im Leipziger Umland wieder aus. An den anderen Stationen öffnet Kunze die Tür, blickt kurz links und rechts. Gähnende Leere, egal ob in Profen, Zeitz oder Bad Köstritz. Kein Nachtschwärmer findet sich ein, der die Jungfernfahrt erleben will.

Die verläuft relaxt, nur die Stoßdämpfer quietschen ab und an. "Die werden noch getauscht", sagt Geschäftsführer Hecht. "Wir müssen erst einmal zeigen, dass wir es so gut können wie die Deutsche Bahn", sagt er, wohl wissend, dass sich erst am Montag im Berufsverkehr zeigt, ob das Konzept aufgeht. Und so räumen sie an der Endhaltestelle in Gera das Büfett vom Campingtisch. "Auf den Zeigerschlag", sagt Triebfahrzeugführer Ruschke noch einmal stolz. "So soll s immer sein."

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