Milchbauern im Altenburger Land: Die Luft wird dünn im Kuhstall

Erzeuger aus dem Altenburger Land beklagen geringe Erlöse für Milch und sehen keinen Hoffnungsschimmer. Steigende Kosten der Produktion und das harte Preisdiktat der Lebensmittelhändler und Molkereien machen ihnen zu schaffen.

Kühe im Altenburger Land.

Foto: zgt

Altenburger Land. Ein Licht am Ende des Tunnels zum Milchpreis sehe er nicht, sagte Thomas Just, Chef der Naundorfer Agrargenossenschaft mit Sitz in Starkenberg, gestern auf Nachfrage. Just gehörte zur kleinen Altenburger Abordnung von drei Milcherzeugern aus Mockzig, Dobitschen und Starkenberg beim Erfurter Milchtag am Montag.

Zwar war man sich dort einig, dass die Milchbauern weiter gefördert werden müssten, was Investitionen in neue Ställe und Melkanlagen betrifft. Und Landwirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) versprach auch, sich für ein Sicherheitsnetz auf EU-Ebene stark zu machen, um eingreifen zu können, wenn der Milchpreis stark fällt und die Betriebe nicht dauerhaft kostendeckend arbeiten können.

Doch laut eigener Aussage tun sie das längst nicht mehr. Der Milchtag habe wenig Neues gebracht, sagt denn auch der Starkenberger Thomas Just. Milcherzeuger wie Just drücken der niedrige Preis für Milch und die hohen Kosten für Futter und Energie. Etwa 40 Cent pro Kilogramm Milch müssten es sein, um wenigstens die Kosten wieder rein zu bekommen, hieß es in der Landesvereinigung Thüringer Milch. Derzeit liegen die Erlöse aber nur bei 33,9 Cent.

An Gewinn bei Milch sei nicht zu denken, sagt Thomas Just, zu dessen Agrargenossenschaft 680 Kühe gehören. Trotz eigener Nachzucht, also ohne Zukauf von Tieren, und eigener Futterproduktion können die Starkenberger keine großen Sprünge machen. Die Schuld dafür trage die Monopolstellung der Handelsriesen, und auch die Preispolitik mancher Molkereien könne man da nicht rausnehmen, so Just.

Dem stimmt auch Steffen Fritsche, Chef der Agrargenossenschaft Altenburger Land in Dobitschen zu, einem Mischbetrieb mit Viehzucht und Ackerbau – und 220 Kühen im Stall. "Wir lassen uns erpressen", sagt Fritsche, und dass dagegen etwas unternommen werden müsste. Letztlich seien es stumme Preisabsprachen, die bis nach unten auf die Milchpreise drücken würden. Billigprodukte – ist das Schlagwort, das Just und Fritsche im Munde führen. Das aber treffe nicht nur die Milch, sondern viele Lebensmittel. Letztlich gelte die Landwirtschaft nichts mehr, meint Just. Man werde wohl erst wach werden, wenn Betriebe krachen gingen und dann merken, welches Gut man verliere, so der Landwirt. Doch die Tendenz zur Milchproduktion sinkt schon seit geraumer Zeit. In Thüringen gibt es etwa 700 Milchviehbetriebe, die knapp 108 000 Milchkühe halten, 2007 waren es noch rund 117 000 Tiere. Auch im Altenburger Land ist die Zahl der Milchkühe laut Landesamt für Statistik 2010 unter 4800 gerutscht. Vor sechs Jahren waren es noch über 5000 Milchkühe in 19 Betrieben. Um die zwölf Milcherzeuger seien es derzeit, zählt Berndt Apel, Chef des Bauernverbandes Altenburger Land, für seine Region vor. Mit der Milchproduktion sei man zufrieden. Durchschnittlich würden im Landkreis rund 9500 Liter Milch pro Kuh und Jahr von den Erzeugern verkauft, sagt Apel. Wie in der Getreideproduktion sei das gut. Dennoch, gerade die positiven Erlöse in der Pflanzenproduktion hätten Konsequenzen für die Milcherzeuger, denn sie schlagen durch auf die Futterkosten, sagt er. Da werde die Luft dünn für den Milcherzeuger.

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