Nach 88 Jahren: Safthersteller Schlör in Kirchhasel droht das Aus

Kirchhasel  1927 wurde in Schaala erstmals Obst angenommen, das zu Saft verarbeitet wurde. 88 Jahre später sieht alles danach aus, dass die Tradition, die Nazi- und DDR-Zeit überstand, ­beendet wird.

Ein Transporter mit Schlör-Werbung steht auf dem Hof der Thüringer Fruchtsaft GmbH im Gewerbegebiet Kirchhasel. Foto: Thomas Spanier

Foto: zgt

Der Verkauf der seit Anfang November insolventen Thüringer Fruchtsaft GmbH gestalte sich schwierig, teilte Insolvenzverwalter Kai Dellit am Mittwoch schriftlich mit. Das klingt nach Hoffnung, die viele Mitarbeiter des Unternehmens allerdings nicht mehr haben.

Eine Woche zuvor hatte der Rechtsanwalt mit Sitz in Erfurt zu einer Betriebsversammlung in Kirchhasel eingeladen. Es gebe niemand, der das Unternehmen mit rund drei Dutzend Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von etwa vier Millionen Euro übernehmen wolle, erklärte Dellit. Dazu gebe es die bekannten Probleme mit den Markenrechten für „Schlör“, überhaupt sei das Geschäft mit Säften aus Pfandflaschen schwierig.

Einem Großteil der Stamm­belegschaft, nach Angaben des Insolvenzverwalters zwölf von 16 vollbeschäftigten Mitarbeitern, wurde gekündigt. Einige der Produktionsarbeiter sollen bereits seit über 20 Jahren für die Thüringer Fruchtsaft GmbH tätig sein. Die Kündigungsfristen laufen teilweise bis Ende Juli.

Am Standort in Kirchhasel hatte man gestern den Eindruck eines regulären Betriebes beim Abholen der Produkte. Bezüglich Nachfragen verwies man auf die Pressestelle der Kanzlei des Insolvenzverwalters mit Sitz in Berlin. Diese wiederum verweist auf die Presseerklärung vom Vortag.

Nicht alle Mitarbeiter wollen den Lauf der Dinge aber stillschweigend hinnehmen. Die Produktion ruhe bereits seit einer Woche, die Arbeiter seien bis zum Ende der Kündigungsfrist freigestellt, sagte ein Betroffener. Dies sei um so bitterer, da man die neu gekaufte Abfüllanlage für Fruchtsaftflaschen jetzt endlich zum Laufen gebracht habe und Schlör-Säfte auch wieder bei großen Einzelhandelsketten wie Globus gelistet war.

Der Geschäftsbetrieb soll nach seiner Kenntnis zum 31. Mai eingestellt werden, vier Monate übrigens nach der benachbarten Firma Mehag eG, die ebenfalls im Herbst in Insolvenz ging und seit Februar dicht ist.

Beim Mutterunternehmen der Thüringer Fruchtsaft GmbH in Radolfzell am Bodensee ging das Insolvenzverfahren deutlich besser aus. Mitte April verkündete die selbe Anwaltskanzlei die Übernahme von Schlör mit sämtlichen Mitarbeitern durch einen Familienbetrieb aus Bermatingen-Ahausen, ebenfalls am Bodensee gelegen. Die Betriebsstätte von Schlör in Thüringen war nicht Teil des Übernahmepakets.

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