Wie ein Chip aus Jena die Zahl von Tierversuchen reduziert

Jena.  Kandidat für den Thüringer Innovationspreis: Dynamic42 ist ein junges Jenaer Unternehmen. Mit dieser Entwicklung will das Team eine Alternative für Tierversuche bieten.

Auf einem winzigen Chip modelliert das Jenaer Unternehmen Dynamic42 die menschliche Leber und ermöglicht so den Test von Wirkstoffen.

Auf einem winzigen Chip modelliert das Jenaer Unternehmen Dynamic42 die menschliche Leber und ermöglicht so den Test von Wirkstoffen.

Foto: Tino Zippel

Der Weg vom Wirkstoff zum zugelassenen Medikament ist lang. Bevor die Pharmaindustrie am Menschen testen darf, muss sie nachweisen, dass die Neuentwicklung keine gefährlichen Nebenwirkungen auslöst. Aktuell finden diese Tests vor allem an Tieren statt. Dynamic42 aus Jena will das ändern: Das Chip-basierte menschliche Lebermodell für die Wirkstoff-Testung gehört den Projekten, die beim Thüringer Innovationspreis 2020 unter die Top 20 gekommen sind. Die Firma tritt in der Kategorie Licht und Leben an.

Aus dem Jenaer Universitätsklinikum ausgegründet

Die Ausgründung des Jenaer Universitätsklinikums hat einen Chip entwickelt, der Prozesse menschlicher Organe nachstellt. Der Plastikträger ist kaum größer als ein Steckbaustein im Kinderzimmer, verfügt aber über Spezialmembranen. Zwischen denen können die Wissenschaftler die Zellstruktur der Leber identisch dem Original nachbauen und im Inkubator kultivieren. Mit simuliertem Blutfluss und unter der Integration von Immunzellen zeigen die Experimente im Labor, ob ein Wirkstoff den Zellen schadet.

Fernsehserie inspiriert für Firmenname

Pharmaunternehmen lassen Wirkstoffe bereits mit der patentierten Innovation testen, um zu erfahren, ob die weitere Forschung lohnt. Die heutige Ausfallrate bei der Entwicklung ist groß. Nur eines von zehn Medikamenten, das im Tierversuch unauffällig war, kommt nach den klinischen Studien zur Zulassung, erläutert Knut Rennert, der gemeinsam mit Martin Raasch die Geschäfte von Dynamic42 führt. Für den Firmennamen ließen sie sich im Übrigen von der Serie „Per Anhalter durch die Galaxis“ inspirieren, in der die Antwort auf die Frage aller Fragen 42 lautet.

Das Jenaer Start-up will sein Verfahren weiterentwickeln, um Prozesse in den modellierten Organen bis zu 28 Tage lang beobachten zu können. Bereits heute ist möglich, die Reaktionen verschiedener Organe in der Kombination auszutesten, also beispielsweise Leber und Darm oder Leber und Lunge.

Innovationspreis

Am 25. November wird der Thüringer Innovationspreis verliehen. Wir stellen Bewerber vor, die es in die Top 20 geschafft haben.

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