Erschütternder Zustand von Schloss Friedrichstanneck

Interessierte Bürger besichtigten mit EWG-Chef Norbert Heinze das Schloss.

Das Schloss Friedrichstanneck in Eisenberg befindet sich in einem maroden Zustand. Ramponierte Decken und Fuß­böden in einem der saalähnlichen Räume. Foto: Oliver Will

Das Schloss Friedrichstanneck in Eisenberg befindet sich in einem maroden Zustand. Ramponierte Decken und Fuß­böden in einem der saalähnlichen Räume. Foto: Oliver Will

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Friedrichstanneck. "Ich bin erschüttert", anders konnte Anja Polten ihren Eindruck nicht beschreiben. Gemeinsam mit anderen interessierten Bürgern besichtigte sie in der vergangenen Woche gemeinsam mit Norbert Heinz, Geschäftsführer der Eisenberger Wohnungsgesellschaft (EWG), das Schloss Friedrichstanneck. "Ich bin das erste Mal seit zehn Jahren wieder hier drin", so Polten. "Ein solches Ausmaß an Vandalismus ist unbegreiflich."

Im Schloss gibt es kaum mehr eine Fensterscheibe, die nicht zerschlagen ist. Selbst mit zusätzlichen Riegeln gesicherte Türen wurden aufgebrochen. Die Wände sind beschmiert, selbst regelrechte Feuerstellen sind zu finden. Auch Dachziegel wurden mutwillig zerstört, weshalb Regenwasser in das Objekt eindringt. Zimmerdecken sind eingestürzt, die Fußböden knarren beim Gehen bedenklich.

"Die Immobilie ist unserer Gesellschaft zugeordnet worden", erklärte Heinz. "eigentlich müsste es komplett zurückgebaut werden." Allerdings habe die Familie Kühn von Burgsdorff, die einstigen Besitzer des Schlosses, weiterhin das Wohnrecht. "Eine Sanierung schaffen wir aber aus eigener Kraft nicht", so Heinz. Unterstützung sei jedoch beispielsweise von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten abgelehnt worden.

"Uns ist die Situation hier nicht egal, aber wir werden nicht Herr der Lage", betont Heinz. Hinter vielen Beschädigungen werden Jugendliche als Täter vermutet. Andere Indizien, wie die schwere Glocke, die abgehängt wurde, aber nicht durch die schmale Luke passte und nun schief im Turm klemmt, deuten aber auch auf Wertstoffdiebe hin. "Wir haben erst im Januar wieder weitere Türen und Fenster zugemauert - mehr können wir nicht tun", so Heinz.

Anja Polten, die neben dem Schloss aufgewachsen ist, würde gern etwas für das Gebäude tun. "Mir geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, etwas zu bewegen." Dazu sollten Stadtverwaltung, EWG und Alteigentümer an einem Tisch zusammenkommen. "Es ist doch schade um die historischen Werte, die hier verkommen", meint Polten. Allerdings müsse bald gehandelt werden, denn der Verfall schreite rasant voran. Zudem sei auf Grund des Zustandes des Gebäudes auch nicht auszuschließen, dass jemand zu Schaden komme.

Jobst Kühn von Burgsdorff zeigte sich gestern durchaus gesprächsbereit. "Wir als Erbengemeinschaft sind für eine einvernehmliche Lösung gemeinsam mit Stadtverwaltung und Bürgern jederzeit offen", sagte er.