Gezwitscher vom Burghof in Posterstein

Beim Internet-Kurznachrichtendienst Twitter gibt es heute einen virtuellen Museumstag. Das Museum Burg Posterstein beteiligt sich, in Gera winkt die Stadtverwaltung mit ihren fünf Museen ab. Facebook und Twitter bräuchte mehr Personal.

Per Smartphone von Posterstein in die Welt: Klaus Hofmann, Direktor des Museums Burg Posterstein, twittert regelmäßig. Foto: Katja Schmidtke

Foto: zgt

Posterstein/Altenburg/Gera. Das Gezwitscher, das von Burg Posterstein in die Welt klingt, kommt an diesem Januarvormittag nicht von der Blaumeise. Sondern von Klaus Hofmanns iPhone. Und eigentlich ist es kein richtiges Zwitschern, sondern ein Klingelton. Der sagt dem Museumsdirektor: Neue Nachrichten auf Twitter.

Der Kurznachrichtendienst ist ein kostenloses Angebot im Internet, übersetzt aus dem Englischen heißt Twitter zwitschern; Markenlogo ist ein kleiner Vogel. Schnell und flink wie er verbreiten sich über Twitter die Tweets, Nachrichten mit höchstens 140 Zeichen. Es geht um neue Ausstellungen, um ein Foto, das die winterliche Stimmung rund um die Burg einfängt oder um Fundstücke aus dem weltweiten Netz. Für das Museum Burg Posterstein twittert Direktor Klaus Hofmann, 857 andere Twitter-Nutzer folgen seinen Tweets. Auch heute kann der Internet-Dienst dem kleinen Museum zu - zumindest theoretisch - weltweiter Aufmerksamkeit verhelfen. Auf Twitter gibt es den follow-a-­museum-Tag: An dem virtuellen Museumstag teilen Nutzer mit, welchem Museum sie verbunden sind.

Neue Besucherschichten erschließen

"Wer neue Medien wie Twitter und Facebook nicht nutzt, versäumt es, neue Besucherschichten zu erschließen", sagt Klaus Hofmann. Zum Beispiel junge Leute, die sonst selten ins Museum gehen oder Kulturbegeisterte, die nicht wussten, dass es Posterstein überhaupt gibt.

Das bestätigt auch Sabine Hofmann vom Lindenau-Museum in Altenburg. Sie twittert seit gut einem Vierteljahr für das Haus. "Twitter ist nicht unsere Nummer 1, aber es ist eine zusätzliche Möglichkeit, auf uns aufmerksam zu machen", sagt die stellvertretende Direktorin. Das Twittern ist zum Teil der täglichen Arbeit geworden, wie das Beantworten von Mails. Spannend sei es, wie sich neue internationale Kontakte ergeben. Diese Chance nutzt auch Burg Posterstein. Die Ostthüringer erfahren, was Museumsleute weltweit diskutieren und was sie sich einfallen lassen, um ihrem Bildungsauftrag gerecht zu werden. Denn darum geht es und nicht um das Hecheln nach Besucherzahlen. Klaus Hofmann und seine Mitarbeiter scheinen damit gut zu fahren: Eigenen Angaben zufolge verkaufen sie mittlerweile mehr Familienkarten; ein Viertel des Kassengeschäfts laufe über das Internet.

In Gera macht keines der fünf Museen mit

Als Allheilmittel preist Hofmann Twitter, Facebook, die Videokanäle YouTube und Vimeo keinesfalls. Er erwarte nicht, dass alle 857 Twitter-Follower einmal in natura auf dem Burghof stehen. "Das ist auch nicht der Ansatz", sagt er. Vielmehr habe sich das Museum durch seine digitale Präsenz zu einer Hausnummer in Thüringens Museenlandschaft entwickelt. So ist es kein Wunder, dass auf dem Postersteiner Twitter-Kanal seit Tagen auch die Schließungsszenarien der Geraer Museen debattiert werden.

Keines der fünf Häuser hat einen Twitter- oder Facebook-Account, bestätigt Geras Stadtsprecher Uwe Müller. Er meint: Wer mit internet­affinen Kulturfans in Dialog treten will, muss das richtig, also schnell und kontinuierlich machen. "Der personelle Aufwand wäre zu groß, wir sind in der Haushaltskonsolidierung", so Müller.

Klaus Hofmann hält dagegen: "Gerade jetzt". Twittern kostet kein Geld, aber freilich kostet es Zeit. Mehr Personal erfordert das nicht zwangsläufig, eher ein Nachdenken über Aufgaben. Das Kuratieren einer neuen Ausstellung oder die Recherche für ein Buch sind unbestritten Aufgabe eines Museums, kurzum: Bildungsauftrag. Dazu braucht es aber auch Marketing - egal ob analog via Pressemitteilung und Werbekampagne oder digital mit Twitter und Facebook.

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