Soforthilfen für Thüringer Unternehmen waren gerechtfertigt

Erfurt.  Tausendfach haben Firmenchefs und Selbstständige in Thüringen die Corona-Soforthilfe beantragt. Vielen hat das Geld über die erste wirtschaftliche Durststrecke geholfen, wie eine Umfrage zeigt.

Derzeit arbeiten die Angestellten der Thüringer Aufbaubank in Sonderschichten.

Derzeit arbeiten die Angestellten der Thüringer Aufbaubank in Sonderschichten.

Foto: Martin Schutt / dpa

Thüringens Weg bei den Corona-Soforthilfen, nicht auf Prüfstandards bei den Anträgen zu verzichten, wird von einer Mehrheit der Unternehmen unterstützt. Zwei Drittel der Firmenchefs oder Selbstständigen befürwortet dieses Vorgehen, wie aus einer Umfrage im Auftrag der Thüringer Aufbaubank hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die aktuellsten Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Demnach haben knapp 33 Prozent der Befragten es dagegen lieber gesehen, wenn Soforthilfeanträge erst bewilligt und dann erst geprüft worden wären. Etwa jeder fünfte Befragte gab an, dass ohne die Finanzhilfen eine Insolvenz gedroht hätte.

Die Weimarer Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung aproxima hat dafür etwa 3000 Antworten einer Online-Befragung ausgewertet. Thüringen zahlte bisher weit mehr als 200 Millionen Euro an in Not geratene Firmen aus. Insgesamt wurden etwa 60.000 Anträge innerhalb von sechs Wochen nach Angaben der Förderbank des Lands bearbeitet.

Fast 61 Prozent der Unternehmen sagten, durch die Zahlungen hätten die wirtschaftlichen Schäden, die ihnen in Folge der Corona-Pandemie entstanden seien, zumindest gemindert werden können. 38 Prozent meinten aber auch, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten würden weiter anhalten.

Eine Mehrheit zeigte sich mit dem Tempo der Antragsbearbeitung zufrieden – nur 14,5 Prozent dauerte es zu lange, bis sie eine Entscheidung hatten. 67,6 bezeichneten den Aufwand für den Soforthilfeantrag als unerwartet gering und 0,6 Prozent fanden ihn unerwartet hoch.

Einsatz der Mittel war notwendig und gerechtfertigt

Die Beurteilung des Aufwands und der Bearbeitungszeit spreche für das in Thüringen gewählte Antragsverfahren, erklärte Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Die Mitarbeiter der Aufbaubank hätten in den letzten Wochen „massenhaft Überstunden angehäuft“. Nur durch ihren enormen Einsatz seien in relativ kurzer Zeit Zehntausende Soforthilfeanträge bearbeitet worden.

Ein Drittel der Betriebe habe dank des Programms Zahlungsschwierigkeiten vermeiden können, andere seien vor einer Insolvenz bewahrt worden, berichtete der Minister. „Wir können also sagen: Der Einsatz dieser Mittel war notwendig und gerechtfertigt.“ Zudem scheine es in der Thüringer Wirtschaft eine gewisse Hoffnung zu geben, „dass es bald wieder bergauf gehen könnte“.

In Thüringen hatte es im Gegensatz zu anderen Bundesländern trotz der Antragsflut nur einzelne Verdachtsfälle auf Betrug bei den Coronahilfen gegeben. Für die Anträge sieht die Aufbaubank eine Kombination aus Internet-Formular und gedrucktem Antrag mit Unterschrift vor.

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