Der besondere Beruf: Wie werde ich Tauchlehrer – 11 Fragen an einen Ausbilder

Als Course Director bildet Steffen Seiler Tauchlehrer aus. Dafür war er bereits auf Tauch­basen in Mexiko, Spanien, Ägypten und den USA aktiv.

Tauchlehrer Robert Hollmann (rechts) überwacht die Tarier-Übungen von Julia Stollberg. Mithilfe der Tarierweste kann man seine Höhe im Wasser kontrollieren und sich in der Schwerelosigkeit "ausbalancieren". Foto: Diveaholics Erfurt

Tauchlehrer Robert Hollmann (rechts) überwacht die Tarier-Übungen von Julia Stollberg. Mithilfe der Tarierweste kann man seine Höhe im Wasser kontrollieren und sich in der Schwerelosigkeit "ausbalancieren". Foto: Diveaholics Erfurt

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Wie wird man Tauchlehrer?

Bei der Tauchorganisation PADI beginnt man seine Ausbildung mit dem Open Water Diver. Dann darf man mit einem Tauchpartner tauchen. Darauf folgen weitere Kurse, die die Fähigkeiten festigen und ausbauen. Der Divemaster ist der erste Schritt in Richtung Berechtigung zur Tauchausbildung. Er ist eine Art Assistent des Tauchlehrers. Um schließlich den Kurs zum sogenannten Instructor beginnen zu dürfen, sollte man außerdem mindestens 100 Tauchgänge Erfahrung haben.

Welche Anforderungen muss man als Tauchlehrer erfüllen?

Der Sprung vom Sporttaucher zum Lehrer ist groß. Plötzlich trägt man nicht mehr nur Verantwortung für sich und seinen Tauchpartner, sondern für mehrere Schüler. Da ist Antizipation gefragt: Man muss Probleme vorhersehen, um sie zu vermeiden. Außerdem muss man vielseitig talentiert sein: Menschenführung, Organisations­geschick, Technikverständnis und Fitness sind natürlich ganz wichtig. An manchen Tagen ist man mehrere Stunden im Wasser. Tauchausbildung ist auch kein Montag-bis-Freitag-Job. Man arbeitet in der Regel, wenn die Kunden arbeitsfrei haben.

Wie läuft die Ausbildung ab?

Zunächst gibt es einen Vorbereitungskurs. Dem folgen zwei intensive Schulungswochen. Gelehrt wird alles Wichtige, um den Beruf als Tauchlehrer erfolgreich auszufüllen: Präsentationstechniken für den Theorieunterricht, Demonstrationstechniken der Unterwasserübungen, Tauchphysik und Notfallmanagement. Und das in der tauchtypischen Domäne Wasser für die praktische Arbeit, aber auch im Unterrichtsraum für die Theorie. Nach dem Unterricht bereiten die zukünftigen Tauchlehrer für den nächsten Tag Vorträge und Übungen vor. Der Kurs ist für alle Teilnehmer Herausforderung und Bereicherung zugleich. Fragen Sie doch mal Robert Hollmann, wie er es fand. [Anm. d. Red.: Zitat Robert Hollmann: „Es waren die zwei härtesten Wochen meines Lebens.“]

Das klingt nach einem sehr straffen Programm.

Das war es ja noch nicht: Nachdem die Teilnehmer alle Anforderungen im Kurs erfüllt haben, nehmen sie an der eigentlichen PADI-Prüfung teil. Und das Lernen hört nie auf. Nach der Ausbildung gibt es häufige Webinare, um bei Kursinhalten und -neuerungen sowie Material und Technik up to date zu sein.

Wie viele Taucher haben Sie so zum Tauchlehrer gemacht?

Ich bin seit 2002 Course Director. Seitdem habe ich etwa 670 Tauchlehrer ausgebildet.

Wie teuer ist überhaupt die Ausbildung zum Tauchlehrer?

Je nach Verband variiert das. Bei PADI kosten Lehrmaterial, Examen und Kurs in Summe etwa 2000 Euro. Das klingt viel. Verglichen mit den Kosten für andere Berufsausbildungen ist es aber nicht sehr teuer. Man sollte auch nicht außer Acht lassen, dass der Kurs nur zwei Wochen dauert – wenig im Verhältnis zu vielen anderen Ausbildungen. Unter Umständen fördert sogar das Arbeitsamt die Ausbildung.

Können Sie den Job weiter empfehlen?

Es ist definitiv ein toller Beruf, wenn man mit Menschen zusammenarbeiten, ihnen schöne Momente bescheren und die Welt über und unter Wasser kennenlernen will.

Ist Tauchen Männerdomäne?

Früher vielleicht. Mittlerweile schätze ich das Verhältnis auf 60 zu 40, zugunsten der Männer. Aber ich bilde auch immer mehr Instructorinnen aus.

Wie begann das mit dem Tauchen für Sie?

Schon als Kind wollte ich tauchen und ab 1976 lernte ich es. Seit 1984 bin ich Tauchlehrer, damals noch in der DDR. 1995 folgte dann auf den Malediven die Ausbildung zum PADI-Instructor. Seitdem bin ich hauptberuflich Tauchlehrer und der erste und einzige ostdeutsche Course Director bei PADI.

Wie viele Tauchgänge stehen da mittlerweile im Logbuch?

Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Aber es sind weit über 10 000, denke ich.

Hat man da überhaupt noch Freude am ehemaligen Hobby?

Natürlich ist ein Ausbildungstauchgang nicht immer entspannend, aber eine gewisse Anspannung gehört dazu. Trotz allem liebe ich meinen Job. Meine Leidenschaft zum Tauchen ist ungebrochen und meine Erfahrung gebe ich gern weiter. Ich habe das große Glück, dass meine Frau diese Leidenschaft teilt und mich unterstützt.

Interview: Peter Cott

OTZ-Serie „In fremder Haut“ (3): Ein Tag als Tauchlehrer

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